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Gymnasium Laurentianum
[  Ergänzung zu Fabeln:  Aesop, Luther, Lessing  ]
 


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Fabel Aesop Phaedrus Luther Lessing  
Maus und Frosch            
Rabe und Fuchs
Vulpes et Corvus
            
Wolf und Schaf
Lupus et Agnus
             
Hund im Wasser
Canis per Fluvium Carnem Ferens
           
Stadtmaus und Feldmaus           
Die Wasserschlange
Ranae Regem Petierunt
           

Heinrich Steinhöwel    Aesop in Delphi (Text zu Aesop)   
Martin Luther    Über die Fabel (Luther zu Fabeln)   
zu Dr. Martin Luther    Kurzbiographie (mit einigen Bildern)   
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Holzschnitte von Joh. Zainer, Augsburg, 1475, aus "Alte deutsche Tierfabeln", Eugen Diederichs, Jena, 1926


De vulpe et uva, Phaedrus IV,3, Holzschnitt aus der Ulmer Äsop-Ausgabe von 1476




Aesop in Delphi

mit

Aesops Fabel von Maus und Frosch

Heinrich Steinhöwel

Als Aesop einmal durch Griechenland zog und überall durch seine Fabeln seine Weisheit zeigte, erwarb er sich den Ruf, ein sehr weiser Mann zu sein.

Zuletzt kam er nach Delphi, der angesehenen Stadt und dem Sitz der obersten Priesterschaft. Dort folgten ihm viele Menschen, weil sie ihm zuhören wollten; von den Priestern aber wurde er nicht ehrenvoll empfangen. Da sagte Aesop: "Ihr Männer von Delphi, ihr seid wie das Holz, das von dem Meer an den Strand geschwemmt wird. Solange es fern ist, scheint es groß zu sein, wenn es aber nahe herangekommen ist, dann sieht man, dass es in Wirklichkeit klein ist. So ging es auch mir mit euch. Solange ich noch weit von eurer Stadt entfernt war, dachte ich, dass ihr die Vornehmsten von allen wäret, jetzt aber, in eurer Nähe, erkenne ich, dass ihr nicht viel taugt."

Als die Priester solche Reden hörten, sagten sie zueinander: "Dieser Mann hat in anderen Städten eine große Anhängerschaft. Es könnte sein, dass unter solcher üblen Nachrede unser Ansehen leidet oder dass wir es sogar ganz verlieren. Wir müssen also auf unserer Hut sein!

Da beratschlagten sie, auf welche Weise sie ihn unter dem Vorwande, er sei ein böser Kirchenräuber, töten könnten; denn sie wagten es wegen des Volkes nicht, ihn (ohne einsichtigen Grund) öffentlich töten zu lassen.

So ließen sie aufpassen, bis der Knecht Aesops die Sachen seines Herrn für die Abreise zusammenpackte. Da nahmen sie eine goldene Schale aus dem Tempel des Apoll und versteckten sie heimlich im Reisegepäck Aesops.

Aesop wußte von all den hinterhältigen Machenschaften nichts, die gegen ihn im Gange waren, und als er nach Phokis zog, eilten die Priester ihm nach und nahmen ihn mit großem Geschrei gefangen. Und als Aesop sie fragte, warum sie ihn gefangen nähmen, schrien sie: "Du unanständiger Mensch, du Verbrecher! Warum hast du den Tempel des Apoll beraubt?"

Als Aesop vor allen leugnete und sich über diese Beschuldigung entrüstete, öffneten die Priester sein Bündel und fanden die goldene Schale. Die zeigten sie jedem einzelnen und führten Aesop wie einen Kirchenräuber ungestüm und unter großem Tumult ins Gefängnis.

Aesop wußte auch da noch nichts von all den hinterhältigen Anschlägen, die man gegen ihn ins Werk gesetzt hatte, und bat, man möge ihn freilassen. Sie aber bewachten ihn daraufhin nur noch schärfer, [...] verurteilten ihn öffentlich, weil er sich des Kirchenraubs schuldig gemacht habe, und führten ihn aus dem Gefängnis, um ihn von einem Felsen hinabzustoßen.

Als Aesop das merkte, sprach er zu ihnen:

Zu der Zeit, als die unvernünftigen Tiere noch in Frieden miteinander lebten, gewann eine Maus einen Frosch lieb und lud ihn zum Nachtmahl ein. Sie gingen miteinander in die Speisekammer eines reichen Mannes, in der sie Brot, Honig, Feigen und mancherlei leckere Sachen fanden. Da sprach die Maus zum Frosch: "Nun iß von diesen Speisen, welche dir am besten schmecken!" Als sie sich nach Herzenslust satt gefressen hatten, sprach der Frosch zu der Maus: "Nun sollst du auch meine Speisen versuchen. Komm mir mir! Weil du aber nicht schwimmen kannst, will ich deinen Fuß an meinen binden, damit dir kein Leid geschieht." Als er aber die Füße zusammengebunden hatte, sprang der Frosch ins Wasser und zog die Maus mit sich hinab. Als die Maus merkte, dass sie sterben mußte, begann sie zu schreien und klagte: "Ich werde ohne Schuld das Opfer gemeiner Hinterlist. Aber von denen, die am Leben bleiben, wird einer kommen, der meinen Tod rächt."

Während sie das sagte, kam ein Habicht heran, ergriff die Maus und den Frosch und fraß sie beide.


So werde ich ohne Schuld von euch getötet, und ihr werdet um der Gerechtigkeit willen dafür bestraft, wenn Babylon und Griechenland über das Verbrechen reden werden, das ihr an mir begeht.

Obwohl die Priester das hörten, ließen sie ihn nicht los, sondern führten ihn an die Stelle, wo er sterben sollte.





Vom Frosch und der Maus

Martin Luther

Eine Maus wäre gerne über einem Wasser gewesen und konnte nicht und bat einen Frosch um Hilfe. Der Frosch war ein Schalk und sprach zur Maus: "Binde deinen Fuß an meinen Fuß, so will ich schwimmen und dich hinüberziehen."

Da sie aber auf das Wasser kamen, tauchte der Frosch hinunter und wollte die Maus ertränken. Indem aber die Maus sich wehrt und arbeitet, fliegt eine Weihe daher und erhascht die Maus, zieht den Frosch auch mit heraus und frißt sie beide.





Vom Raben und Fuchs

Martin Luther

Ein Rab hatte einen Käse gestohlen und setzte sich auf einen hohen Baum und wollte zehren; als er aber seiner Art nach nicht schweigen kann, wenn er isset, höret ihn ein Fuchs über dem Käse kecken und lief zu und sprach: "O Rab, nun hab ich mein Lebtag nicht schönern Vogel gesehen von Federn und Gestalt, denn du bist. Und wenn du auch so eine schöne Stimme hättest zu singen, so sollt man dich zum König krönen über alle Vögel."

Den Raben kitzelte solch Lob und Schmeicheln; fing an, wollt seinen schönen Gesanghören lassen, und als er den Schnabel auftut, entfiel ihm der Käse; den nahm der Fuchs behend, fraß ihn und lachet des törichten Rabens.

Hüt dich, wenn der Fuchs lobt den Raben,
Hüt dich für Schmeichlern, so schinden und schaben!





Phaedrus I,13: Vulpes et Corvus

lateinischer Text



Rabe und Fuchs Rabe und Fuchs, vulpes et corvus, Phaedrus I, 13, Stich von 1838
Holzschnitt von Joh. Zainer, Augsburg, 1475, aus "Alte deutsche Tierfabeln", Eugen Diederichs, Jena, 1926 Rabe und Fuchs, vulpes et corvus, Phaedrus I, 13, Stich von 1838




Vom wolff und lemlin

Martin Luther

Ein wolff und lemlin kamen on geferd
beide an einen bach zu trincken
Der wolff tranck oben am bach
Das lemlin aber
fern unden Da der wolff des lemlins gewar ward
lieff er zu yhm
und sprach
Warumb truebestu mir das wasser das ich nicht trincken kan
Das lemlin antwortet wie kan ich dirs wasser truben
trinckestu doch ober mir
und mochtest es mir wol truben Der Wolff sprach
Wie? fluchestu mir noch dazu? Das lemlin antwortet
Ich fluche dir nicht. Der wolff sprach
ja Dein Vater thet mir fur sechs monden auch ein solchs
du wilt dich Vetern Das lemblin antwortet
Bin ich doch dazu mal nicht geborn gewest
wie sol ich meins Vaters entgelten? Der Wolff sprach
So hastu mir aber
meine wisen und ecker abgenaget und verderbet
Das lemlin antwortet / Wie ist das muglich
hab ich doch noch keine zeene? Ey sprach der wolff
Und wenn du gleichviel ausreden und schwetzen kanst
wil ich dennoch, heint nicht ungefressen bleiben
Und wurget also das unschuldige lemlin und fras es.

Lere
Der wellt lauff ist
Wer frum sein wil
der mus leiden
solt man eine sache vom alten zaun brechen
Denn Gewalt gehet fur Recht
Wenn man dem hunde zu wil
so hat er das ledder gefressen
Wenn der wolff will
so ist das lamb unrecht.





Phaedrus I,1: Lupus et agnus

lateinischer Text



Wolf und Lamm Wolf und Schaf
Holzschnitt von Joh. Zainer, Augsburg, 1475, aus "Alte deutsche Tierfabeln", Eugen Diederichs, Jena, 1926 Wolf und Schaf, Phaedrus I,1




Der Wolf und das Schaf

G. E. Lessing: Der Wolf und das Schaf

Der Durst trieb ein Schaf an den Fluß; eine gleiche Ursache führte auf der andern Seite einen Wolf herzu. Durch die Drennung des Wassers gesichert und durch die Sicherheit höhnisch gemacht, rief das Schaf dem Räuber hinüber: "Ich mache dir doch das Wasser nicht trübe, Herr Wolf? Sieh mich recht an; habe ich dir nicht etwa vor sechs Wochen nachgeschimpft? Wenigstens wird es mein Vater gewesen sein." Der Wolf verstand die Spötterei; er betrachtete die Breite des Flusses und knirschte mit den Zähnen. "Es ist dein Glück", antwortete er, "daß wir Wölfe gewohnt sind, mit euch Schafen Geduld zu haben", und ging mit stolzen Schritten weiter.





Der Hund im Wasser

Martin Luther

Es lief ein Hund durch einen Strom und hatte ein Stück Fleisch im Maul; als er aber das Spiegelbild vom Fleisch im Wasser sah, dachte er, es wäre auch Fleisch, und schnappte gierig danach. Als er aber das Maul auftat, entfiel ihm das Stück Fleisch, und das Wasser trug es weg; also verlor er beides: das Fleisch und das Spiegelbild.





Phaedrus I,4: Canis per Fluvium Carnem Ferens

lateinischer Text






Von der Stadtmaus und der Feldmaus

Martin Luther

Eine Stadtmaus ging spazieren und kam zu einer Feldmaus. Die tat sich gütlich an Eicheln, Gersten, Nüssen und woran sie konnte.

Aber die Stadtmaus sprach: "Was willst du hier in Armut leben! Komm mit mir, ich will dir und mir genug schaffen von allerlei köstlicher Speise."

Die Feldmaus zog mit ihr hin in ein herrlich schönes Haus, darin die Stadtmaus wohnte, und sie gingen in die Kammern, die voll waren von Fleisch, Speck, Würsten, Brot, Käse und allem. Da sprach die Stadtmaus: "Nun iß und sei guter Dinge. Solcher Speise habe ich täglich im Überfluß."

Da kam der Kellner und rumpelte mit den Schlüsseln an der Tür. Die Mäuse erschraken und liefen davon. Die Stadtmaus fand bald ihr Loch, aber die Feldmaus wußte nirgends hin, lief die Wand auf und ab und gab schon ihr Leben verloren.

Da der Kellner wieder hinaus war, sprach die Stadtmaus: "Es hat nun keine Not, laß uns guter Dinge sein."

Die Feldmaus antwortete: "Du hast gut reden, du wußtest dein Loch fein zu treffen, derweil bin ich schier vor Angst gestorben. Ich will dir sagen, was meine Meinung ist: bleib du eine Stadtmaus und friß Würste und Speck, ich will ein armes Feldmäuslein bleiben und meine Eicheln essen. Du bist keinen Augenblick sicher vor dem Kellner, vor den Katzen, vor so vielen Mäusefallen, und das ganze Haus ist dir feind. Von alldem bin ich frei und bin sicher in meinem armen Feldlöchlein."

Wer reich ist, hat viel Sorge.





Die Wasserschlange

G.E.Lessing

Zeus hatte nunmehr den Fröschen einen andern König gegeben; anstatt eines friedlichen Klotzes eine gefräßige Wasserschlange.
"Willst du unser König sein?", schrien die Frösche, "warum verschlingst du uns?" - "Darum", antwortete die Schlange, "weil ihr um mich gebeten habt." -
"Ich habe nicht um dich gebeten!" rief einer von den Fröschen, den sie schon mit den Augen verschlang. - "Nicht?" sagte die Wasserschlange. "Desto schlimmer! So muß ich dich verschlingen, weil du nicht um mich gebeten hast."





Phaedrus I,2: Ranae Regem Petierunt

lateinischer Text



 

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