Am 24.Juni fand in der gesamten Warendorfer Altstadt
die TheaterZeitReise statt, ein
Großereignis zum 800jährigen Jubiläum der Stadtwerdung. An zehn
Spielstätten wurden Szenen aus der Stadtgeschichte aufgeführt.
Auf der Bühne vor der Grundschule in der Klosterstraße wurde "Das Loblied
auf den heiligen Laurentius" gezeigt. Dieser barocke Text wurde bereits 1759 von
Schülern des Laurentianum inszeniert. Jetzt wurde dem alten Schuldrama neues Leben
eingehaucht. Eine Gruppe von Laurentianern unter Leitung von Dr.Grohe führte diese
Aktion mit einem leichten Augenzwinkern durch.
Ein Bild von den Probearbeiten mit Steffen Tröbst
als Laurentius
Das Ensemble aus Schülern der Jahrgangsstufe 12: Ganz
links der Deklamator Stefan Döhner und in der Mitte Steffen Tröbst
als Laurentius
Laurentius, Amor, Venus und ein Engel
Amor und der Deklamator
Mehr Bilder von der TheaterZeitReise findet man auf einer weiteren Seite.
Den Text des Loblieds gibt es in drei Versionen. Die modernisierte Fassung
von Dr. Grohe, die am 24.Juni 2000
aufgeführt wurde, befindet sich auf einer eigenen Seite.
Daneben gibt es den alten barocken Text in Deutsch und eine weitere Fassung
vollständig in Latein.
Die beiden alten Versionen stammen aus einem Konzeptbuch
aus dem Jahr 1759. Dazu schrieb 1979 der ehemalige Schulleiter des Laurentianum,
Klaus Gruhn: "Die »declamationes« waren kürzere oder längere
Vortragsübungen in gebundener oder freier Rede. Sie fanden zu feierlichen
Anlässen wie dem Laurentiusfest und dem Mariae Himmelfahrtstag auch in der
Öffentlichkeit statt. Bunnefeld teilt in seinen »Ergänzungen
zur Geschichte der höheren Lehranstalt zu Warendorf«
Auszüge einiger der »Deklamationsstücke in lateinischer und deutscher Sprache
aus einem Konzeptbuch des Jahres 1759 mit. Dieses Buch muß leider als seither
verschollen gelten, so daß wir nur über die Veröffentlichung Bunnefelds noch
einen Einblick in die Tradition der »declamationes« gewinnen können. Die
lateinischen Gedichte waren in antiken Versmaßen abgefaßt. Eines davon,
»Epimicion, quo Divo Martyri Laurentio, Urbis et
Gymnadis) Patrono applauditur«, also ein »Siegeslied, worin dem heiligen
Laurentius, dem Patron der Stadt und des Gymnasiums, applaudiert wird«,
umfaßte nicht weniger als 94 Strophen, die im Wechsel von verschiedenen
Schülern vorgetragen wurden."
Mittlerweile ist der alte Text gefunden worden und von Klaus Gruhn und Alwin Frerich
lesbar gemacht worden. Er wird im Original in ganzer Länge in
unserer lateinischen Bibliothek
gezeigt. Hier der erste und letzte Vers des barocken deutschen Textes in der
originalen Schreibweise des Konzeptbuches.
Epimicion
Quo Divo Martyri Laurentio
Urbis et Gymnadis Patrono
applauditur
Pretiosa in Conspectu Domini Mors sanctorum ejus
Theuer ist fur dem angesicht des herren
der todt seiner Heiligen.
Psalmo 115
Verzückter geist, verliehres du dich?
Was reisst dich aus der Sinnen Schrancken
Wie? höre ichs? oder fehle ich?
Am schwung der taumelnden gedanken?
Wer sagts mir, welch gelinder welt
Den schall mir in die Ohren läst
Die fast in lauter freuden schwimmen?
Ich fehle nicht ich merckt es schon
die thugent giebt den freuden tohn
Um neue Lob Spruch anzustimmen
Schau dan, du grosser schutz Patron
Von den gesternten Sions höhen
Auf uns, die wir jetz längsten schon
In gröster furcht und schrecken stehen!
Hör an das kläglich wee und ach
und kehre ab das ungemach
So uns von allen zeiten schrecket.
Dein lob soll bey uns blüent seyn
bis das ein schwerer leichenstein
Uns in der finsteren grufft bedecket.