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TheaterZeitReise 2
[  Samstag, 24.Juni 2000  ]


  Das Laurentianum beteiligte sich ...
  Fotos von der TheaterZeitReise am 24.6.2000.
  Die modernisierte Fassung des Loblieds.
  Die zweite Aufführung vom 4. Juli 2001.
  Die originalen Texte in Latein und Deutsch von 1759.


Ensemble
 
Wir, die Sie hier oben stehen sehn,
müssen zu Beginn eins gestehn.
Wir sind keine Genies, aber auch nicht dumm,
sind nur Schüler des Laurentianum.
Denn unter Winfried Grohes Regie
entfesseln wir hier des Theaters Magie.

Verehrtes Publikum in aufgeklärter Zeit,
lassen sie uns nun wagen einen Blick in die Vergangenheit.

Epimicion
Quo divi Martyri Laurentio
Urbis et Gymnadis Patrono applauditur

Pretiosa in Conspectu Domini Mors sanctorum eius

 
I   Declamator:
Welch heiße Omen überall
Das es an keiner Pflicht mög fehlen,
mit frohen Schall und Widerhall
der hohle Raum der Luft befehlen.
Welchs Lust gesprenge wird bestimmt,
welchs Feuer in den Adern glimmt
auf allen Ehr- und Freudenbühnen
dem Held so mit dem Lorbeerstrauß
kommt prangend aus dem Feld nach Haus,
zum steten Lob und Ruhm zu dienen.

Man rufet: (Engel) O, ein großer Held !
Ihr Zeiten lernt den Titel fassen
Und meldet ihn der spaten Welt,
kein Neid kann solche Großmut hassen:
Er gibt der Fama Geist und Schall
Verewigt Felsen und Metall
Und heiligt Sand und Ehrenbogen.
Die Kunst legt tausend Probstück ab
Auf das des Namen Ruhms dem Grab
Dem Neid der Zeiten werd entzogen.

Wo kann man, wann den Heldenruhm
Soll Ehren Tempeln bauen
Und ihn gleich als ein Heiligtum
in Erz und auf Bildern schauen.
Mit welcher Zeremonia und Herrlichkeit
Ist dann nicht die Großmütigkeit
Laurentii zu zieren?
Der vor der ganzen Christenwelt
Muß als ein großer Wunderheld
Das Prae vor allen führen.

Die Venus kame geschwind
Mit ihrem geilen Kind
Von paphosgrünen Auen.
Da war gleich zu schauen,
wie von dem Feuer und Gift,
das schnell die Seele trifft,
so Pfeile als Fackeln flammen.
Ein Laster zwar brach los
Und zoge sich ums Schloß
Der Tugend auch zusammen.
II   Die Venus ruft: (Sonja) Frisch auf !
Den Trieben laßt auf den Lauf
Nicht länger mehr verweile!
Cupido, gebrauch die Pfeile,
entzünde so die Brust,
daß sie vor lauter Lust
und Zärtlichkeit zerfließe.
Die Stärke vor dir liegt,
die Weisheit ist besiegt,
auch diese Freud genieße.

Declamator:
Cupido setzet an,
und selbst die Großmut kann
den Pfeilen kaum entrinnen.
Der Tugend Heldenmut
zerstreuet alle Glut,
zerstampft die Liebespfeile;
oh Venus, all dein Zielen ist umsunst,
der Engel Amors dir den Pfeil verhunzt
und wiechelt ihre Ruh
in reiner Gottesfurcht zu
für solche Flattereile.

Wie auch die Venus sieht
hier brauchte meisterlich
die Unschuld zu ersticken
doch allen Zauberstricken
der Engel reine Geist
sich ritterlich entreizt
verflucht die geilen Triebe
versetzt den Teufeln Hiebe

Hört ihr das Menschen, hört!
Wer reine Flammen ehrt,
muß unsern Held auch loben.
Die Großmut stammt von oben
Die solche Palmen bricht
Und lasset sich auch nicht
Vom stärksten Feind besiegen.

 
III   Sonja:
O, junges Herz
Laß allen Schmerz
Gleich mit dem Atem fahren !
Du lebest doch
An jetzo noch
An bester Blüht der Jahren.
Nimm dann die Lüsten zum Voraus
Und jetzt besuch das Freudenhaus,
wo Wollust alles Leid besieget
und dich im süßen Schlummer wiegt.

Teufel:
Nehm dieses wahr,
sagt sie sogar (Declamator)
dieses sein die rechten Güter.
Lust, Gut und Ehr
Wonach so sehr
Sich zähmen die Gemüter.
Und den selbst das Vergnügen küßt,
der dieser Güter mächtig ist,
so wende den betörten Sinn
auf mich und meine Güter hin.

Declamator:
O, welcher Streit
Die Sinnlichkeit
Gibt sich gleich überwunden.
Die Stärke gar
Steht in Gefahr
Wie leider oft befunden.
Laurentius weicht dem Feind doch nicht
Er trotzt der Welt ins Angesicht
Er lasset sich nicht hintergehn
Bleibt in der Großmut Schranken stehn.

Engel 1:
Was bringt die Ehr ?
Ein Sorgenheer,
das stets ein Herz bekrieget.
Wer meint, er steht
Hoch in der Höh,
fluchs tief im Abgrund lieget.
Wenn einer auf dem Gipfel steht
und alsdann unbehutsam geht,
ach dessen unbedachter Tritt,
der nimmt die Reu in den Abgrund mit.

Engel 2:
Was ist die Freud
pur Eitelkeit
ein Blendwerk schwacher Sinnen.
Sag du es nur,
du Epikur,
was ich nicht kann entsinnen.
Was ist die Freud ? Ein Wermuts Trank.
Was ist die Freud ? Ein Folterbank.
Was ist die Freud ? Ein Donner trifft.
Was ist die Freud ? Ein Seelen- Gift.

 
IV   Engel 3:
Was ist das Gold?
Dein geringer Sold
So vieler Müh und Sorgen
Ein glatter Sand,
worin die Schand
ihr Unflat halt verborgen
Ja, was du hast, du böse Welt,
was deinen Liebling so gefällt.
Und das Gemüte so entzückt,
wird bald vom Zeiten Zahn zerstückt.

Declamator:
Kaum war nun dieser Streit entschieden
kaum war der Welt ganz abgesagt,
da war die Höll noch nicht zufrieden,
das Äußerst mußte sein gewagt.
Das schwarze Heer gleich brüllt und krachet
Durchs schwefelvolle Schreckenhaus.
Die wilde Raserei erwachet
und bricht in Feuer und Flammen aus.
O, welcher Kampf, wer sollt nicht beben,
der wird den Rest der Unschuld geben.

Ein doller Wutrich läßt hier spüren,
daß er der Hölle zinsbar sei.
Er, um den Streich wohl auszuführen,
verpaart sich mit der Tyrannei.
Da doch sein erstes Ziel verfehlet
An dem erhofften Kirchenschatz
Er gleich ein anders auserwählet,
um zu behaupten seinen Schatz.
Befiehlt gleich Christo abzuschweren
Und seine Götzen zu verehren.

Er rufet, schreiet, fluchet, brüllet.
Und speit den Schlangen- Geifer aus.
Der Donnerschlag die Luft erfüllet.

Bürgermeister:
Heut mach ich dir noch den Garaus.
Heut sollst du deinen Gott verfluchen
und meinen Götzen Weihrauch streuen.
Wo nicht, so wird mein Unmut suchen
an deinen Tod sich zu erfreuen.

Henker:
So soll das Mordbeil dich entleiben,
die Grausamkeit dich ganz zerreiben.

 
V    Declamator:
O, harter Schlag, wovon der Starke
auch selbst der ganze Mut entfällt.
Doch seht und rühmt die Wunderwerke.
Laurentius, bleib wohlgestellt !!
Ganz fest gleich einem Fels da stehet,
der allen Sturm der Wellen lahmt.
Wie doll und trotzig alles gehet ,
so macht er doch die Wut beschämt.
Es kann kein Blitz, kein Donner krachen
die wahre Tugend zaghaft machen.

Er sagt:
Laurentius:
Der Blitz von deinem Keile
mir jagt kein Furcht, kein Schrecken ein.
Und eh ich kläglich fleh und heule,
eh soll mein Leib zermalmet sein.
Willst du, ich sollt die Götzen ehren ?
Ach laß dir nur die Lust vergehen
Dies soll man wohl nicht eher hören,
als bis die Bäum am Himmel stehn.
Wenn Not und Tod schon auf mich fallen,
so soll mein Jesus doch erschallen.

Declamator:
Roms Bürgermeister wie gemein
- doch dies blies ihm der Teufel ein -
will Gold und Gut der Kirche plündern.
Wie kann Laurentius das verhindern ?

Bürgermeister:
Bring mir die Schätze der Kirche
Ich befehle es; alles Gold der Christen ist bis morgen herbeizuschaffen.

Laurentius:
Hier bringe ich dir die Schätze der Kirche.
Die Armen, Mittellosen, Kranken
um die allein sich die Christen kümmern.

Declamator:
Das wollt dem Wütrich nicht gelingen.
Das traf zu stark der Götter Ehr.
Er wollte nun von Gift zerspringen,
und ruft:

Bürgermeister:
Bringt Rost und Feuer her.
Was will der mich noch lange pochen ?
Röstet ihn lebendig !
Es soll mir ein Vergnügen sein.
Henker:
Und mir erst !

Declamator:
Der Frevel steigt zum höchsten Grad.
Heut muß unmenschlich sein gerochen
Die Bosheit voller Freveltat
Das Monstrum, weil ihm nichts geraten
Läßt so die Unschuld greulich braten.

 
VI    Entsetzet euch ihr Marmelsteine,
ob dieser großen Grausamkeit.
Schau selbsten Tyrannei und weine,
obschon dich sonst die Wut erfreut.
Da noch, o neue Wundertaten,
gewinnt es nichts, als daß der Geist
je länger sie dein Leib auch braten
ein Herz voll kluger Großmut weiß,
da Wut und Hölle ganz zerschmettert,
der frohe Geist zur Ruhstadt klettert.

Laurentius:
Auf einer Seite bin ich braun,
nun wendet mich, um anzuschauen,
daß ich gegrillt zu Gottes Ehr
gen Himmel fahr als großer Herr
Teufel: miser, miser niger et ustus fortiter !

Laurentius:
Auf beiden Seiten bin ich knusprig,
dies findet nur der Heide lustig.
Gott tilgt des Leibs Vergänglichkeit,
schenkt mir das Kleid der Heiligkeit.

Declamator:
Laurentius hier sterbend liegt.
Die bösen Teufel sind besiegt.

Laurentius:
Ich seh den Himmel offen schon,
von oben naht die Lorbeerkron.

Declamator:
Die lieben Engel kommen herbei
Und haben auch das Kleid dabei.

Laurentius:
Ich scherz mit euch trotz meiner Schmerzen.
Gott gab mir Kraft dazu von Herzen.

Declamator:
Sie fliegen rasch, sind jetzt zu dritt
Und bringen auch die Krone mit.

Engel:
Wir wollen dir den Weg bereiten
Zum Paradies wir dich geleiten.
Hoch Laurentius, dem wir vertraun,
auf dich Laurentius wollen wir bauen.

Declamator:
Gerettet ist der tapfre Christ
Vor Angriffen des Bösen.
Wer tapfer, fromm und hilfreich ist,
den können wir erlösen.
Und hat er dann am Ende gar
an Martern teilgenommen,
bereitet ihm die Engelschar
ein herzliches Willkommen.

 
VII    Alle im Wechsel:
Schau dann du großer Schutzpatron
von den gesternten Zions Höhen
auf uns, die wir jetzt längst schon
in größter Furcht und Schrecken stehen !
Hör an das kläglich Weh und Ach
und kehre ab das Ungemach.
So uns von allen Zeiten schrecket.
Dein Lob soll bei und blühend sein,
bis das ein schwerer Leichenstein
uns in der finstern Gruft bedecket.

 
HaeC DeCLaMatIo habIta est a RhetorIbVs In foro
ante diem octavum Kalendas Iulias
anno bis millesimo

 


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