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In den zweiten Hälfte der siebziger Jahren sah die NATO das strategische Gleichgewicht in Europa gefährdet. Die Sowjetunion hatte mehr als 140 moderne Mittelstreckenraketen vom Typ SS 20 mit jeweils drei Atomsprengköpfen in Osteuropa stationiert. Gegen diese neuen Waffen glaubte die NATO mit ähnlichen Waffen gegenhalten zu müssen, um das Gleichgewicht des Schreckens zu erhalten. Dafür wurde der Begriff Nachrüstung geprägt, der ausdrückte, dass die NATO auf die neue Bedrohung antworten müsse. Für die Nachrüstung waren 108 Pershing II Mittelstreckenraketen und 464 Cruise-Missiles vorgesehen, jeweils mit US-Atomsprengköpfen. Diese Waffensysteme sollten ältere Systeme ablösen und weil sie erheblich leistungsfähiger waren, das Gleichgewicht wiederherstellen.
In der Bundesrepublik Deutschland war der Doppelbeschluss heftig umstritten. Man sah die Entspannungspolitik Brandts gefährdet und fürchtete eine Verschärfung des Kalten Krieges. Kanzler Schmidt (SPD) verlor hierdurch die Unterstützung weiter Teile seiner Partei. 1983 kamm es zu einer großen Demonstration gegen die NATO-Nachrüstung, als die Regierung Kohl die Stationierung von Mittelstreckenraketen gemäß Doppelbeschluss ermöglicht. Aber dann kommt es doch zu erfolgreichen Verhandlungen und zum Abbau der Mittelstreckenraketen gemäß dem INF-Vertrag von 1987. |