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Eine Gruppe Laurentianer besuchte am 8.3.2000 die Verwaltung der Siemens
AG Berlin. In der Mosaikhalle empfing uns Her Wild. Die Halle
von 1913/16 überstand den 2.Weltkrieg unzerstört und wurde auch von der
Stadt Berlin für Repräsentationszwecke genutzt.
Vom Kombinat zum KonzernBOSProbleme beim Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft anhand des BOS-Konzerns in KöpenickZur Zeit der DDR beherbergte der große Gebäudekomplex an der Ostendstraße in Berlin/Köpenick eine Großfabrik für Sender und später Fernsehröhren in dem ca. 6800 Beschäftigte waren. Durch die Kombinate war es recht einfach eine Arbeitslosigkeit zu verhindern, da Produktion und Angebot in der Planwirtschaft allein der Lenkung des Staates unterlagen. Es herrschte annähernd Vollbeschäftigung und die Arbeiterschaft verdiente gut. Der Betrieb hatte nicht die Freiheit, Entscheidungen in Bezug auf die Produktion selbst zu treffen. Nach der Auflösung der DDR brachen die Kombinate auseinander und viele Gebäude und Fabrikgelände standen leer. Es wurde versucht, aus der Masse kleine Betriebe ins Leben zu rufen. Dies war sehr schwierig, da man mit einer überzeugenden Idee Geldgeber gewinnen musste. Ein weiteres Problem war der fehlende Absatzmarkt. Als sich die Firma 1992 gründete, war sie völlig unbekannt und verfügte weder über einen Kundenstamm noch über eine Einbindung in jegliche Firmennetze. Weiterhin war man absolut unerfahren im Umgang mit der freien Marktwirtschaft Die Startschwierigkeiten bekam man schnell in den Griff, als man einen sehr begehrten und wichtigen Auftrag von Siemens annahm. Von da an ging es mit der Firma steil bergauf. Der Umsatz stieg in sieben Jahren von 3,4 auf 23 Millionen DM und die Mitarbeiterzahl erhöhte sich von 43 auf 78 Beschäftigte. Die Firma BOS-Sondermaschinenbau unterscheidet sich grundlegend von dem alten Kombinat. Im riesigen Gebäudekomplex, wo einst tausende von Fernsehröhren hergestellt wurden, hat sich auf wenigen Quadratmetern eine hochspezialisierte Firma für Sondermaschinen eingemietet, die auf geringem Raum einen beachtlichen Gewinn erwirtschaftet. BOS entwickelt und fertigt hochspezialisierte Sondermaschinen, was hochqualifizierten Fachkräfte erfordert. Eine Arbeiterschaft wie zu Zeiten der Kombinate gibt es nicht mehr. Die Einführung zusätzlicher, in der Marktwirtschaft üblicher Betriebszweige, wie z.B. der Marketingbereich, machte eine Ausweitung des Verwaltungsapparates notwendig. Mittlerweile hat sich BOS auf dem Markt etabliert und verfügt über einen festen Kundenstamm. Dem Standort Berlin wird eine bedeutende Rolle bei der rasanten Entwicklung des Unternehmens in den neunziger Jahren zugeschrieben, da er eine gute und schnelle Kommunikation mit wichtigen Handelspartnern wie Siemens wesentlich erleichterte. Vom Kombinat zum KonzernCorning CableWir besuchten am 10.März 2000 die Glasfaserkabelfirma "Corning Cable", die zu Zeiten der DDR Teil eines Industriekombinates war. Nach dem Zusammenbruch der DDR-Planwirtschaft wurde das Werk privatisiert und wechselte mehrmals die Besitzer bis das Kabelwerk schließlich vom amerikanischen Kabelproduzenten Corning übernommen wurde. Nach einer Betriebsbesichtigung wurden uns die Probleme erläutert, mit denen sich die ostdeutsche Kabelproduktion bei der Umstellung von der Plan- zur Marktwirtschaft konfrontiert sah. Im Kombinat "Kabelwerk-Spree" wurden 1989 noch 16.000 Mitarbeiter beschäftigt. Ein Kombinat ist die Zusammenfassung aller Produktionsbereiche eines Industriezweiges, dessen Aufgaben, insbesondere im sozialen Bereich weit über die der marktwirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen hinausgehen. Die Mitarbeiter waren keinen Zukunftsängsten ausgesetzt, da ihr Arbeitsplatz nie gefährdet war. Außerdem wurden den Beschäftigten vergünstigte Ferienreisen ermöglicht sowie betriebseigene Kindergartenplätze garantiert. Eine hauptamtliche Mitarbeiterin sorgte sogar auf Anfrage für die Bereitstellung von Karten für Theateraufführungen oder Konzerte. Diese Einrichtungen und viele Arbeitsplätze verschwanden aufgrund der durch die Wende notwendig gewordenen Rationalisierungen. Heute sind in ganz Ostdeutschland nur noch 400 Menschen in der Kabelproduktion beschäftigt. Aus dem Kabelkombinat "Spree" entwickelte sich die "KWO", die 1990 von der Treuhand zu einer GmbH geformt und auf die Marktwirtschaft vorbereitet wurde. Die neu entstandene Firma wurde vorübergehend von AEG übernommen und kurze Zeit darauf an den französischen Elektronik Giganten Alkatel verkauft, der das unrentable Kabelwerk aus dem Konzern ausgliederte. Auf eigenen Füssen stehend hatte das Unternehmen mit starken Absatzproblemen zu kämpfen, die einen kontinuierlichen Abbau von Arbeitsplätzen verursachten (Beschäftigte 1996: 6000; 1998: 50 ). Der Niedergang ist vor allem auf die fehlende Nachfragezurückzuführen. Der Handel des ehemalige Kombinats war vollständig nach Osten ausgerichtet. Doch der osteuropäische Markt brach Anfang der 90er Jahre vollständig zusammen. So betrug 1990 der mit Kabelverkäufen in die UDSSR erzielte Umsatz noch 110 Mio. DM. Nur 3 Jahre später kaufte Russland keine deutschen Kabel mehr. Inzwischen war die Firma vom britischen Mischkonzern BICC übernommen worden, der seinen Umsatz je zur Hälfte im Baugewerbe und in der Kabelproduktion erzielt. BICC spaltete allerdings 1997 seine gesamte Kabelproduktion ab, so dass sich am 1.1.1998 BICC Communications gründete, die sich auf die neu entstandene Glasfasertechnik spezialisierte und schon 1999 mit nur 50 Mitarbeitern einen Umsatz von 45 Millionen DM erreichte. Die endgültige Abspaltung vom Mutterkonzern BICC erfolgte durch den Verkauf an Corning Cable. Seit dem 1.Februar 2000 existiert Corning Cable Systems. Das Fortbestehen der Traditionsfirma und die berufliche Zukunft der Mitarbeiter ist durch einen langfristigen Liefervertrag mit der Siemens AG endgültig gesichert. Dennoch gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem amerikanischem Konzern als durchaus schwierig, da man sich der amerikanischen Firmenphilosophie anpassen muss. Vom Kombinat zum KonzernKnorr Bremse GmbHDas Werk Knorr Bremse GmbH wurde 1905 von Georg Knorr in Berlin gegründet. Die Knorr Bremse GmbH entwickelte im Jahr 1922 die Druckluftbremse für Nutzfahrzeuge, was den Aufstieg zum größten Bremsenhersteller Europas zur Folge hatte. 1945 wurde das Werk demontiert. Der Firmensitz wechselte in den Westen nach München und die Knorr Bremse GmbH konnte zwischen 1960 und 1980 mit ihrem KE-Steuerventil einen neuen Standard auf dem Bremsenmarkt setzte. Die Firme schaffte damit sogar den Einstieg in den US-Markt. Der Ostteil der alten Firma wurde in der DDR-Zeit zum VEB Berliner Bremsbetrieb. Nach der Wende stieg der damalige VEB Berliner Bremsbetriebe aus dem Kombinat aus, mit hohem Risiko und gegen massiven Widerstand der Belegschaft. Die Umwandlung vom Kombinat zum Konzern war aber notwendig und erfolgreich. Knorr Berlin-Ost pflegt immer noch Kontakte mit Russland, in der Hoffnung, dass dieser Markt wieder einmal interessant werden wird. Aber es gibt auch Spannungen im Hause Knorr, z.B. wegen der unterschiedlichen Gehälter von West und Ost. Autorengruppe Stufe 11, HTML: R.Baumgarten, R.Seggelmann, M.Gewering, T.Gewering |