[
Siegel, Wappen, Fahne, Logo der Stadt Warendorf
]
Abgebildet ist hier das wohl älteste
Siegel der Stadt Warendorf von 1255. Es sieht dem
heutigen Stadtwappen sehr ähnlich. In der Hauptsache fehlt nur die
dreizackige Forke am Turm über dem Tor.
Ein solches Siegel mit Elementen von Stadtarchitektur ist
durchaus üblich für mittelalterliche Städte, aber es ist ein
Siegel und kein Wappen.
Dieses Siegel oder ein ähnliches soll aber die historische
Grundlage für das heutige Stadtwappen sein.
Ein weiteres Siegel, wohl aus dem 14.Jh. Es ist
etwas detaillierter und über dem Tor erkennt man deutlich eine
gitterartige Struktur.
Diese Struktur kann aber durchaus das Mauerwerk des Turms andeuten.
Es könnte aber auch ein Vorläufer der Forke oder des Fallgatters
sein.
Bis heute ist es strittig, ob das eigentliche Warendorfer Wappen
die dreizackige Forke ist und ob damit die Ableitung des heutigen
Wappens aus diesen Siegeln ein Fehler ist.
Die Forke mit den drei Zacken tritt
etwa um 1600 als Zeichen oder Wappen für Warendorf auf. Aus dieser Zeit
gibt es ein Siegel, das die Forke am Torturm zeigt, ganz ähnlich wie
im heutigen Wappen. Auf dem viel gezeigten und oft kopierten
Stich von Gigas (1616) findet sich
die nebenstehende Zeichnung.
Was der Dreizack bedeuten soll ist nicht ganz klar. Ein Deutung ist,
dass es einfach nur eine Fehldeutung der Fugen im Mauerwerk des
Torturms im Siegel ist. Eine andere Deutung sagt, dass es sich um den
Rost handelt, auf dem der Stadtpatron St.Laurentius verbrannt wurde.
Beide Deutungsversuche sind zu verwerfen.
Bleibt die Deutung als Fallgatter wie es bei Stadttoren vorkommt oder
als dreizackige Forke, deren Sinn aber dunkel ist.
Das dreizackige Gatter kommt in verschiedenen
Varianten auf den Siegeln von Handwerkergilden, auf Warendorfer Münzen
und an anderen Stellen vor. Die älteste bekannte Darstellung ist auf
Zinnmarken etwa um 1500. Nebenstehend eine typische Darstellung,
hier vom Leggestempel, mit dem geprüftes Leinen gekennzeichnet
wurde.
Besonders interessant sind Darstellungen der dreizackigen Forke
mit einem Balken, der quer darübergelegt ist. Es mag sein dass dies
die eigentliche Form des Wappens ist und das Fallgatter - wie im
Leggestempel - nur eine Fehlinterpretation. Der Balken könnte dann
auf den Landesherrn, den Fürstbischof von Münster,
deuten.
Auf einer Glasscheibe, die aus dem 17.Jh. stammen
soll, sind unter anderem St.Laurentius und St.Katharina abgebildet.
Beide halten ein Schild mit dem Dreizack an Ketten und mit einem
darübergelegten Balken.
Das heutige
Logo des Gymnasium Laurentianum
zeigt den heiligen Laurentius. Wie üblich ist er mit dem Rost und
Märtyrerpalme dargestellt. Außerdem hält er aber ein Buch in der Hand,
als Hinweis auf das Gymnasium.
Und als weitere Zugabe ist das Wappen mit der dreizackigen Forke
beigegeben und das steht hier für die Stadt Warendorf. Ob das jetzt
eine Forke mit oder ohne Balken ist, oder ob es ein Fallgatter ist,
darüber kann man hier trefflich spekulieren.
Dies Motiv stammt von einer Lederprägung auf einem
Prämienbuch aus dem 18.Jahrhundert aus der Bibliothek
des Laurentianum.
Am alten Rathaus befindet sich über dem Eingang dieses
Wappen. Es stammt von 1870, hat aber auch mehrere Vorgänger, die sich
nur in Details unter- scheiden.
Das Wappen der Stadt
Warendorf in der nebenstehenden
heutigen Form gibt es seit 1952. Der damalige ehrenamtliche Stadtarchivar
Theodor Pröpper, im Hauptberuf Lehrer am Gymnasium Laurentianum, setzte
sich stark für diese Form ein, die gegenüber den vorher benutzten Wappen
nur wenig verändert war.
Die Entscheidung des Stadtrats für dieses Wappen war nicht unumstritten
und bis heute gibt es Stimmen, die das Wappen für falsch halten, weil es
sich von einem Siegel herleitet und eben nicht von einem Wappen. Als
Wappen käme dann allein die dreizackige Forke (oder das Fallgatter) in
Betracht.
Die Fahne der Stadt
Warendorf hat zwölf Längsstreifen,
bei denen sich viermal die Farbfolge Weiß-Blau-Rot wiederholt. Das Vorbild
dieser Fahne soll aus dem Ostviertel von 1680 stammen und bis 1910 noch
vorhanden gewesen sein. Neben der schlichten Streifenfahne wurden und
werden in Warendorf auch Banner gezeigt, bei denen auf dem gestreiften
Tuch das Stadtwappen aufgelegt ist; und hier wird dann der Streit um das
korrekte Stadtwappen wieder aufgelegt.
Das Foto oben rechts zeigt den Turm der alten, abgebrannten Marienkirche
und davor ein Banner mit den Warendorfer Stadtfarben.
Dem Trend folgend gab sich die Stadt
Warendorf in den 90er Jahren ein Logo, das
werbegrafisch gestaltet wurde und auf
Druckwerken der Stadt, Briefbögen und auf Hinweisschildern gezeigt
wird.
Das Logo greift die Stadtfarben Weiß-Blau-Rot auf,
wobei das Weiß zu Grau mutierte. Ein Außenstehender wird über die Form
des Logos rätseln, der Warendorfer erkennt jedoch die stark stilisierte
dreizackige Forke (oder das Fallgatter) aus dem alten Warendorfer
Wappen.