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Gymnasium Laurentianum
[  Xanten  ]
 

Colonia Ulpia Traiana
Archäologischer Park Xanten


Bereits um 100 n. Chr. gründeten die Römer unter Kaiser Traian die Zivilstadt "Colonia Ulpia Traiana" CUT, damals noch direkt am Rhein gelegen. Die CUT war hinsichtlich Konzeption und Struktur ein typisches Beispiel römischer Stadtkultur: geplante Straßenverläufe wie heute z.B. in New York, Wasserversorgung und Abwassersystem, Handwerkerhäuser, herrschaftliche Wohnhäuser, Forum, Tempel, öffentliche Bäder, Amphitheater und Hafenanlagen. Die Einwohner waren Kaufleute, Handwerker, Künstler, Beamte, die meisten mit ihren Familien. Sie verfügten über alle Annehmlichkeiten und den Luxus römischer Lebensweise. Nach der "Colonia Claudia Ara Agrippinensium", dem heutigen Köln, war die CUT die zweitgrößte Stadt der Provinz Niedergermanien mit 10.000 bis 15.000 Einwohnern, einer damals ganz erheblichen Zahl. Der Rhein war ein wichtiger und bequemer Transportweg und dementsprechend war die CUT als Binnenhafen ein wichtiger Umschlagplatz.


CUT, vereinfachte grafische Rekonstruktion

Gut 400 Jahre hatten die Römer Germanien links des Rheins und südlich der Donau besetzt. Das Gebiet rechts des Rheines mußten sie nach der verlorenen Varusschlacht 9 n. Chr. aufgeben. Doch Relikte ihrer Kultur brachten die Archäologen ans Licht, u. a. in den Legionslagern längs der Lippe bei Haltern, Oberaden, Anreppen und Castra Vetera bei Xanten. Die Zivilstadt CUT wurde besonders zur Fundgrube für die Archäologen, weil die Colonia als einzige römische Stadt nördlich der Alpen nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches kaum überbaut wurde. Ihre Fundamente blieben unter Wiesen und Äckern erhalten. Die Kanalisation, die Gemeinschaftseinrichtungen, die ganze Infrastruktur ging verloren. Die Steine der Bauten wurden für die mittelalterliche Stadt Xanten verwendet. Aber der Standard der römischen CUT konnte für Jahrhunderte nicht mehr erreicht werden. Um 450 eroberten die Franken Niedergermanien und die römische Kultur in diesem Raum ging unter.

Das Gebiet der CUT steht heute nicht nur Archäologen offen, sondern jedem Interessierten. Seit 1977 werden die Ausgrabungsergebnisse im Archäologischen Park Xanten APX der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Rund die Hälfte der einst 85 ha großen CUT bildet heute den APX. Rekonstruktionen verschiedener Bauten im Maßstab 1:1 auf den Originalfundamenten vermitteln dem Besucher ein anschauliches Bild römischen Lebens. So kann man im Park wieder den römischen Straßen folgen, die Akustik im teilweise wiedererrichteten Amphitheater testen, einen Eindruck gewinnen von der Monumentalität römischer Tempelarchitektur und dem hohen Standard römischer Badekultur.


     
APX: Hafentempel, Hafentempel Detail, Amphitheater und Kran
 
       
APX: Amphitheater, Kaiser Trajan, Nordtor
 

Wissenswertes über die Stadt und den Alltag der Römer erfährt der Besucher in einer Ausstellung mit Informationstafeln und Modellen im Seitenflügel der Hafenherberge. Eine besondere Attraktion bietet ein kleines Haus in der Südecke des Parks: hier kann man antike Gesellschafts- und Geschicklichkeitsspiele spielen. In der Herberge am Hafentor können römische Spezialitäten verkostet werden.

    Xanten
    Archäologischer  Park  APX
    Wardter Str. 2  
    Tel.:  02801/2999
    Öffnungszeiten:   tägl. 9-18 Uhr
                      1.-28.12. tägl. 10-16 Uhr

    Radwanderweg Römerroute von Xanten nach Detmold

 

Xanten - Daten aus der Stadtgeschichte


um 15 v. Chr.   Gründung des römischen Militärlagers Castra Vetera I auf dem Fürstenberg nördlich von Birten. Von diesem Lager gingen die Vorstöße längs der Lippe ins Innere Germaniens aus.
70 n. Chr. Castra Vetera I wird während des Bataver-Aufstandes zerstört. Die Legionäre bauen ein neues Lager - Castra Vetera II - im Bereich der Bislicher Insel. Zur gleichen Zeit entsteht nordwestlich davon an der parallel zum Limes verlaufenden Römerstraße eine Siedlung.
um 105 Kaiser Marcus Ulpius Traianus - Trajan - verleiht diesem Ort die Stadtrechte. Colonia Ulpia Traiana (CUT) entwickelt sich nach Köln, der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, zum zweitwichtigsten Handelsplatz und Hafen der Provinz Niedergermanien.
275 Germanische Angriffe aus dem rechtsrheinischen Gebiet häufen sich. Die CUT wird eingenommen.
Anfang 4. Jh.  Die Römer erobern die Stadt zurück und umgeben das Zentrum - Kapitol, Forum sowie einige Baublöcke - mit einer Befestigungsanlage. Auf einem wesentlich verkleinerten Gelände entwickelt sich noch einmal römische Stadtkultur. Vor dem Südtor der CUT werden auf den römischen Gräberfeldern zunehmend Christen bestattet. Über einem Märtyrergrab bauen Anhänger der neuen Religion eine kleine Gedächtniskapelle; damit ist der Anfang für eine Folge neuer Kirchenbauten gemacht, die in den nächsten Jahrhunderten an diesem Standort zu Ehren des hl. Viktor errichtet werden.
Mitte 4. Jh. Es ist die Zeit der "Völkerwanderung". Die Bedrohung der Stadt hat stark zugenommen, so dass die Römer die CUT allmählich aufgeben. Die Verwaltung und die Legion XXX werden abgezogen, der Verfall des Ortes beschleunigt sich. Nach dem Nibelungenlied wird Siegfried in den Ruinen des Kapitols - jetzt Alte Burg genannt - geboren und verbringt seine Kindheit dort.
ab dem5. Jh. Die Franken siedeln sich in diesem Raum an. Sie erichten Bauernhöfe, erschließen und kultivieren das Land, doch die städtische Tradition setzen sie nicht fort.
Mitte 8. Jh. Um die Viktorkirche wird ein Stift angelegt, dessen Name auf die ersten Märtyrer verweist: "ad sanctos" - "bei den Heiligen" - Der Name Xanten geht hierauf zurück. Die mittelalterliche und heutige Stadt Xanten entwickelt sich jetzt südlich der alten CUT. Die CUT verfällt und wird als Steinbruch benutzt.
1975 Im Rahmen des Nordrhein-Westfalen-Programms wird unter anderem annähernd die Hälfte des antiken Stadtgebietes der CUT als Archäologischen Parks Xanten (APX) ausgebaut. Hier wurden auf römischen Fundamenten einige Gebäude teilweise rekonstruiert.


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