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Artikel 22 des Grundgesetzes sagt: "Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold.". Diese Farben gelten als die Farben der Einheit und Freiheit, und sie haben dementsprechend eine Geschichte mit mehreren Kapiteln. 1. Das Luetzower FreikorpsDie Farben Schwarz, Rot und Gold tauchen das erste mal 1813 zu Beginn der Befreiungskriege auf, als die Preußen gegen die Besetzung Deutschlands durch Napoleon kämpfen. Der preußische Major Adolf von Luetzow gründet in dieser Zeit ein Freikorps, dass hauptsächlich aus Malern, Dichtern, Professoren und Studenten besteht. Ihre Uniformen bestehen aus schwarzen Röcken, roten Aufschlägen und goldenen Knöpfen, den Symbolfarben, die den Ausgangspunkt für die spätere deutsche Fahne bilden. 2. Die Jenaer BurschenschaftAm 12. Juni 1815 gründeten sieben Studenten, die im Luetzower Freikorps gedient hatten zusammen mit anderen national gesinnten Studenten die Burschenschaft zu Jena ("Ehre, Freiheit, Vaterland"). Diese sieben Studenten wählten die Farben Schwarz, Rot und Gold zu den Farben der Burschenschaft. In der Verfassungsurkunde heißt es: "Eingedenk, dass bei
3. Das WartburgfestAnlässlich des vierten Jahrestages der Völkerschlacht bei Leipzig, dem 18.Oktober 1817, ziehen etwa 500 Studenten der Burschenschaft und einige Professoren aus vielen deutschen Staaten mit der rot-schwarz-roten Fahne auf die Wartburg bei Eisenach, um für Freiheit und Einheit und gegen restaurative Ideen zu demonstrieren. Die sogenannte "Wartburgfahne" wird heutzutage im Festsaal des Palas der Burg gezeigt, sie ist eine grössere Kopie des Originals, das am 18.Oktober 1817 mitgeführt wurde und heute im Stadtmuseum von Jena aufbewahrt wird. Sie enthält den eingestickten Schriftzug "von den Frauen und Jungfrauen zu Jena am 31.März 1816", zum ersten mal sind hier drei Farbbahnen (rot-schwarz-rot) gewählt, was vermutlich auf den Einfluss der französischen Trikolore zurückzuführen ist. Zusätzlich zu den goldenen Fransen wurde ein goldener Eichenzweig eingestickt. Viele zeitgenössische Stiche zeigen irrtümlich Burschenschaftler mit Fahnen in den Farben Schwarz-Rot-Gold. Mit dem Beginn der Verfolgung der Burschenschaftler, nach der Ermordung Kotzebues, 1819 musste diese Fahne als Symbol des Kampfes für Einheit und Freiheit in Deutschland vor dem Zugriff des Staatsapparates versteckt werden. Sie wurde zeitweise unter
4. Das Hambacher FestVom 27.5 bis zum 30.5.1832 demonstrieren 30.000 Teilnehmer auf dem Hambacher Fest für nationale und demokratische Ideen. Der Deutsche Bund reagiert mit den "Maßregeln zur Aufrecherhaltung der gesetzlichen Ruhe und Ordnung", in denen unter anderem die Zensur nochmals verschärft, die Rede- und Verdammlungsfreiheit aufgehoben und das schwarz-rot-goldene Abzeichen verboten wurde. Die Farben Schwarz, Rot, Gold setzten sich auf dem Hambacher Fest eindeutig als deutsche Farben durch. Diese Fahne wurde dem Zug zum Hambacher Schloss vorangetragen. Die Inschrift im mittleren roten Teil - Deutschlands Wiedergeburt - machte das Ziel der Beteiligten deutlich, die Errichtung eines deutschen Nationalstaates. 5. Die Revolution von 1848/49Am 18.5.1848 zogen die Abgeordneten der ersten Deutschen Nationalversammlung,
6. Der Norddeutsche Bund1866 gründet der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck 1866 den Norddeutschen Bund und bestimmt 1867 in dessen Verfassung die Farben Schwarz-Rot-Gold zu den Bundesfarben. Mehrere Einzelstaaten südlich der Mainlinie schlossen sich zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 dem Nordddeutschen Bund an. Am 10. Dezember 1870 wurde der Norddeutsche Bund per Reichstagsbeschluss in das Deutsche Reich umgewandelt. 7. Das Deutsche KaiserreichAm 18.Januar 1871 wird im Schloss von Versailles nach dem Sieg der verbündeten deutschen Truppen über Frankreich das "Deutsche Kaiserreich" proklamiert. Der preußische König wird als Wilhelm I. "Deutscher Kaiser", die Farben des Reiches bis 1918 sind Schwarz-Weiss-Rot. 8. Die Weimarer RepublikAm 11.August 1919 wird die Verfassung der Weimarer Republik vom Reichspräsidenten Friedrich Ebert unterzeichnet. Artikel 3 lautet: "Die Reichsfarben sind Schwarz-Rot-Gold. Die Handelsflagge ist Schwarz-Weiss-Rot, mit den Reichsfarben in der oberen inneren Ecke". Der Kompromiß zwischen den alten Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot und den neuen Reichsfarben war Ausgangspunkt eines fortwährenden Flaggenstreits in der Weimarer Republik. 9. Die Nationalflagge unter dem NationalsozialismusReichspräsident Paul von Hindenburg verordnet am 13.März 1933, "dass vom morgigen Tage bis zur endgültigen Regelung die schwarzweissrote Fahne und die Hakenkreuzfahne gemeinsam zu hissen sind". Das Schwarz-Rot-Gold der deutschen demokratischen Tradition wird damit liquidiert. 1935 wird in dem ersten "Nürnberger Gesetz" bestimmt: "Reichs- und Nationalflagge ist die Hakenkreuzflagge, sie ist zugleich Handelsflagge". 10. Die Gründung der Bundesrepublik DeutschlandDie Flaggen des Nationalsozialismus verschwanden mit dem Kriegsende. Am 14.Juni 1945 untersagt der alliierte Kontrollrat aber auch die alten demokratischen Farben Schwarz-Rot-Gold. Auf der letzten Sitzung des Parlamentarischen Rates am 23.Mai 1949 wird das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet. Im Parlamentarischen Rat wird bewußt die alte Tradition der deutschen Demokratie aufgegriffen und Artikel 22 bestimmt: "Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold".
11. Die Flagge der DDRAm 1.Oktober 1951 gibt sich die Deutsche Demokratische Republik (DDR) eine eigene Staatsflagge, in die Farben Schwarz-Rot-Gold wird das Staatswappen der DDR, Ährenkranz, Hammer und Zirkel eingefügt. 12. Die WiedervereinigungAm 3.Oktober 1990 gelten die nationalen Symbole der Bundesrepublik Deutschland nun auch in den fünf neuen Bundesländern auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Quellen: "Weltgeschichte im Überblick", Bernd Legath, Ulrich Meer, Ulrich W. Rutzenhöfer, Adelheid Schmidt-Thomé; Propyläen Weltgeschichte; Meyers Taschenlexikon; Brockhaus; Deutsches Historisches Museum |