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> Die Bundesrepublik Deutschland in Europa unter Konrad Adenauer

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der Verkündung des Grundgesetzes kommt es 1949 zu einer historischen Änderung der deutschen Außenpolitik. Der erste Bundeskanzler, Konrad Adenauer (CDU), beendet das historische Problem, sich zwischen unterschiedlichen Partnern in wechselnden Mächtekonstellationen entscheiden zu müssen. Unter ihm entscheidet sich Deutschland zum ersten Mal rückhaltlos für eine Verankerung im Westen und somit für die Werte und Ideale der westlichen Demokratien. Mit dieser Politik strebt Adenauer die allmähliche Gleichberechtigung und die Wiederaufnahme in die Völkerfamilie an.

Die Westalliierten wollen die junge Bundesrepublik einerseits kontrollieren, - dies geschieht durch das Inkrafttreten des Besatzungsstatuts sowie den Amtsantritt der Alliierten Hohen Kommission (AHK) - andererseits benötigen sie diese aber als Partner zur Verteidigung Westeuropas. Im Petersberger Abkommen zwischen der Bundesregierung und der AHK gelingt es Deutschland, eine Milderung des Besatzungsregimes und wirtschaftliche Erleichterungen zu erzielen. Im März 1951 findet eine erste Revision des Besatzungsstatuts statt. Die Alliierten verzichten auf die Überwachung der Gesetzgebung und erweitern die diplomatischen Befugnisse der Bundesregierung. Außerdem wird eine Neugründung des Auswärtigen Amtes zugelassen. Das Amt des Außenministers wird zuerst von Bundeskanzler Adenauer übernommen. Von wichtiger Bedeutung ist auch der Beitritt zum Europarat (1951).

Der Beginn des Europäischen Einigungsprozesses ist die Gründung der Montanunion, der Vertrag über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Der französische Außenminister Robert Schuman ist es, der den Deutschen den Zugang dazu ermöglicht und ihnen dadurch wieder ein Stück internationaler Anerkennung verschafft.

Am 26.5.1952 wird der "Vertrag über die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Drei Mächten", auch Deutschlandvertrag genannt, unterzeichnet. In diesem Vertrag ist die Beendigung des Besatzungsregimes und die Souveränität der BRD vorbehaltlich alliierter Sonderrechte festgeschrieben; die Westmächte verpflichten sich, die Wiedervereinigung Deutschlands - die von der Sowjetunion kontrollierte Zone Deutschlands ist durch eine eigene Verfassung 1949 zu einem eigenen Staat geworden, der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) - zu unterstützen. Am Tag darauf wird ein weiterer Vertrag unterschrieben, der eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) hervorrufen soll. Er scheitert aber zwei Jahre später nach Ablehnung in der französischen Nationalversammlung.

Am 10. September 1952 trifft Konrad Adenauer ein Wiedergutmachungsabkommen mit dem israelischen Außenminister Sharett in Luxemburg. Die Bundesrepublik muss innerhalb von 12 bis 14 Jahren drei Milliarden DM für die Eingliederung einer halben Million Flüchtlinge an den Staat Israel und 450 Millionen DM für die außerhalb Israels lebenden Flüchtlinge an die Jewish Claims Conference zahlen.

1954 finden in Paris Konferenzen zur umfassenden Neuregelung der Beziehungen zwischen den Staaten der westlichen Gemeinschaft statt. Der Deutschlandvertrag wird neu gefasst, Deutschland
Unterzeichnung der Pariser Verträge am 23.Oktober 1954, v.l.: Pierre Mendès-France, Konrad Adenauer, Anthony Eden, John Foster Dulles.
tritt der neugegründeten Westeuropäischen Union (WEU) und dem Nordatlantikpakt (NATO) bei. Die Pariser Verträge treten am 5.5.1955 in Kraft, weiterhin werden Besatzungsstatut aufgehoben und AHK aufgelöst, und die Bundesrepublik wird nun endgültig souverän.

Nur vier Tage später ist ein nächster großer Schritt zur vollen Gleichberechtigung getan: Die Aufnahme in die NATO. Wieder wenige Tage später wird als Reaktion auf den Nordatlantikpakt der Warschauer Pakt gegründet, dem auch die DDR angehört. Noch im gleichen Jahr werden von der Deutschen Bundesregierung diplomatische Beziehungen zu der Sowjetunion aufgenommen. Man erreicht die Rückkehr von über 15.000 Kriegsgefangenen und Zivilverschleppten des zweiten Weltkriegs.

Durch eine Ergänzung des Grundgesetzes und durch die vorausgegangenen Abkommen mit den Westmächten ermöglicht, kommt es zu Anfang des Jahres 1956 zur Aufstellung erster Streitkräfte der 1955 gegründeten Bundeswehr.

Im Jahr darauf erfolgt die politische Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik, da die saarländische Bevölkerung für eine Rückgliederung gestimmt hat. Die Römischen Verträge, die am 25.3.1957 unterzeichnet werden und am 1.1.1958 in Kraft treten, sehen die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM) vor, die Vorgänger der späteren
Bundeskanzler Konrad Adenauer mit dem französischen Außenminister Robert Schuman (links) im Mai 1952 im Palais Schaumburg, in der Mitte Staatssekretär Hallstein.
Europäischen Gemeinschaft (EG) sind und den vorläufigen Schlussstein in der europäischen Einigungspolitik setzen.

Ab 1958 vollziehen Adenauer und der neue französische Staatspräsident Charles de Gaulle endgültig eine geschichtliche Handlung, indem sie die sogenante "Erbfeindschaft" zwischen Deutschland und Frankreich beenden. Zur ersten Begegnung der beiden kommt es im September in Colombey-les-deux-Églises (Frankreich), vier Jahre danach findet ein Staatsbesuch des französischen Staatspräsidenten in Deutschland statt. Der Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit (Elysée-Vertrag) von Paris 1963 wird ein wesentliches Element für die Zukunft beider Staaten und ganz Europas in Frieden und Freiheit, ein selbstverständlicher Bestandteil des alltäglichen Zusammenlebens der Völker. Adenauer selbst hält diesen Vertrag für die vielleicht wichtigste politische Tat seines Lebens.

Dem ersten Bundeskanzler gelingt es während seiner 14jährigen Amtszeit, dass trotz politischer und diplomatischer Attacken der Sowjetunion ,wie z.B. die "Stalin-Note" vom Frühjahr 1952, die eine Wiedervereinigung und Neutralität für Deutschland erreichen soll, oder die Forderung nach einer "Entmilitarisierung" West-Berlins 1958, alle wesentlichen Rechtspositionen intakt bleiben, die deutsche Frage offen gehalten und die Freiheit West-Berlins verteidigt werden kann. Dieses Vermächtnis übergibt er bei seinem Rücktritt im Oktober 1963 seinen Nachfolgern.


 
Autor: Jens Hölscher   Quellen: "Die BRD in Europa unter Adenauer": Materialien des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung

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