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Themen für 1964:
> Warendorf - Stadt der Pferde
> Anton Aulke
> Schulreformen
> Eine neue Realschule in Warendorf


 
> Warendorf - Stadt der Pferde

Das Jahr 1964 weist in Warendorf wenig bemerkenswerte Ereignisse auf. Es ist in Warendorf ein Jahr gegen Ende einer Aufbauphase nach dem 2.Weltkrieg und vor Änderungen und Umwälzungen in den Strukturen (die großen kommunalen Neugliederungen sind in der Diskussion), in der Gesellschaft (das Jahr 1968 kommt), im Schulwesen (die Bildungskrise wird langsam entdeckt und Jahre der Schulreformen stehen bevor).

Münsterland Ein Lexikoneintrag von 1957 (bis 1964 hat sich wenig geändert) beschreibt: "WARENDORF, 15500 Einwohner. Kreisstadt. Textil-, Maschinenindustrie, Landgestüt." Die beigefügte Grafik zeigt ein Pferd bei Warendorf.

Heute, 1999, zeigt die Enzyklopädie Encarta folgendes: "Warendorf, Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises in Nordrhein-Westfalen. Sie liegt östlich von Münster an der Ems und ist ein Zentrum des deutschen Reitsports. Der im 11. Jahrhundert erstmals erwähnte Ort erhielt um 1200 Stadtrecht. Das Stadtbild weist noch zahlreiche mittelalterliche Bauwerke auf. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 37000." Die Einwohnerzahl hat sich verdoppelt, aber Achtung: Freckenhorst und einige Dörfer wurden zwischenzeitlich bei der kommunalen Neuordnung mit Warendorf vereinigt. Die Industrie scheint nicht mehr erwähnenswert, aber das Pferd, bzw. der Reitsport, sind wohl untrennbar mit Warendorf verknüpft.

Über den Reitsport findet man noch einen zweiten, indirekten Eintrag zu Warendorf in Encarta, nämlich im Artikel zu Hans Günter Winkler. Im Jahr 1964 hat übrigens HGW sein viertes Buch veröffentlicht: "Olympiareiter in Warendorf" nach den Büchern "Meine Pferde und ich" (1956), "Pferde und Reiter in aller Welt" (1957) und "Halla - die Geschichte ihrer Laufbahn" (1961).

Warendorf ist eben doch die "Stadt der Pferde". Zwei Jahre später, im Jahr 1966 verfasste Paul Schallück seine satirische Beschreibung der Stadt Warendorf, die ihm in Warendorf viel Feindschaft eintrug: "... im Dunst- und Bewußtseinskreis von Pferden ...". Dieser bitterböse Text: "Warendorfer Pferde" steht hier zur Verfügung.


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> Anton Aulke

Schallück Aulke
Paul Schallück Anton Aulke
 
Anton Aulke - er war Schallücks Lateinlehrer mit dem Spitznamen Faxe - hat oft und viel zu Warendorf und über das Münsterland geschrieben. Pferde waren nicht das Thema von Anton Aulke. Es ist auch nicht bekannt, was Aulke zu Schallücks Beschreibung von Warendorf meinte. Aber Aulkes Bild von Warendorf ist ganz anders.

Im Jahr 1964 lebt der niederdeutsche Dichter, jetzt schon 77 Jahre alt, als hochgeehrter Pensionär in Warendorf. 1887 in Senden geboren, besuchte er von 1903 bis 1908 das Gymnasium Laurentianum und legte dort das Abitur ab. Sein Abituraufsatz "Des Helden Name ist in Erz und Marmorstein so wohl nicht aufbewahrt als in des Dichters Liede" ist noch erhalten. Von 1929 bis zur Pensionierung 1952 war Anton Aulke dann Lehrer am Gymnasium Laurentianum. Bis zu seinem Tode 1974 lebte er in Warendorf. Seine hohen Geburtstage wurden in Warendorf groß gefeiert und man konnte in den Lokalzeitungen Artikel von fast einer halben Seite über diese Tage finden.

Rund zwei Dutzend Hörspiele von Anton Aulke wurden vom WDR und NDR gesendet. Neben einigen hochdeutschen Werken hat Anton Aulke besonders in der plattdeutschen Sprache geschrieben und veröffentlicht. Drei Gedichte von Aulke stehen hier als Kostprobe zur Verfügung. 1952 wurde er mit dem Hamburger Klaus-Groth-Preis geehrt, 1955 bekam er den Kulturpreis der Stadt Warendorf, 1961 erhielt er den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis, 1962 wurde er Ehrenbürger von Senden und 1967 bekam er den goldenen Ehrenring der Stadt Warendorf.


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> Schulreformen

In der Dokumentation "170 Jahre Kreis Warendorf" von 1974, kurz vor der Schaffung des neuen, großen Kreises in der kommunalen Neuordnung, schreibt der ehemalige Rektor Haves aus Everswinkel zur Schulsituation im Kreis Warendorf. Für die Zeit um 1964 ist da von Lehrermangel die Rede und Maßnahmen zur Abhilfe: Aktivierung von Ruhestandsbeamten, Teilzeitkräfte, Aushilfskräfte usw. Dies war auch die Zeit des Übergangs von der Volksschule zur Gliederung in Grundschule und weiterführende Schulen. Die Hauptschulen wurden gegründet und damit mussten die ländlichen, wenig gegliederten kleinen Schulen, "Zwergschulen", weichen. 1964 gab es noch 41 Volksschulen im Kreis. Wenige Jahre später waren es dann 31 Hauptschulen und Grundschulen, aber mit jeweils deutlich mehr Klassen. Die Realschulen und Gymnasien wurden hier nicht betrachtet.


Jahr (Volks-)
Schulen
Schüler Lehrer durchschn.
Klassen
pro Schule
durchschn.
Schüler
Lehrer
1929 31 4658 107 3,5 44,5
1964 41 8156 211 5 38,6
1969 31 9695 272 9 35,6

Die Tagespresse der Jahre 1964-1968 vermittelt in den Schlagzeilen ein Bild dieses teilweise schmerzlichen Konzentrationsprozesses. Hier einige Zeilen:

  • Ungeklärte Schulprobleme in ...
  • ... vom Schulkrieg bedroht ?
  • Schule in ... nicht zu halten.
  • Einsicht siegt über Vorurteile.
  • Schule in ... wird aufgelöst.

Es soll vorgekommen sein, dass der Leiter einer kleinen Dorfschule in den Ferien aus der Zeitung erst erfuhr, dass seine Schule aufgelöst werden sollte. Der Konzentrationsprozess ermöglichte es, 9. und 10. Schuljahre an den Hauptschulen einzurichten und z.B. das Fach Englisch in den Hauptschulen einzuführen. Das wäre jedenfalls in den kleinen Dorfschulen unmöglich gewesen. Was damals als Neuordnung der Volksschule begann, war erst der Anfang einer langen Reihe von Schulreformen.


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> Eine neue Realschule in Warendorf

1964 ist ein bedeutendes Jahr für das Schulwesen in Warendorf. Am 1. April nahm die neue Realschule ihren Unterricht auf. Die neue Realschule trägt den Namen "Johann-Heinrich-Schmülling-Schule". Ihren Namen hat die neue Realschule von Johann-Heinrich Schmülling bekommen, der 1774 in Warendorf geboren wurde und neben Bernhard Overberg besondere Dienste für die Organisation und die Ausgestaltung des Schulwesens geleistet hat.

Die hohen Anmeldezahlen lassen auf ein reges Interesse an der Bischöflichen Realschule schließen, denn die neue Realschule startet mit zwei Klassen ins neue Schuljahr. Die Schüler werden vorläufig noch in dem neuen Gebäude des Aufbaugymnasiums in Warendorf unterrichtet werden. Der Bischof ist bemüht, alsbald ein neues Gebaüde für die neue Schule bereitzustellen. Erste Verhandlungen mit der Stadt Warendorf über ein geeignetes Grundstück laufen schon.

Jungen und Mädchen werden nach dem vierten Volksschuljahr aufgenommen, ohne Rücksicht auf deren Konfession zu nehmen. Den Anmeldungen zufolge kommen 50% der angemeldeten Schüler direkt aus Warendorf und die anderen 50% aus der näherer Umgebung.

Der Schulleiter der neuen Schule wird Ulrich König. Ulrich König unterrichtete nach seinem Studium erst in Greffen und dann in der bis jetzt einzigen Realschule in Warendorf, wo er für den Aufbauzweig einstand. Er unterrichtet Englisch und Geschichte. Er ist ein geschätzter Kollege und Lehrer, der viel Zeit für die Schule opfert. Er war, um seine Englischkenntnisse zu optimieren, eine Zeit lang in den USA und in Großbritannien.

In den folgenden Jahren erhielt die bischöfliche Realschule einen Neubau im Schulviertel. Sie konnte sich einen ausgezeichneten Ruf erarbeiten. Sie ist eine beliebte Schule, die in jedem Jahr bis zur ihrer Kapazitätsgrenze von drei Klassen neue Schüler aufnimmt. Daneben gibt es eine städtische Realschule, die vor einigen Jahren von einer Aufbaurealschule zu einer grundständigen Realschule wurde und sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreut. Beide Realschulen sind wichtige Bausteine im Spektrum der Schulstadt Warendorf.


Quellen: Microsoft Encarta 99, "170 Jahre Kreis Warendorf",1974, "Unser Land Ost-Münsterland",150 Jahre Sparkasse Warendorf,1988,  Kreisarchiv Warendorf,  Laurentianum Archiv,  Autoren: Sebastian Niermann, Tim Schneider


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