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Berliner unterschiedlicher Nationalität
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Zuwanderung, Fremdenfeindlichkeit und Integration von
Ausländern in Berlin
Notizen zu einem geführten Stadtrundgang
Kreuzberg ist ein Stadtteil Berlins, welcher sich aufgrund seiner Geschichte
zu einem sozialen Brennpunkt entwickelt hat. Er ist flächenmäßig mit seinen
10 km² der zweitkleinste Teil der Hauptstadt. Allerdings hat Kreuzberg 155.000
Einwohner - es leben also 15.000 Menschen auf jedem km², in ganz Berlin gibt es
dagegen nur durchschnittlich 3905 Einwohner pro km².
Wer sich mit der Geschichte Kreuzbergs auseinandersetzt, dem fallen sofort
die verschiedenen Migrationswellen auf, mit denen dieser Stadtteil fertig werden
musste. Zu Beginn der Stadtentwicklung Berlins kamen viele im Handel tätige
Juden in die Hansestadt, was dazu beigetragen hat, dass der Handel als der
wichtigste Wirtschaftsfaktor der Stadt sich gut entfalten konnte.
Sehr viel später, infolge der Industrialisierung, kamen Schlesier nach Kreuzberg,
da die Webereien in Schlesien nicht mehr konkurrenzfähig waren. Die Schlesier
erhofften sich eine neue gesicherte Zukunft in Berlin. Dies führte zu einem dynamischen
Anstieg der Bevölkerungszahl von Berlin in den Jahren 1900-1910. Zur
Unterbringung dieser Menschenmassen wurden sogenannte Mietskasernen gebaut.
Auf 1 km² Wohnfläche mussten 67.000 Personen dicht gedrängt wohnen. Gewöhnlich
teilten sich mehrere Menschen einen Raum, die Wohnungen hatten kein fließendes Wasser, keine
Sanitäranlagen und keine Heizung.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Arbeiterviertel Kreuzbergs kaum beschädigt,
trotzdem waren die Mietskasernen nach dem Kriege in einem so schlechten Zustand,
dass sie grundlegend saniert werden mussten. Auch wurden sehr viele Häuser
abgerissen und durch neue moderne Häuser ersetzt, die mit Elektrizität,
fließendem Wasser, Sanitäranlagen und Heizungen ausgestattet waren.
In der Zeit des sogenannten Wirtschaftswunders
wurden viele Arbeitskräfte in Westdeutschland und auch Berlin benötigt und man
warb vor allem in der Türkei Gastarbeiter an. Auf Grund der günstigen Mieten
siedelten sich die türkischen Gastarbeiter hauptsächlich in Kreuzberg an. Sie
bilden die vorletzte Migrationswelle und sind der Grund für die hohen
Ausländerzahlen Kreuzbergs, da viele von ihnen in Berlin blieben, anstatt wie
geplant wieder in ihre Heimat zurückzukehren.
Die letzte Migrantenwelle verursachten die Studenten aus Westdeutschland, die
in den 70er und 80er Jahren kamen, hauptsächlich wegen der guten
Studienmöglichkeiten, die Berlin bot.
Ein weiteres Problem sorgte in den 70er Jahren für Unruhen in Kreuzberg.
Einige der Wohnblöcke sollten abgerissen werden. Dieses Vorhaben der Stadt
wurde von vielen Bürgern nicht respektiert und so kam es zu Hausbesetzungen,
die nach Angaben unseres Stadtführers oft so endeten, dass die Hausbesetzer von
der Polizei gewaltsam vertrieben wurden.
Auf Grund seiner besonderen Struktur muss sich Kreuzberg mit vielen Problemen
auseinandersetzen. Auf Grund der hohen Zahl jugendlicher Arbeitsloser und der
häufig ungeklärten Zukunftsperspektive türkischer Jugendlicher steigt die
Kriminalitätsrate und es besteht die ernste Gefahr einer Ghettobildung.

Migration und Probleme der Integration von Ausländern
Bei der Ausländerbeauftragtenstelle der Stadt Berlin
Die Ausländerbeauftragtenstelle der Stadt Berlin wurde 1981 vom Senat ins Leben
gerufen, welcher auch diese Behörde finanziell trägt. Momentan werden 40
Mitarbeiter, die insgesamt 11 verschiedene Sprachen beherrschen, beschäftigt.
Das Amt stellt einen Knotenpunkt bzw. eine Koordinationsstelle in alle
Richtungen dar. Man hat Kontakt zu allen mit Ausländern beschäftigten
Administrationen, z.B. dem Sozialamt oder verschiedenen Botschaften. Hervorzuheben ist auch der Kontakt in den parlamentarischen Raum. So wird jede Ausländer betreffende Gesetzesvorlage der
Ausländerbeauftragtenstelle vorgelegt und deren Votum berücksichtigt.
Deutschland war jahrhundertelang ein Auswanderungsland - so emigrierten im
Zeitraum von 1800-1930 ca. 7 Millionen Menschen. Die ohnehin geringe
Ausländerquote erreichte 1945 nach der Zeit des NS-Regimes den Tiefpunkt mit
unter 1%.
Dieser Zustand änderte sich 1955 mit dem Beginn der Anwerbung von
Gastarbeitern, welcher mit dem eintretenden "Wirtschaftswunder"
aufgrund des Mangels an Arbeitskräften nötig geworden war. Zwischen 1955 und
1973 (Ende der Vollbeschäftigung, Ölkrise) kamen rund 14
Millionen Gastarbeiter in die BRD, von denen ein Großteil nach Ablauf ihrer
zeitlich begrenzten Arbeitsverträge in ihre Heimatländer zurückkehrte. Die
Anwerbung der Gastarbeiter war nie als Einwanderungsprozess gedacht, sondern man
hoffte auf die Selbstregelung durch die Wirtschaft. Doch vor allem die türkischen Gastarbeiter
holten ihre Familien dauerhaft in die Bundesrepublik.
Heute beträgt der Anteil an Nicht-Deutschen-Berlinern rund 13% der Berliner
Bevölkerung. Innerhalb der Stadtgrenze lassen sich deutliche Unterschiede der
Verteilung feststellen. So beträgt der Ausländeranteil in Kreuzberg 35%, im
Osten hingegen 4-5%, in den alten Westbezirken 16 - 17%. Es finden sich 184
verschiedene Nationalitäten in Berlin, von denen die türkischstämmige
Nationalität mit 138000 die größte Gruppe stellt.
Die Türken ließen sich hauptsächlich dort
nieder, wo bereits Landsleute ansässig war, so dass eine Ghettoisierung
eintrat. So ist ein Leben ohne Integration in die deutsche Gesellschaft
möglich. So kann man beispielsweise problemlos
türkisches Fernsehen empfangen, es existieren türkische Zeitungen und sie
leben meist in einer türkischen Nachbarschaft. Hinzu kommt, dass
traditionsbewusste türkische Männer dazu tendieren, junge in der Türkei
lebende Frauen zu heiraten und in die BRD zu holen, deren alleinige Aufgabe die
Erziehung der Kinder ist, und die über keinerlei Deutschkenntnisse verfügen.
So werden die Kinder türkischsprachig erzogen, die dadurch große schulische
Probleme bekommen. Fehlende Schulabschlüsse und mangelnde Qualifikationen
führen zu großen Problemen auf dem Arbeitsmarkt, so sind 66% der Jugendlichen
in Kreuzberg arbeitslos. Bei Erwachsenen liegt die Arbeitslosenquote bei
Ausländern immerhin noch über 20%. Wenn die Sprachkenntnisse nicht deutlich
verbessert werden, besteht für die türkischen Jugendlichen kaum eine
Möglichkeit, aus dem Teufelskreis der Isolation und Arbeitslosigkeit
auszubrechen.
Ein Vorschlag, die Integration von Ausländern zu fördern, war die
letztjährige Diskussion um den Doppelpass. Dieser wird von der CDU/CSU abgelehnt. Laut CDU fördere der Doppelpass keinesfalls die Integration, sondern eine Einbürgerung könne erst
am Ende einer gelungenen Integration stehen. Man setze auf eine Ausweitung des
Sprachunterrichts sowie eine gezieltere Schulförderung. Eine rechtliche Gleichstellung durch den Doppelpass bedeute keinesfalls eine
gesellschaftliche Integration. Die Befürworter des Doppelpasses hingegen sehen
den Ausländerstatus von "Inländern mit nicht-deutschem Pass" schon als
ein entscheidendes Integrationshindernis oder Hemmnis. Es stelle bereits ein
Widerspruch dar, von Ausländern der 2. und 3. Generation zu sprechen, da diese
bereits Inländern seien. Auch müsse die rechtliche Gleichstellung als sehr
wichtig angesehen werden.

Mevlana-Moschee in Kreuzberg
Wie leben die Moslems in Berlin?
Am 8.3.2000 besuchten wir die Mevlana-Moschee in Berlin-Kreuzberg. Für uns war die Moschee besonders interessant, da sie sich in einem sozialen Brennpunkt befindet. Gegen 14.00 Uhr führte uns Herr Schülzke, Vizepräsident der islamischen Föderation und Mitbegründer der ersten islamischen Schule in Berlin, in den Gebetsraum der Moschee, die sich im zweiten Stockwerk eines Hochhauses über einem Supermarkt befindet. Die Miete und andere Ausgaben der Moschee werden durch Zuschüsse des Senats, Spenden und monatliche Beiträge der Gemeindemitglieder bezahlt. Wir mussten uns den islamischen Gesetzen anpassen und unsere Schuhe beim Eintreten ausziehen. Nachdem sich alle auf dem Teppichboden niedergelassen hatten, begann Herr Schülzke seinen Vortrag.
Herr Schülzke konvertierte nach dem 2. Weltkrieg vom Christentum zum Islam, da er sich mit diesem besser identifizieren konnte. Die Mevlana-Moschee wurde von Berliner Moslems gegründet und ist somit vom türkischen Staat unabhängig. Daraus folgt, dass kurdische und türkische Moslems miteinander beten können. Die Moschee gilt nicht nur als Gebetshaus, sondern auch als Gemeindezentrum, Teestube Armenküche, Koranschule, Aufenthaltsraum Obdach für Arme und Bibliothek.
Die Moslems richten ihr Leben nach dem Koran aus, der grundsätzlich auf fünf Säulen aufgebaut ist. Zu den fünf Säulen des Koran zählen das Glaubensbekenntnis ( Schahada ), das tägliche Pflichtgebet in Richtung Mekka ( Salat; morgens, mittags, nachmittags, bei Sonnenuntergang und nachts ), das Fasten ( Saum ) im Monat Ramadan sowie die Entrichtung der Armensteuer ( Sakat ). Fünftens und letztens ist die Pilgerfahrt nach Mekka ( Hadsch ) zu absolvieren.
Nachdem Herr Schülzke die Grundzüge des Islams erklärt hatte, begann das ca.
15-minütige Pflichtgebet. Hierzu kamen innerhalb kürzester Zeit etliche Männer. Frauen waren nicht zu sehen, weil die muslimischen Frauen entweder in einem separaten Raum, über oder aber hinter den Männern beten müssen.
Unsere Eindrücke waren durchweg positiv. Nachdem wir uns damit abgefunden hatten, dass sich eine Moschee über einem Supermarkt befinden kann, beeindruckte uns vor allem die friedliche Atmosphäre, die Toleranz gegenüber anderen Religionen und die geringe Abgrenzung zwischen Jung und Alt.
Autorengruppe Stufe 11, HTML: R.Baumgarten, R.Seggelmann, M.Gewering, T.Gewering
