Die Influenzmaschine


Die Influenzmaschine ist ein Gerät, das durch die Trennung von Ladungen
hohe elektrische Spannungen erzeugt.
Die erste Influenzmaschine wurde von Holz 1865 in Berlin vorgestellt.
Praktischer Bedeutung erlangte jedoch erst die von Wimshurst konstruierte
Weiterentwicklung:
Zwei Scheiben
(z.B. aus Plexiglas oder Hartgummi) stehen sich in geringem Abstand gegenüber
und rotieren gegenläufig. Die Scheiben sind an ihrer Außenseite mit Elektrizitätsträgern (z.B.
Stanniolstreifen) bestückt. Über die Staniolstreifen jeder Scheibe schleifen
zwei gegenüber liegende, durch einen Leiter ("Ausgleichskonduktor")
verbundene Metallpinsel. Die Maschine erregt sich selbst. Wenn einer der beiden
Elektrizitätsträger der Scheiben elektrisch geladen ist, dann sammelt sich auf
dem gegenüber liegenden Elektrizitätsträger durch Influenz die
entgegengesetzte Ladung. Bei weiterer Drehung bleibt diese Ladung beim Verlassen
der "Ausgleichskonduktoren" bestehen. Die positive und die
negative Ladung jeder Scheibe wird schließlich durch jeweils ein
"Saugbüschel" abgenommen und in "Leidener Flaschen"
gespeichert. Bei ausreichender Ladung der "Leidener Flaschen" springt dann ein kräftiger Funke zwischen
den Elektrokugeln über.
Zur Influenz
Jeder Körper enthält sowohl positive als auch negative elektrische
Ladungen. Ist die positive und die negative Ladung gleich groß, so ist der
Körper elektrisch neutral. Elektrische Ladungen üben Kräfte aufeinander aus.
Gleichnamige Ladungen stoßen sich ab und ungleichnamige Ladungen ziehen sich
an.
Nähert einen geladenen Gegenstand einem Körper, so verschieben sich die
Ladungen in diesem Körper gegeneinander und trennen sich räumlich. Den Vorgang
der Ladungstrennung nennt man Influenz. Folgender Versuch veranschaulicht
das Prinzip der Influenz:
Das Elektroskop ist
ein Messgerät, das Ladung nachweist, indem es das Abstoßen von gleichnamiger
Ladung für die Messung ausnutzt. Dieses Gerät zeigt auch an, ob die Ladung
negativ oder positiv ist. Wird Ladung mit einem "Kugel" auf den
Metallkopf des Elektroskops gebracht, dann beobachtet man einen Ausschlag.
Entfernt man die "Kugel", dann geht der Zeiger wieder in seine
Nullstellung zurück. Durch die "Kugel" werden die positiven und die
negativen Ladungen getrennt. Im Zeigerbereich entsteht ein positiver - und im
Kopfbereich ein negativer Ladungsüberschuss. In Metall sind die negativen
Ladungsträger (Elektronen) frei beweglich, und werden entweder angezogen oder
abgestoßen. Bei der Annäherung einer positiven Ladung werden negative Ladungen
angezogen und die positiven Ladungen bleiben im Zeiger zurück. Entfernt man die
positive Ladung, dann vermischen sich im Metall die positiven mit den negativen
Ladungen, und der Zeiger schwingt in seine Ausgangsposition zurück.
Der Elektrophor
Der Elektrophor ist die Urform der Influenzmaschine. Er stammt von Johannes
Wilcke und wurde 1775 von Alessandro Volta perfektioniert. Diese leicht
herstellbare und leicht benutzbare Spannungsquelle für viele elektrische
Experimente besteht aus wenigen Teilen:
-
Eine geerdete Grundplatte
-
Eine isolierende Platte (dem "Harzkuchen") aus Teflon,
Hartgummi, Kunstharz, Plexiglas, Styropor oder ähnlichem. Das Material muss
durch Reibung elektrostatisch gut aufgeladen werden können und die Ladung
lange halten.
-
Ein Stück Katzenfell, Wolle oder Seidenstoff zum Reiben
-
Eine leitende Metallplatte mit isolierendem Handgriff (Glas)
Reibt man den Harzkuchen kräftig mit einem Katzenfell, so bleibt auf ihm
eine negative Ladung zurück. In der aufgesetzten Metallplatte M wird durch
Influenzwirkung eine Ladungstrennung durchgeführt, so dass nun auf der
Oberseite der Metallplatte eine negative Ladung erscheint. Diese kann man als
kurzen Stromstoss entfernen, z. B. mit einer Leuchtstofflampe, die einmal kurz
aufleuchtet. Hebt man dann die Metallplatte vom Kuchen ab, so kommt es zur
räumlichen Trennung der negativen Ladung auf dem Kuchen und der verbliebenen
positiven Ladung auf der Platte. Je weiter sich die Ladungen voneinander
entfernen, um so höher wird die elektrische Spannung zwischen ihnen. Nun kann
man die positive Ladung auf der Platte wiederum als Stromstoss durch die
Leuchtstoffröhre abfließen lassen. Setzt man die Platte wieder auf den Kuchen
kann man die ganze Sequenz beliebig oft wiederholen. Wenn man die Folge der
Stromstösse beschleunigen könnte, hätte man eine mit Wechselstrom betriebene
Leuchtstoffröhre realisiert.
Der Göttinger Physikprofessor Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) baute
den größten Elektrophor seiner Zeit. Mit 2,5 m Durchmesser erzeugte er Funken
bis zu 40 cm Länge (dies entspricht ca. 1 Million Volt). Auf dem Harzkuchen des
Elektrophors beobachtete er, dass feine Staubteilchen an den Einschlagstellen
strahlenförmige Figuren bilden (Lichtenberg-Figuren).
Menschen, die vom Blitz getroffen wurden, zeigen oft Verbrennungen, die
dieselbe Gestalt wie Lichtenberg-Figuren haben.
Alessandro Graf von Volta
Volta, Alessandro, Graf (1745-1827), italienischer Physiker, wurde bekannt durch
seine wegweisenden Arbeiten zur Elektrizität.
Volta wurde in Como geboren und besuchte die dortigen öffentlichen Schulen.
1774 wurde er zum Professor für Physik am Gymnasium in Como ernannt. Im
drauffolgenden Jahr erfand er den Elektrophor, mit dem man Ladung von statischer
Elektrizität erzeugen konnte.
1776/77 wandte sich Volta der Chemie zu, untersuchte die atmosphärische
Elektrizität und dachte sich Experimente aus, beispielsweise wie man mit
einem elektrischen Funken Gase in einem geschlossenen Gefäß entzündet. 1779
wurde er zum Professor für Physik an die Universität Pavia berufen. Den
Lehrstuhl behielt er 25 Jahre.
Um 1800 entwickelte er die sogenannte Voltasche Säule, die ein Vorläufer der
elektrischen Batterie war. Als Anerkennung für seine Leistung auf dem Gebiet
der Elektrizität ernannte ihn Napoleon zum Grafen (1810). Für die elektrische
Spannung wurde ihm zu Ehren die Einheit Volt gewählt.