Einleitung
Im Folgenden möchte ich über Johann Sebastian Bach, den meine Klasse im Musikunterricht behandelt hat, berichten und seinen Lebensweg darlegen.
Johann Sebastian Bach, geboren 1685 in Eisenach und gestorben 1750 in Leipzig, war einer der bedeutendsten Komponisten und Musiker seiner Zeit.
Bedeutende musikalische Werke Bachs sind: "Brandenburgische Konzerte", "Wohltemperiertes Klavier",
"Magnificat", "Motetten", "Umarbeitung der Johannespassion",
"Matthäuspassion", "Clavierübung", "Messe in h-Moll",
"Weinachtsoratorium", "Osteroratorium", "Musikalisches Opfer" und "Kunst der Fuge".
Bachs erster Ruhm gründete sich auf sein außergewöhnliches Cembalo- und Orgelspiel, besonders auf seine hohe Improvisationskunst im
polyphonen Stil. Diesen Stil, besonders die Fuge, die höchste Kunstform der Barokmusik, führte Johann Sebastian Bach an die Grenze des
Möglichen. In seinen Werken verbindet sich höchst dynamische Melodik mit einer überaus farbigen, feinste Ausdrucksnuancierungen
ermöglichenden, Harmonik und einer den heutigen Menschen besonders ansprechenden motorischen' Rhythmik. Bach darf nicht einseitig als
Kirchenmusiker gesehen werden; er beherrschte alle musikalischen Möglichkeiten seiner Zeit mit Ausnahme der Oper, die ihm fremd blieb.
Seine Familie
Die ersten zehn Jahre seines Lebens waren für Johann Sebastian Bach, die eines normalen Kindes.
Doch dann kamen plötzlich einige Schicksalsschläge. Zuerst starb Sebastians Onkel 1693 als
J. S. Bach gerade einmal acht Jahre alt war und knapp ein Jahr später verstarb auch noch seine
Mutter. J. S. Bach wurde in der Zwischenzeit in der Lateinschule aufgenommen und kam, dank seiner
guten Sopranstimme, in den Chor. Nun heiratete der Vater zum zweiten Mal, da er mit dem Haushalt
und der Arbeit alleine nicht mehr zurecht kam. Doch nach gerade einmal drei Monaten Ehe suchte
der Tod von neuem die Familie Bach heim, der Vater von Bach stirbt. So bricht die Familie
endgültig auseinander und J. S. Bach geht zu seinem Bruder nach Ohrdruf.
Sebastians Bruder (1671-1721)
J. S. Bach lebte bei seinem Bruder Johann Christoph Bach. J. C. Bach war der älteste Bruder (16 Jahre älter als J. S. Bach)
von J. Sebastian Bach. J. Christoph Bach arbeitete in der Michaeliskirche in Ohrdruf. Genau wie J. S. Bach war
auch J. Christoph Bach musikalisch sehr begabt. Er wurde sogar von J. S. Bach als einen 'tiefgründigen
Komponisten gelobt. J. S. Bach meinte damit wahrscheinlich, dass er schöpferisch an der Orgel improvisierte,
denn es sind keine Werke von Christoph überliefert. Christoph übte einen tiefgreifenden Einfluß auf
Sebastian aus. Er unterrichtete ihn im Klavierspiel und führte ihn in die Technik des Musikkopierens ein.
In dieser Zeit konnte Bach auch praktische Erfahrungen im Orgelbau sammeln, denn an der großen Orgel der
Michaeliskirche wurden unter Christophs Aufsicht gerade umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchgeführt.
Sebastian erarbeitete sich sein tägliches Brot mit dem Gesang im Schulchor.
Ausbildung in Lüneburg
Als Sebastian 15 Jahre alt war, wurde es im Haus des Bruders eng. Christoph hatte zwei Kinder, und seine
Frau erwartete ein drittes Kind. So verließ Johann Sebastian Bach Ohrdruf und ging nach Lüneburg,
wo er als Freischüler in die Michaelisschule eintrat. Bach schloß sich dem Mettenchor der
Michaeliskirche an, dessen Mitglieder in der Regel Kinder armer Familien waren. Sie erhielten
kostenlos Schulunterricht und Verpflegung und selbst - entsprechend ihrem Alter - ein kleines
Taschengeld. Darüber hinaus bekamen sie einen Anteil vom Entgelt für Hochzeiten und
andere Feierlichkeiten. Bach sang bis zum Stimmbruch im Chor, dann wurde er Instrumentalist.
In der Schule belegte er die Fächer Latein, evangelische Religion, Geschichte, Arithmetik
und Geographie, Physik, deutsche Lyrik, Heraldik und Genealogie. In Lüneburg hörte er
den Organisten der Johanniskirche, Georg Böhm. Es war wahrscheinlich Böhm,
der Bach riet, Jan Adams Reinken, den berühmten Organisten der
Hamburger Katharinenkirche, anzuhören.
Bach war sowohl von Reinkens glänzendem Spiel wie auch von der Orgel der Kirche selbst beeindruckt.
Von 1702 an war Bach, 17 Jahre alt, ganz auf sich allein gestellt. Nach etlichen erfolglosen Versuchen,
Arbeit zu finden, erhielt er schließlich an einem kleineren Hof in Weimar eine Anstellung als Musiker,
doch bezahlt wurde er wie ein 'Lakai'. Im August 1703 wurde er Organist der neuen Kirche in Arnstadt.
Zunächst war der junge Bach vom Kirchenkomitee von Arnstadt lediglich um die Abnahme der gerade
umgebauten Orgel gebeten worden. Er tat sich dabei so sehr hervor, dass das Konsistorium den örtlichen
Organisten, Andreas Börner, überging und Bach den Posten anbot. In Arnstadt hatte Bach
vergleichsweise wenig Verpflichtungen, doch es war nie genau festgelegt worden, worin diese genau
bestanden. Dies führte später zu Streitigkeiten mit dem Kirchenkomitee. Bach war ein reizbarer
Mensch und verstand sich auch nicht aufs Unterrichten. Außerdem verärgerte er das Konsortium, das
so großzügig seine Ernennung durchgesetzt hatte, und war bei seiner Gemeinde unbeliebt. Er erhielt
einen strengen Verweis, weil er den vereinbarten Urlaub von vier Wochen auf fast drei Monate ausgedehnt
und es seinem Assistenten überlassen hatte, zu Advent und zum Weihnachtsfest 1705 sowie zu Neujahr
1706 zu spielen. Das Konsistorium fand seine Entschuldigung unbefriedigend und beklagte auch, dass seine
Choralbegleitungen für den Gemeindechor zu schwierig seien. Vom Konsistorium kam auch eine
Beschwerde wegen der Anwesenheit eines 'fremden Mädchens' auf der Orgelgalerie. Dieses
Mädchen war die zukünftige Frau des Komponisten, und er hatte vom Pfarrer die Erlaubnis
erhalten, sie mit auf die Empore zu nehmen. Im Sommer 1707 verließ Bach Arnstadt um eine Stellung
in der Blasiuskirche in Mülhausen anzutreten. Sein Aufenthalt in Mülhausen war zwar nur
kurz - etwas länger als ein Jahr -, doch äußerst ereignisreich. Bach schrieb dort seine
ersten Kantaten. In Mülhausen heiratete er auch seine erste Frau, Maria Barbara Bach, eine
entfernte Kusine, die wie Sebastian selbst dem musikalischen Zweig der Bachfamilie entstammte.
Sie hatten sich in Arnstadt kennengelernt und wurden 1707 in Marias Heimatort Dornheim getraut.
Bach verließ 1708 Mülhausen und trat eine Stellung am Hofe von Weimar an.
Konzertmeister in Weimar
Dieses Engagement war Bach von Herzog Wilhelm Ernst, dem regierenden Fürsten von Sachsen-Weimar, angeboten - ja geradezu
aufgezwungen - worden. Herzog Wilhelm Ernst war einer der bedeutendsten Adligen Thüringens, sein Hof ein wichtiges kulturelles
und theologisches Zentrum. Unter seinem Patronat arbeitete Bach in Weimar vom Juli 1708 bis zum Dezember 1717. Zunächst war er
nur Hoforganist, doch am 2. März 1714 wurde ihm der Titel eines Konzertmeisters verliehen. In Weimar komponierte Bach einen
Großteil seiner Orgelmusik, seine Cembalo-Toccaten und eine eindrucksvolle Serie von Kantaten für die Hofkapelle des Herzogs.
Mit einer seiner Auftragsarbeiten, einer Geburtstagskantate für den sehr anspruchsvollen Herzog Christian von Weissenfels,
begann eine Verbindung mit dem Weissenfels-Hof, die bis zum Tode des Herzogs im Jahre 1736 - und damit dem Ende dessen Geschlechts - andauerte.
Während seiner Weimarer Zeit wurden sechs seiner Kinder geboren. Bach und seine Frau hielten den Kontakt zu Freunden und Verwandten in Ohrdruf,
Arnstadt und Mülhausen dadurch aufrecht, indem sie sie zu Paten ihrer Kinder machten. Bachs Können zog viele Bewunderer an. Von dieser
Zeit an war er nie ohne Schüler. Als Händels Lehrer Zachow starb, wurde ihm eine wichtige Organistenstelle in Halle angeboten. Bach
nahm die Stellung jedoch nicht an, denn als er den Herzog bat, ihn aus seinen Diensten zu entlassen, machte der ihn zum Konzertmeister. Dieser
neue Posten war mit einem guten Gehalt verbunden, mit dem die Arbeitgeber in Halle nicht mithalten konnten. Doch er hielt die guten Beziehungen
zu Halle aufrecht. 1717 wurde Bach von dem einflußreichen Hamburger Komponisten Mattheson als der "berühmte Weimarer Organist" gepriesen.
1717 besuchte Bach auch noch Dresden um in einen musikalischen Wettstreit gegen Marchant anzutreten. Marchant allerdings lehnte ab, so dass
Bach ohne Gegner blieb.
Unstimmigkeiten in Weimar
Während die ersten Jahre in Weimar für Bach eine sehr schöpferische Zeit gewesen waren,
fühlte er sich dort später nicht mehr wohl. Ursachen für seine Unzufriedenheit waren
Familienfehden im Weimarer Königshaus sowie die ungewöhnliche Intrigen bei der Suche nach
inem neuen Kapellmeister. Bach entschloß sich schließlich, sich nach einer anderen Position als
Kapellmeister umzusehen. Er erhielt ein Angebot des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen
und ersuchte Herzog Wilhelm erneut um seine Entlassung, was ihm erneut abgeschlagen wurde. Als Bach
sein Anliegen noch einmal vortrug, stellte der Herzog ihn vom 6. November an unter Hausarrest: Am 2.
Dezember entließ er ihn dann endgültig in Ungnade aus seinen Diensten.
Kapellmeister am Hofe Fürst Leopolds
Die Beziehungen zu seinem neuen Arbeitgeber waren gut. Fürst Leopold, ein musikalischer junger Mann,
ermutigte Bach in jeder Weise, alle Arten von Instrumentalmusik und weltlicher Vokalmusik zu schreiben. In
Köthen wurde das letzte Kind, das Bach mit seiner ersten Frau hatte, geboren; ein Sohn, der nach seinem
Paten, dem Fürsten Leopold, benannt wurde. Doch das Kind lebte nicht lange. Trotz des frühen Todes
dieses Sohnes war Bach, wie er später schrieb, im allgemeinen sehr glücklich in Köthen.
Offensichtlich ging ihm das Komponieren hier leicht von der Hand. In diese Periode fallen die Sonaten
für Violine und Cembalo, die Solo-Suiten für Violine und Cello sowie die sechs Concertos, die
wir als die 'Brandenburgischen Konzerte' kennen. Aus der Zeit in Köthen stammen auch der erste Teil
des 'Wohltemperierten Klaviers' und zahlreiche Vokalwerke, die er zu Ehren der Geburtstage des Fürsten
schrieb. Die Jahre 1720 und 1721 brachten Bach jedoch eine Reihe von Rückschlägen. Während er
zusammen mit anderen Musikern den Fürsten zur Heilquelle Karlsbad begleitete, starb seine Frau, Maria
Barbara. Dann scheiterte sein Bemühen, Organist der Jacobikirche in Hamburg zu werden, weil er entweder
nicht gewillt oder nicht in der Lage war, der Kirche die hohe Geldsumme zu spenden, die von erfolgreichen
Kandidaten erwartet wurde. Das war seine letzte Chance, regulärer Spieler einer herausragenden Orgel zu
werden. Der dritte Rückschlag war die Heirat Leopolds mit seiner Kusine, Prinzessin Friederike von
Anhalt-Bernburg. Die Prinzessin hegte keinerlei Interesse für die Künste. Sie war wahrscheinlich
eifersüchtig auf die frühere Musikleidenschaft ihres Gemahls, für die er sich in beträchtliche
Unkosten gestürzt hatte. Auf jeden Fall sah sich Bach im März 1721 nach einer anderen Stellung um.
Im Dezember 1721 heiratete Bach Anna Magdalena Wilken, eine ausgebildete Sängerin. Es ist möglich,
dass sie es war, die ihn gedrängt hat, woanders hin zu gehen.

Die Jahre in Leipzig
Bach arbeitete in Leipzig als Kantor an der Thomasschule. Er hatte somit einen der wichtigsten Musikposten
im lutherischen Europa inne. Bezahlt wurde er für diesen Posten in Naturalien. Die ersten sechs Jahre in
Leipzig waren hinblicklich seines arbeitsreichen Lebens die produktivsten und auch die ruhigsten. Doch das
blieb nicht so, 1728 lag Bach wieder im Streit mit den Kirchenautoritäten, wegen einer Lappalie. Von
dieser Zeit an waren seine Beziehungen sowohl zum Rat wie zu den Lehrern der Thomasschule sehr gespannt. 1729
verließ er Leipzig und ging für einige Zeit an den Weissenfels-Hof, wo er zum Hofkapellmeister von
Sachsen-Weissenfels ernannt wurde. In diesem Jahr reiste er auch wieder nach Köthen, um die Trauermusik
für seinen verstorbenen früheren Arbeitgeber, Fürst Leopold, aufzuführen. Die restlichen
Jahre seines Lebens verbrachte Bach relativ ruhig. Er starb am 28. Juli 1750 im Alter von 65 Jahren in seinem
Haus in Leipzig in Folge eines Schlaganfalls.
Markus Gewering, 10.Klasse, Juni 1999