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Gymnasium Laurentianum
[  22.April 2005  ]



Brandenburger Tor, 2005
Das Brandenburger Tor strahlt am Abend einen besonderen Reiz aus.


Warendorfer Laurentianer erkunden Berlin

Das Berlin-Projekt 2005

"Von hier oben sieht Berlin ja noch viel größer und imposanter aus als von unten", genießt David Fekete, Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Gymnasium Laurentianum, den Ausblick von der Kuppel des Berliner Reichstages bei Nacht. Viele Weitere stimmen ihm zu und sind von dem Bild Deutschlands größter Metropole begeistert: "So etwas Schönes bekommt man nicht alle Tage zu sehen", schildert Max Aldejohann seine Erlebnisse. Andere hingegen erbleichen beim Gedanken daran, sich auf diese schwindlige Höhe zu begeben. Jedoch sind sich die meisten einig: Dieses Ereignis war einer der Höhepunkte der diesjährigen Berlinfahrt.

Als sich am Montagmorgen knapp 100 Schülerinnen und Schüler sowie drei Lehrerinnen und drei Lehrer auf die Reise in die Bundeshauptstadt begaben, wussten sie bereits, dass die nächsten Tage spannend und arbeitsintensiv zugleich werden. Unter dem Titel "Der soziale Wandel vom 19. bis ins 21. Jahrhundert, untersucht am Beispiel des industriellen und urbanen Modernisierungsprozesses Berlins" hatte der Sozialwissenschaftspädagoge Gerhard Waibel ein fächerübergreifendes Projektprogramm zusammengestellt. Da er kurzfristig erkrankte, sprang Schuldirektorin Marlis Ermer ein und begleitete die Reise. Die Schüler hatten im Vorfeld die Möglichkeit, sich für eine von zehn themenspezifischen Fächerkombinationen zu entscheiden, so dass jeder Berlin unter Berücksichtigung seiner eigenen Interessen erleben konnte. Als Vorbereitung auf die Studienfahrt hatten redaktionelle Teams, bestehend aus zwei oder drei Jugendlichen, Informationen zu dem von ihnen ausgewählten Schwerpunktthema gesammelt, ausgewertet und zusammengefasst.

Nach sechsstündiger Anfahrt erreichte die Gruppe am Montagmittag das Sankt-Michaels-Heim im Berliner Villenviertel Grunewald. Am Nachmittag stand als Erstes der Besuch des Stadtmuseums "The Story of Berlin", dessen multimediale Ausstellung sich auf vier Etagen von insgesamt knapp 7000 m² verteilte, auf dem Programm. Aufwändige und eindrucksvolle Kulissen verdeutlichten den Jungen und Mädchen die Geschichte Berlins. Auf authentische Weise erlebten sie selbst die Zeit von der Gründung 1237 bis ins 21. Jahrhundert. Die anschließende Führung durch einen Schutzbunker, der zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges etwa 4000 Menschen vor Bomben- und Luftangriffen schützte, vermittelte ihnen, wie sich die Menschen damals gefühlt haben mussten. Die sechs Lehrer, die die Fahrt begleiteten, zeigten sich sehr zufrieden. "Die Schüler sind immer mit großem Interesse und hoher Konzentration bei der Sache", lobte Geschichtslehrer Hermann Röer ihr Verhalten.

In den nächsten Tagen erwartete die Laurentianer ein umfangreiches, aufregendes Programm. Vor allem die dreistündige Stadtrundfahrt am Dienstagvormittag zeigte, wie sich die Stadt in den letzten Jahrzehnten verändert hat. An fast allen Ecken warteten immense Bauten, große Regierungsgebäude oder Gedenkstätten auf die Laurentianer. Hauptstationen waren die Borsigwerke, die AEG-Turbinenhalle und das Industriezentrum "Feuerland". Die Fahrt dokumentierte den politischen Wandel in Deutschland vom Kaiserreich zur Republik. Historische, zum Teil prunkvolle Gebäude und Denkmäler, wie der Berliner Dom, das Brandenburger Tor oder der Check Point Charlie vergegenwärtigten die Entwicklung von der Monarchie zur heutigen Demokratie.

Sehr anschaulich wurden das Leben der Bürger und besonders das der Staatsfeinde in der DDR bei einer Besichtigung des früheren Stasigefängniskomplexes in Hohenschönhausen dargestellt. Ein ehemaliger Gefangener schilderte seine persönlichen Erfahrungen als mutmaßlicher Staatsfeind und führte die Schüler in Gruppen durch die Zellen und Vernehmungsräume des Untersuchungsgefängnisses der Staatssicherheit. Seine Arbeit mit Touristen befand er selbst als "eine Art von Therapie".

Als abwechslungsreich und amüsant bewertete ein Großteil der Schüler den Kabarettbesuch am Dienstagabend. Als sie sich vor Wochen entweder für die östliche Variante "Distel" oder das westliche Pendant "Stachelschweine" entscheiden mussten, dachten viele beim Gedanken ans Theater eher an Langeweile. Doch die Vorstellungen stellten sich als sehr unterhaltend und kurzweilig heraus. Die Finanzierung dieser Abendveranstaltung wurde vom Verein Alter Laurentianer übernommen.

Die Mauer, die vor knapp 15 Jahren noch Ost und West trennte, spielt in den Köpfen der meisten Bürger heute noch eine Rolle. Standortprobleme auf der einen Seite und blühende Dienstleistungszentren auf der anderen Seite wechseln ständig ab. Während in den wohlhabenderen Stadtteilen das große Geld gemacht wird, kämpfen andere Viertel mit hoher Arbeitslosigkeit und Rechtsradikalismus. Gerade diese Gegensätze waren es, die die Schüler am Mittwoch und Donnerstag in Kleingruppen bei verschiedenen Unternehmungen kennen lernten. Gehörte der Besuch von Kunstmuseen oder des designierten Hauptbahnhofs "Lehrter Bahnhof" noch zu den schönen Entdeckungen, wurden den Schüler vor allem durch die Besuche einer Gesamtschule in Berlin-Kreuzberg und einer Drogenanlaufstelle die negativen Seiten der Großstadt vor Augen geführt.

Am letzten Abend hatten die Jungen und Mädchen der Jahrgangsstufe 11 die Gelegenheit, sich auf eigene Faust durch die Großstadt zu kämpfen. Viele ergriffen die Chance, um die Einkaufsmöglichkeiten der Innenstadt zu nutzen, Andere setzten sich in eines der vielen Restaurants und wieder andere genossen einfach nur die Atmosphäre der europäischen Metropole, machten es sich an der Gedächtniskirche bequem und schalteten von der vorangegangen Hektik ab.

Im Anschluss an einen kurzen Stadtbummel am Freitagmorgen folgte ein abschließendes Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Reinhard Schultz aus Everswinkel im Presse- und Informationszentrum des Bundestages über seine Tätigkeiten und die aktuelle Situation im Parlament. Kurz nach 20 Uhr trafen die Eltern ihre Kinder auf dem Parkplatz vor dem Schulgebäude erschöpft an. Auf die ersten interessierten Fragen, wie es denn war, wussten die meisten vor lauter Erlebnissen nicht zu antworten: "Auf jeden Fall sehr aufschlussreich und interessant, aber lass mich erst einmal schlafen, ich erzähl euch das dann morgen!"



Reststück der Mauer, 2005
Während der Stadtrundfahrt besichtigt die Gruppe ein Reststück der ehemaligen Mauer.


Jgstf 11 in Berlin, 2005
Die Jahrgangsstufe 11 wohnt während des Berlin-Besuchs im Michaelsheim in Berlin-Grunewald.


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