1. Vorweg: Niemand hat je oder wird jemals eine Zahl sehen. Eine
Zahl ist ein abstraktes Objekt unseres Denkens. Jeder Mensch (und auch jeder
Alien) hat dabei den gleichen Zahlbegriff. Was wir täglich sehen sind
Zeichen mit denen wir diese abstrakten Objekte schreiben. Die Zahlzeichen
und Zahlworte sind in den verschiedenen Kulturen unterschiedlich, die
Zahlen selbst sind gleich.
Aber manche Schreibweisen für Zahlen sind mehr oder weniger praktisch. Zum
Zählen mögen einfache Striche (z.B. auf einem Bierdeckel) ausreichen und wenn
man dann etwas mehr zu zählen hat, wird man ergänzende Symbole einführen.
Man erhält dann Zahlzeichen und Systeme wie das der Römer. Für Arithmetik ist
jedoch unser Dezimalzahlensystem, das aus Indien über Arabien im Mittelalter
nach Europa kam, weitaus günstiger.
Die römischen Zahlzeichen wurden in unserem Kulturkreis bis ins späte Mittelalter
ausschließlich benutzt und bis heute werden sie immer noch gelegentlich für
Numerierungen oder Jahreszahlen benutzt. Seit Adam Riese (1492 - 1559)
ist jedoch das Dezimalzahlensystem mit arabischen Ziffern und die schriftliche
Arithmetik mit allen Vorteilen bekannt und verbreitet.
Die Römer hatten ein hochstehendes empirisches Ingenieurwesen entwickelt. Wer weiß
was sie hätten leisten können, wenn sie auch noch hätten effektiv rechnen
können? Ihre unpraktische Zahlenschreibweise verhinderte das jedoch.
2. Die Entwicklung
der römischen Zahlzeichen dürfte irgendwann mit
Zählstrichen begonnen haben. Wahrscheinlich gibt es auch griechische Einflüsse.
Vom praktischen Verstand der Römer zeugt dann aber die Einführung von Zeichen
zwischen den Zehnerzahlen, also V an Stelle von IIIII oder von
L an Stelle von XXXXX.
Die nebenstehende Tabelle zeigt römischen Zahlzeichen und einige frühe
Varianten.
Das Zeichen M für 1000 soll aus dem Zeichen
entstanden sein. Jedenfalls ist das M
ein weitaus praktischeres Zeichen. Als frührömische Form für 1000 gibt es noch
das Zeichen
.
Die halben Zehnerzahlen kann man mit etwas Durchblick in den Zahlzeichen noch
erkennen:
- Das V als obere Hälfte des X.
- Das L als untere, eckige Hälfte des C.
- Das D bzw. das frührömische
als Hälfte von
bzw.
.
Die Zahlzeichen von
I bis
M sind auch heute noch geläufig. Bei großen
Zahlen hatten die Römer prinzipielle Schwierigkeiten. Eine übliche Lösung war
es, über den Zahlzeichen einen Strich zu machen, was die Multiplikation mit
1000 bedeuten sollte, also:
für 10 x 1000 = 10000.
für 100 x 1000 = 100000.
für 1000 x 1000 = 1000000.