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> Ein Sachsendorf des 8.Jahrhunderts ausgegraben

In den Herbst- und Wintermonaten der Jahre 1951-52, 1952-53 und im Frühsommer 1954 wurden etwa 3 km westlich der Stadt Warendorf, Regierungsbezirk Münster, an der Ems Teile einer Siedlung des 8.Jahrhunderts n. Chr. freigelegt. Anlass zur Grabung gaben Scherbenfunde und Beobachtungen, die von den Arbeitern des Hartsteinwerkes Warendorf in einer Sandgrube an der Ems gesammelt und durch den zuständigen Pfleger Dr. Rohleder (damals Lehrer am Gymnasium Laurentianum) übermittelt waren.

In sieben mehrwöchigen Grabungskampagnen wurde bisher eine Fläche von etwa 10000 qm untersucht. Darin kamen sehr viele Pfostenspuren zutage, die frühzeitig in ihrer Ordnung und Bedeutung erkannt wurden, ein Ergebnis, das den Gang der Arbeiten wesentlich begünstigt hat. Insgesamt wurden bisher die Bodenspuren von 75 Bauten erfasst und acht weitere angegraben oder in Teilen beobachtet. Von ihnen gehören elf zu großen, ebenerdigen Wohnbauten von 14-29 m Länge und 4,5-7 m Breite, 16 zu kleineren Gebäuden von 4-11 m Länge und 3-3,5 m Breite, 32 zu Grubenhäusern und 13 haben sechseckige Grundrisse mit einem mittleren Durchmesser von 6 m.


Modell der Sachsensiedlung
Teil eines Modells der Sachsensiedlung im Heimathaus Warendorf

Das Ergebnis en bloc hat über die achäologischen Fakten hinaus um so größere Bedeutung, als hier nach all den vereinzelten Feststellungen von kleineren und größeren Hausgrundrissen der Frühgeschichte im Raum Westfalen endlich ein geschlossener Siedlungskomplex nicht nur erkannt, sondern auch in wesentlichen Teilen ausgegraben, ansprechbar und überschaubar ist. Dabei ist die vollständige Ausdehnung der Siedlung bisher noch nicht bekannt.

Dieser Fund darf nicht mit der Siedlung Warentharpa verwechselt werden, die etwa 4 km weiter östlich an einer Emsfurt lag und aus der die Stadt Warendorf entstand. Am Fundplatz, heute bekannt als die Kottruper Seen, hat es noch viele weitere, bedeutende Bodenfunde gegeben. Bereits 1903 wurden dort Urnen und Reste von Feuerbestattungen gefunden. Als dann dort die Tiefentsandung der Emsterassen durchgeführt wurde, hat man im Abraum immer wieder etwas gefunden.

NeandertalerDas waren die frühmittelaterlichen Reste von Siedlungen, eben die zitierte Sachsensiedlung. Das waren zahlreiche Knochen- und Geweihfunde von eiszeitlichen Tieren. Und man fand 1982 Spuren von Wald mit Kiefern, Weiden und Birken aus der Späteiszeit, etwa 11.500 Jahren vor heute. Nur selten hat man bisher so ein deutliches Bild der Vegetation jener Zeit gefunden.

Ein erstaunlich gut erhaltenes Skelett aus der Bronzezeit wurde 1997 von einer Warendorfer Hebamme beim Baden im Baggersee gefunden. Glücklicherweise waren die Archäologen dann zuständig und nicht die Kriminalpolizei. Mit weiteren Funden erhielt man Hinweise auf das Klima und die Umwelt in der Bronzezeit.

Der bedeutendste Fund ist 1997 das Schädelfragment eines Neandertalers, weil es der erste und bisher einzige Beleg für das Vorkommen der Neandertaler soweit nördlich ist. Mit dem Schädelfragment wurden auch Steinwerkzeuge entdeckt. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, aber wahrscheinlich hat der Neandertaler vor 50.000 bis 100.000 Jahren gelebt. Im Westfälischen Museum für Archäologie Münster wurden die Warendorfer Funde von November 1998 bis Juni 1999 in einer großen Ausstellung präsentiert.

Auf der Laurentianum Website gibt es auf den Warendorf-Seiten weitere Texte und Bilder zum Neandertaler und den Kottrupseen und es gibt einen größeren Beitrag für den Wettbewerb Join Multimedia 2001 zum gleichen Thema.


Quellen: Wilhelm Winkelmann:"Beiträge zur Frühgeschichte Westfalens",1984,   Neandertaler und Co.,Westf.Museum f.Archäologie Münster,1998,  Autor: Tim Schneider


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