Home | Schule | Suche | Arbeitsgemeinsch. | Astronomie
[Anfang] [1. Der Gregorianische Kalender] [2. Das Jahr 2000]
[3. Geschichte der Zeitrechnung] [4. Namen der Tage und Monate]
[5. Zeitrechnung anderer Kulturen] [6. Literatur] [Textende]




Astronomie am Laurentianum

[  Zum Kalender ]



Gesetzmäßigkeiten, Entstehung und Geschichte
unserer Zeitrechnung

Siegfried Knepper





Römischer Kalenderstein im Museum Würzburg
Römischer Kalenderstein im Museum Würzburg



[Anfang] [1. Der Gregorianische Kalender] [2. Das Jahr 2000]
[3. Geschichte der Zeitrechnung] [4. Namen der Tage und Monate]
[5. Zeitrechnung anderer Kulturen] [6. Literatur] [Textende]



1. Der Gregorianische Kalender



Ein Kalender (lat. calendae: erster Tag des Monats) ist ein System, durch das der Anfang und die Länge eines Jahres sowie die Einteilung in der zeitlichen Folge geregelt werden. Dem heute an der Schwelle zum dritten Jahrtausend international in Handel, Verkehr und Wissenschaft verankerten Gregorianischen Kalender liegt aus astronomischer Sicht ein tropisches Sonnenjahr zu Grunde. Hierbei ist das tropische Sonnenjahr die Zeit, die die Erde braucht, um bei ihrem Umlauf um die Sonne den Punkt der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche – Frühlingsbeginn – (Frühlingsäquinox, Frühlingspunkt) zweimal zu passieren. Der Name nimmt Bezug auf den Wechsel der Jahreszeiten (gr. tropai: Kehre), der in diesem Sonnenjahr zeitlich fest bleibt. Aus diesem Grunde ist das tropische Jahr für das Kalenderwesen von großer Bedeutung. Leicht wäre es, einen Kalender aufzustellen, wenn diese Zeitspanne ein ganzzahliges Vielfaches der Dauer eines Tages wäre. Tatsächlich fallen aber im Mittel in das tropische Jahr 365,2422 Tage (genauer Wert 365,242199 Tage). Der seit dem Jahre 45 v.Chr. von Julius Caesar eingeführte und nach ihm benannte Julianische Kalender enthielt bereits die noch heute gültigen Regelungen:

  1. Der Jahresbeginn wird auf den 1. Januar festgelegt.
     
  2. Die Jahreslänge wird dem scheinbaren Sonnenlauf angeglichen. Jedes Jahr hat 365 Tage (Gemeinjahr). In jedem vierten Jahr (Schaltjahr) wird ein Schalttag eingeschoben.
     
  3. Der Schalttag wird im Februar eingeschoben. Damit hat der Februar jedes vierte Jahr 29 statt 28 Tage.
     

Auf die römische Tradition gehen auch die Aufteilung der Tage auf die einzelnen Monate und die Monatsnamen zurück. Ein Jahr im Julianischen Kalender hatte die Länge 365,25 Tage, in die 100-jährige Periode fielen also 36525 Tage. Somit war das Julianische Jahr um 0,0078 Tage oder 11 min und 14 s länger als ein tropisches Jahr. Der Frühlingsbeginn trat also in jedem Jahr 11 min und 14 s früher ein als durch den Julianischen Kalender angegeben. Diese zunächst kaum merkbare Differenz summierte sich im Laufe von 128 Jahren zu einem vollen Tag. Im 16. Jahrhundert war diese Differenz bereits auf knapp 12 Tage angewachsen. Die Bestimmung des Ostertermins in der katholischen Kirche, auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn festgelegt, wurde schwierig, da astronomischer und kalendarischer Frühlingsbeginn zunehmend differierten.


Papst Gregor XIII.
Papst Gregor XIII.


Titelblatt der päpstlichen Bulle von 1582
Titelblatt der päpstlichen Bulle "Inter gravissimas", mit der die Kalenderreform von Papst Gregor XIII. angeordnet wurde.
(Anklicken für eine Vergrößerung)

Papst Gregor XIII., der von 1572 bis 1582 regierte, ordnete deshalb auf Grund eines Beschlusses vom Konzil von Trient in einer päpstlichen Bulle, die er am 24. Februar 1582 bekannt gab, die noch heute gültige Reform des Julianischen Kalenders an. Es wurden folgende Regelungen zusätzlich festgelegt:

  1. Um die bis dahin aufgelaufene Differenz zwischen astronomischem und kalendarischem Frühlingsbeginn zu beseitigen, sind zehn Tage aus dem Kalender zu streichen. Auf Donnerstag, den 4. Oktober, hat unmittelbar Freitag, der 15. Oktober 1582 zu folgen.
     
  2. Damit es nicht wieder zu Abweichungen vom Sonnenlauf komme, sind die Säkularjahre (volle Jahrhunderte wie 1700, 1800, 1900) Gemeinjahre zu 365 Tagen und keine Schaltjahre, es sei denn, sie sind ohne Rest durch 400 teilbar. Damit sind die Jahre 1600, 2000 und 2400 Schaltjahre mit 366 Tagen.
     
  3. Die Osterregelung wird neu definiert.
     

Der reformierte, nach Papst Gregor XIII. benannte Gregorianische Kalender hat somit eine 400-jährige Periode. Die Länge eines Gregorianischen Jahres ergibt danach

(365*400+97):400 = 365,2425 Tage.

Es ist also nur 0,0003 Tage oder knapp 26 Sekunden länger als ein tropisches Jahr. Erst nach 3300 Jahren wird demnach eine Differenz von einem Tag zwischen dem tropischen und dem Gregorianischen Kalender auftreten. Man sieht, diese neue Schaltregelung ist fast perfekt, denn zumindest für die nächsten dreitausend Jahre ist bezüglich des Sonnenlaufes keine weitere Korrektur oder Reform des Gregorianischen Kalenders erforderlich.

Der Zeitpunkt für den Frühlingsbeginn, von ursprünglich 24. März bereits bis auf den 11. März vorgerückt, lag mit Einführung dieser Reform auf dem 21. März. Nach dem Julianischen Kalender waren die Säkularjahre 1700, 1800 und 1900 Schaltjahre, nicht jedoch nach dem Gregorianischen. Deshalb ist inzwischen die Differenz zwischen beiden Kalendern auf 13 Tage angewachsen.




[Anfang] [1. Der Gregorianische Kalender] [2. Das Jahr 2000]
[3. Geschichte der Zeitrechnung] [4. Namen der Tage und Monate]
[5. Zeitrechnung anderer Kulturen] [6. Literatur] [Textende]



2. Das Jahr 2000



Das Jahr 2000 übt auf viele Zeitgenossen eine besondere Faszination aus. Der Jahreswechsel von 1999 auf 2000 soll groß gefeiert werden. Manche Zeitgenossen meinen sogar, ein neues Jahrtausend bräche an. Doch das zweite Jahrtausend unserer Zeitrechnung ist erst am 31. Dezember 2000 zu Ende, das dritte Jahrtausend beginnt daher erst am 1. Januar 2001. Der Grund dafür liegt in der Festlegung des Anfangspunktes unserer Zeitrechnung.

Im altrömischen Reich hatte man allgemein nach Jahren der Erbauung Roms gerechnet. Erst zu Anfang des 6. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung erhielt Dionysius Exiguus vom Papst den Auftrag, eine christliche Zeitrechnung auszuarbeiten, die ihren Anfangspunkt im Geburtsjahr Christi haben sollte. Da die Völker in alter Zeit keine Vorstellung von einer Null hatten – es gibt z.B. keine römische Ziffer für die Null – begann die Zeitrechnung nicht mit dem Jahr null, sondern mit dem Jahr eins. Das zweite Jahrtausend begann demnach mit dem Jahr 1001 und das dritte wird mit dem Jahr 2001 beginnen. Ob Dionysius Exiguus seinerzeit das Jahr der Geburt Christi richtig bestimmte, ist mehr als zweifelhaft. Heute weis man, dass König Herodes im Jahre 4 v.Chr. starb. Da Jesus zu diesem Zeitpunkt nach biblischen Berichten vermutlich bereits ein Alter von ca. 3 Jahren hatte, muss der Zeitpunkt der Geburt des Heilands einige Jahre früher gelegen haben. Man nimmt heute dafür das Jahr 7 vor unserer Zeitrechnung an.

Trotzdem stellt das Jahr 2000 in unserem Kalendersystem eine Besonderheit dar. Es ist nämlich das letzte Jahr der ersten vollen 400-jährigen Periode des Gregorianischen Kalenders. Während die ersten 3 vollen Jahrhunderte (1700, 1800 und 1900) dieser Periode keine Schaltjahre waren, ist nun dieses 4 Säkularjahr wie vorher nur das Jahr 1600 ein Schaltjahr mit 366 Tagen. Mit dem Jahr 2001 beginnt dann die zweite volle Periode des Gregorianischen Kalenders.

Die Faszination der Zahl 2000 wird in vielen Ländern der Erde, in denen sich die christliche Zeitrechnung etabliert hat, zum Anlass für große Feiern und weltumspannende Aktivitäten genommen. Astrologen und Esoteriker treten mit Horrorvisionen auf den Plan und Weltuntergangsprediger haben Hochkonjunktur. Kulturen, die eine andere Zeitrechnung und somit einen anderer Anfangspunkt ihrer Chronologie besitzen, wird diese Faszination nicht zuteil oder man sollte besser sagen, sie bleibt ihnen erspart. Die Zählung im jüdischen Kalender beginnt beispielsweise mit der Erschaffung der Welt, 3761 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung, die islamische Zeitrechnung nimmt dagegen ihren Anfang mit Mohammeds Auswanderung (Hidjra) nach Medina im Jahre 622 n.Chr.




[Anfang] [1. Der Gregorianische Kalender] [2. Das Jahr 2000]
[3. Geschichte der Zeitrechnung] [4. Namen der Tage und Monate]
[5. Zeitrechnung anderer Kulturen] [6. Literatur] [Textende]



3. Geschichte der Zeitrechnung



Einer der frühesten mit der Untersuchung der Bewegung der Himmelskörper verbundenen Zwecke war, ein bequemes und sicheres Maß der Zeit zu finden. Drei natürliche Zeitmaße, die auf periodische astronomische Vorgänge bezug nehmen, bestimmen auch heute noch unseren Lebensrhythmus und werden im Kalender miteinander verknüpft:

  1. das Jahr (a) - die Umlaufzeit der Erde um die Sonne
     
  2. der Monat (m) - die Umlaufzeit des Mondes um die Erde
     
  3. der Tag (d) - die Dauer des mittleren Sonnentages
     

Die Woche ist keine Einteilung, die dieser Kategorie zuzuordnen ist, da sie keinem astronomischen Zyklus entspricht. Die älteste Astronomie diente also der Chronologie.

Man konnte aus dem Alter der Tierkreiszeichen und anderer sinnbildlicher, auf Astronomie bezogener, Darstellungen, die das ägyptische Altertum überliefert hat, auf eine 12000- bis 16000-jährige Geschichte der Sternkunde schließen. Am berühmtesten ist in dieser Beziehung der Tierkreis von Denderah, den man mit großem Aufwand aus den inneren Wänden des alten Tempels, auf denen er sich befand, abgelöst und nach Frankreich gebracht hat. Hier erscheint nämlich der Steinbock als dasjenige Sternbild, in dem die Sonne am höchsten steht, während es jetzt nur wenig von dem Ort, wo die Sonne ihren tiefsten Stand hat, gefunden wird. Geht man von einer 28 000 Jahre dauernden Periode aus, in der dieser Punkt einmal durch den ganzen Tierkreis wandert, erscheint das oben genannte Alter der Chronologie realistisch.

Von den drei natürlichen Zeiteinteilungen ist der Tag die auffallendste und ausgeprägteste. Der Wechsel von Tag und Nacht tritt überall, abgesehen von Regionen in der Nähe der Pole, so regelmäßig und gleichförmig auf, dass dadurch zu allen Zeiten eine unzweideutige Einheit des Zeitmaßes gegeben war. Für rein chronologische Zwecke hätte der Tag als einzige theoretisch notwendige Zeiteinheit dienen können; und wenn man zu irgendeiner Zeit begonnen hätte, die Tage, von 1 angefangen, fortlaufend zu zählen und jedes geschichtliche Ereignis durch die entsprechende Tageszahl zu bezeichnen, so würden in der Tat weit weniger Unsicherheiten über manche Daten herrschen, als es jetzt der Fall ist. Aber die Rechnung mit so großen, im Laufe der Jahrhunderte sich anhäufenden Zahlen, wäre sehr unbequem und wenig anschaulich gewesen und ist deshalb niemals außerhalb der Astronomie in der Zeitrechnung angewandt worden.

Nächst dem Tag ist das Jahr durch die regelmäßige Wiederkehr der Jahreszeiten der bestimmteste und auffallendste Zeitabschnitt. Der Verlauf der Wettererscheinungen, der Gang des pflanzlichen, tierischen und auch menschlichen Lebens und somit alle mit dem Ackerbau einhergehenden Tätigkeiten sind so eng mit dem Wechsel der Jahreszeiten verbunden, dass man davon ausgehen kann, dass der Mensch das Jahr, lange bevor die Ursachen für diese periodischen Vorgänge vollauf erkannt waren, als einfachstes Maß für die Zeitrechnung benutzt haben muss. Bei seiner längeren Dauer entsprach das Jahr am besten dem Zweck, größere Zeitintervalle zu messen. Die alten Ägypter müssen sehr früh auf die Länge eines Sonnenjahres, also eines Umlaufes der Erde um die Sonne, gekommen sein. Für sie war es lebensnotwendig, die jährlich zum selben Zeitpunkt wiederkehrenden Nilüberschwemmungen möglichst genau zu bestimmen, da der Ernteertrag unmittelbar von der Nilüberflutung abhing. Die Pharaonen verließen sich dabei ganz auf ihre Priesterastronomen. Diese bestimmten die Länge eines Sonnenjahres zu 365 Tagen. In dieser Zeit legt die Sonne scheinbar einen vollen Kreis am Firmament zurück.

Die Bestimmung dieses Zeitintervalls ist jedoch nicht ganz einfach; denn immer wenn die Sonne am Himmel steht, kann man die Sterne nicht sehen, es sei denn, eine der extrem seltenen totalen Sonnenfinsternisse tritt ein. Doch die alten Ägypter wussten sich zu helfen. Sie beobachteten , wann ein heller Fixstern in der Morgendämmerung wieder zum ersten Mal sichtbar wurde. Denn durch ihre scheinbare Wanderung im Laufe eines Jahres unter den Sternen nach Osten gibt die Sonne nach und nach das Sternareal, das sie am Taghimmel mit ihrer großen Helligkeit überstrahlt, wieder frei. Die Sterne tauchen dann am Morgenhimmel im Osten, kurz bevor die Sonne aufgeht, erstmals wieder auf. Man spricht dabei vom sogenannten "heliakischen Aufgang" eines Sterns. Am ehesten sind dabei die hellen Fixsterne zu beobachten. Der hellste Fixstern des Himmels ist Sirius im Sternbild "Großer Hund". In den Sommermonaten taucht er am Morgenhimmel erstmals auf, im Winter ist er Abendstern und im Frühjahr steht er gleichzeitig mit der Sonnen am Himmel und bleibt somit unbeobachtbar. Bei den alten Ägyptern verkörperte Sirius die Gottheit Sothis. Sie beobachteten, wann sich Sothis erstmals aus den Strahlen des Sonnengottes Ra befreien konnte.

Der heliakische Aufgang des Sothis markierte den Beginn des ägyptischen Sonnenjahres. Es hatte 365 Tage und wurde in zwölf exakt gleich lange Monate von dreißig Tagen unterteilt. Dies ergibt 360 Tage, an die noch fünf Tage angehängt wurden. Diese Zusatztage hießen Epagomenen. Allerdings tat sich dabei ein Problem auf: Die Sonne benötigt rund 6 Stunden, also einen Vierteltag länger als 365 Tage, um wieder am gleichen Stern vorbeizuziehen. Ein sogenanntes siderisches Jahr (lat. sidus: das Gestirn) dauert also etwa 365,25 Tage (genauer heute bekannter Wert: 365,2563578 Tage). Somit verspätete sich der heliakische Aufgang des Sothis alle vier Jahre um einen Tag. Im Laufe der Zeit wanderte der ägyptische Jahresbeginn entsprechend durch alle Jahreszeiten, und die Nilüberschwemmungen erfolgten in diesem ägyptischen Wanderjahr immer zu einem anderen Datum. Die Priesterastronomen errechneten jeweils die entsprechenden Daten und teilten sie dem Pharao mit – eine wichtige und angesehene Tätigkeit, die mit hohem Einfluss; und materieller Sicherheit belohnt wurde. Nach 4 mal 365 Jahren, also nach 1460 siderischen Jahren, bzw. 1461 ägyptischen Wanderjahren, fiel der heliakische Sothisaufgang wieder auf das gleiche Datum im ägyptischen Jahr, also beispielsweise auf den Jahresbeginn, den 1. Thoth. Den Zeitraum von 1460 siderischen Jahren nennt man deshalb Sothis-Periode. Um den Jahresanfang ein für allemal auf den heliakischen Sothisaufgang festzulegen und damit auch alle anderen jahreszeitlich bedingten Erscheinungen einschließlich der Nilüberflutung, ordnete König Ptolemäus III., auch Euergetes genannt, in dem berühmten Edikt von Kanopus im Jahre 238 v. Chr. an, dass alle vier Jahre statt der üblichen fünf Epagomenen derer sechs das Jahr beschließen sollten. Jedes vierte Jahr hatte somit 366 statt 365 Tage.

Diese Regel stieß zunächst auf den erbitterten Widerstand der Priesterschaft, da sie ihre Vormachtstellung bedroht sahen. Das "Herrschaftswissen" über die genaue Zeit der Nilüberschwemmung war überflüssig geworden; denn der Nil schwoll fortan immer zum gleichen Datum im neuen ägyptischen Sonnenjahr an. Ebenso fielen viele weitere Termine von da an auf das gleiche Datum.

Diesen mit dem Lauf der Sonne recht gut im Einklang stehenden ägyptischen Kalender mit jeweils drei Jahren zu 365 und einem vierten Jahr mit 366 Tagen soll der römische Feldherr Gaius Julius Caesar kennen gelernt haben, als er seine Geliebte Kleopatra, die Königin von Ägypten, besuchte. Als oberster Priester (pontifex maximus) gehörte es auch zu den Aufgaben Caesars, den römischen Kalender, bis dahin wohl einer der schlechtesten, den ein Kulturvolk ersinnen konnte, wieder in Ordnung zu bringen. Ursprünglich als reiner Mondkalender konzipiert, war die römische Zeitrechnung durch eine Reihe komplizierter Schaltregeln, die häufig auch falsch angewandt wurden, ziemlich durcheinander geraten. Das alte römische Jahr hatte 354 Tage entsprechend 12 Mondumläufen. Da das seltsame Terminwesen der Römer nur Monate mit ungeraden Tageszahlen kannte, teilte man das Jahr in 12 Monate (ursprünglich 10) ein, von denen vier Monate 31 Tage und sieben Monate 29 Tage hatten; ein Monat (der Februar) wurde mit 27 Tagen festgelegt.

Das römische Jahr begann ursprünglich mit den Kalenden des März, also dem 1. März. Dabei setzte man den Beginn eines neuen Monats fest durch die recht ungenaue Methode der Beobachtung der schmalen Sichel des zunehmenden Mondes kurz nach Neumond (Mondneulicht). Gezählt wurden die Jahre nach der sagenhaften Gründung Roms durch Romulus und Remus: ab urbe condita (a.u.c.), ab "Gründung der Stadt, nämlich 753 v.Chr. Um den Kalender mit dem Sonnenlauf abzustimmen, so dass der Frühlingsbeginn möglichst immer in den März fiel, führte man relativ planlos Schaltmonate ein, die 23 oder 22 Tage hatten. So gab es Jahre zu 354 Tagen und Schaltjahre zu 376 oder 377 Tagen. Die römische Priesterschaft verfügte die Einschaltung von Monaten und rief jeweils den Monatsbeginn aus, wenn sie denn das Mondneulicht sah. Mit den Schaltungen nahm man es nicht so genau. Dabei führten politische Einflussnahmen, um beispielsweise lukrative Amtsperioden künstlich zu verlängern, zu astronomisch unsinnigen Jahresverlängerungen. Im Jahre 153 v. Chr. wurde zudem der Jahresanfang, der inzwischen auf den Iden (dem Vollmond) des Martius (März) lag, auf die Kalenden (das scheinbare Mondneulicht) des Ianuarius (Janusar) vorverlegt. So wundert es nicht, dass gegen Ende der römischen Republik das Kalenderwesen total in Unordnung geraten war und die Verwirrung in der Priesterschaft kaum noch zu überbieten war.

Als Caesar nach seinen siegreichen Schlachten nach Rom zurückkehrte, war er schließlich gezwungen, den römischen Kalender gründlich zu reformieren. Er bediente sich dabei des Fachwissens eines hervorragenden Beraters, des griechischen Astronomen und Mathematikers Sosigenes aus Alexandria, den er eigens nach Rom kommen ließ. Julius Caesars Kalenderreform bestimmte im Einzelnen folgendes:

  1. Der Jahresbeginn wird auf den 1. Januar festgelegt, dem Monat des zweigesichtigen Grenzgottes (Ianuarius biceps).
     
  2. Die Jahreslänge wird dem Sonnenlauf angeglichen. Jedes Jahr hat 365 Tage. Gemäß der Regel des ägyptischen Königs Ptolemäus III. wird jedes vierte Jahr ein Schalttag eingeschoben, so dass ein Schaltjahr 366 Tage umfasst.
     
  3. Sechs Monate haben jeweils eine Länge von 31 Tagen, fünf Monate umfassen jeweils 30 Tage und der Februar besitzt nur 29 Tage.
     
  4. Der Schalttag wird im Februar eingeschoben, so dass dieser Monat im Schaltjahr auf 30 Tage kommt. Dabei wurde aus religiösen Gründen der 24. Februar zum Schalttage erkoren, er wurde zweimal gezählt. In der römischen Datierung war der 24. Februar der "dies sextilis ante Kal. Mart.", der sechste Tag vor den Kalenden des März (vor Märzbeginn). Somit erhielt der Schalttag die Bezeichnung "dies bisextilis ante Kal. Mart., also der zweite sechste Tag vor Märzbeginn (noch heute nennen die Franzosen ein Schaltjahr "année bisextile").
     
  5. Das Jahr 46 v. Chr., in dem Caesar die Reform veranlasste, erhielt zusätzlich zum Schaltmonat Februar mit 30 Tagen noch weitere 12 Schalttage und zwei weitere Schaltmonate mit zusammen 67 Tagen. Dadurch umfasste dieses Jahr 445 Tage und war somit das längste Jahr in der Geschichte der Zeitrechnung.
     

Caesar hatte den römischen Kalender in Ordnung gebracht, indem er kompromisslos das ägyptische Sonnenjahr einführte. Ihm zu Ehren und zu seinem Andenken wird er Julianischer Kalender genannt. Kurz nach Einführung tauchten nochmals Schaltfehler auf: Caesars Regel wurde missinterpretiert und bereits in jedem dritten Jahr wurde im Februar ein Schalttag eingeschoben. Erst Kaiser Augustus (63 v. Chr. – 14 n. Chr., Großneffe und Adoptivsohn von Julius Caesar) beseitigte 8 v. Chr. endgültig die letzten Fehler. In der Folge brachte der römische Senat eine weitere Änderung in die römische Zeitrechnung ein. Der fünfte Monat (gezählt nach dem ursprünglichen Jahresbeginn im März) "Quintilis" war zu Ehren Caears in "Julius" umbenannt worden. Wegen der großen Verdienste des Kaisers Augustus wurde der folgende sechste Monat "Sextilis" ihm zu Ehren auf "Augustus" umgetauft. Um nun die Monate "Julius" und "Augustus" gleichwertig erscheinen zu lassen, erhielten beide 31 Tage. Man nahm deshalb dem Februar einen weiteren Tag, so dass er von da an im Gemeinjahr nur noch 28 Tage und im Schaltjahr 29 Tage hatte. Die Tageszahlen der übrigen Monate wurden beibehalten.

Der Julianische Kalender war und ist ein reiner Sonnenkalender. Jahreslänge und Jahresbeginn werden allein durch den Sonnenlauf bestimmt und sind vom Mondlauf unabhängig. Es wird keine Koinzidenz mit dem Beginn des synodischen Mondmonats hergestellt. Ein synodischer Monat (Lunation) ist die mittlere Zeit zwischen zwei Neumonden (29d 12h 44 min 2,9s = 29,5306 d). Die erstarkende Christenheit hatte jedoch auch den Mondlauf zu berücksichtigen, an den sie den Termin des Osterfestes koppelte, beeinflusst von alten Traditionen aus dem jüdischen Lunisolarkalender (siehe unten).

Im Jahre 325 n. Chr. beschloss das Konzil von Nicäa (griech.: Nikaia, heute Iznik genannt, Stadt in Kleinasien etwa 200 km südlich von Konstantinopel, heute Istanbul), Ostern am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond zu feiern.


Römischer Bauernkalender
Römischer Bauernkalender auf einem Stein im Museum Neapel

Dabei ging man davon aus, dass das Frühlingsäquinoktium stets auf den 21. März fällt und die Mondphasen auf Basis des Metonschen Mondzyklus zu kalkulieren sind. Man nennt den Zeitraum von 19 Jahren einen Metonschen Mondzyklus, da in 19 tropische Jahre (6939,6018 Tage) ziemlich genau 235 Lunationen (6939,6881 Tage) fallen. Alle 19 Jahre tritt zu Jahresbeginn dieselbe Mondphase auf. Allerdings differiert nach dieser Zeitspanne der Eintritt der gleichen Mondphase, wie die obigen Zahlen zeigen um 2,07 Stunden. Diese geringe Abweichung häuft sich in 220 Jahren zu einem ganzen Tag an. Im Laufe der Zeit wich der zyklisch berechnete Vollmond deshalb immer mehr vom wahren Vollmondtermin ab.

Im 16. Jahrhundert trat der wahre Vollmond bereits vier Tage vor dem zyklischen gemäß der Julianischen Jahreslänge (19 jul. Jahre = 6939,75 Tage) berechneten Termin ein. Als noch gravierender entpuppte sich das Problem des Frühlingstermins. Schon im 13. Jahrhundert fiel auf, dass das Frühlingsäquinoktium bereits deutlich vor dem 21. März eintrat. Und diese Differenz wuchs mit den Jahren immer mehr an. Denn das Julianische Jahr ist etwas länger als das tropische Jahr (siehe oben), die Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Durchgängen der Sonne durch den Frühlingspunkt. Durch die Schaltregel der alten Ägypter hat ein Julianisches Jahr die Länge 365,25 Tage. Dies stimmt zwar recht genau mit der Länge des siderischen Jahres überein, die die alten Ägypter mit der Beobachtung des hiliakischen Siriusaufganges ermittelten. Ein siderisches Jahr (Zeit zwischen zwei Vorübergängen der Sonne an einem Stern mit verschwindend kleiner Eigenbewegung) dauert 365,2564 Tage und ist damit nur um 9 min länger als das Julianische Jahr. Durch die Präzession der Erdachse wandert der Frühlingspunkt jedoch rückläufig durch den Tierkreis mit einer Periode von ca. 28 000 Jahren, kommt also der Sonne entgegen. Pro Jahr sind dies 0,01394 Grad auf der Ekliptik. In 25 817 Jahren läuft der Frühlingspunkt somit einmal durch den gesamten Tierkreis. Deshalb ist das tropische Jahr kürzer als das siderische und auch kürzer als das Julianische. Ein tropisches Jahr hat eine Länge von 365,2422 Tagen. Somit ist es um 11 min und 14 s kürzer als ein Julianisches Jahr. In jedem Jahr tritt der Frühlingsbeginn, das Überschreiten des Himmelsäquators durch die Sonne von Süd nach Nord, 11 min und 14 s früher ein als durch den Julianischen Kalender angegeben. Diese zunächst kaum merkbare Differenz summiert sich im Laufe von 128 Jahren zu einem vollen Tag. Nach dieser Zeitspanne tritt das Frühlingsäquinoktium einen Tag früher ein, also am 20. statt am 21. März. Im 16. Jahrhundert war diese Differenz bereits auf knapp 10Tage angewachsen. Die Sonne wechselte bereits am 11. März von der Süd- auf die Nordhalbkugel des Firmaments, während man kalendarisch mit dem 21. März als Frühlingsbeginn rechnete und danach das Osterdatum festlegte. Die Differenz war nicht mehr zu übersehen.

Das Oberhaupt der Katholischen Kirche konnte sich davon persönlich in der Sixtinischen Kapelle überzeugen, denn die Sonnenstrahlen fielen am 21. März steiler ein als zum zum astronomisch korrekten Frühlingsbeginn. Die Verantwortlichen für das Kalenderwesen führten lange Diskussionen, ohne einen Konsens zu finden. Allen war aber klar: Wenn man weiterhin den Julianischen Kalender benutzt, wird eines Tages die Sonne schon Anfang Januar am Himmelsäquator stehen und im März ihren Jahreshöchststand erreichen. Ostern fiele somit in die heißeste Jahreszeit.

Zur Lösung des Osterproblems benutzten von der Kirche beauftragte Astronomen schon im 15. Jahrhundert Kathedralen für Beobachtungen und Messungen des Sonnenlaufs. Der Dominikanermönch Egnatio Danti bohrte ein Loch in das Dach der Basilika San Pedronio in Bologna, und zwar so, dass der hindurchtretende Sonnenstrahl jeden Tag zur Mittagszeit auf eine 67 Meter lange, hervorgehobene Linie am Boden des Kirchenschiffs fiel. Am Tag der Sommersonnenwende berührte der Strahl das südliche Ende der "Meridiana" genannten Linie, am Tag der Wintersonnenwende das nördliche. Am Tag der Frühlingsäquinox zeigte der Sonnenstrahl zur Mittagszeit genau auf den Mittelpunkte dieser Linie. Mit diesem Jahressonnenkalender war also eine ziemliche genau Bestimmung des Frühlingsbeginns und somit des Ostertermins möglich. Ansatzweise hatte bereits 1475 ein gewisser Toscanelli im Dom zu Florenz einen ähnlichen Versuch unternommen. Danti, der einer der astronomischen Berater des Kalenderreformers Papst Gregor 13. war, ließ eine weitere Meridiana in einem Turm des Vatikan-Palastes anlegen. Derartige Einrichtungen wurden außerdem im Dom von Palermo, in Santa Maria degli Angeli in Rom und in der Pariser Kirche Saint Sulpice entdeckt.

Bereits Papst Pius V. versuchte im Jahre 1568 eine neue Regelung für die Schaltjahre einzuführen, allerdings vergeblich. Dies gelang erst seinem Nachfolger, Papst Gregor XIII. (Ugo Buoncompagne, geb. am 1.1.1502 in Bologna, gest. am 10.4.1585 in Rom). Er übernahm nach dem Tode von Pius V. im Jahre 1572 das Pontifikat. Gregor XIII. war sich der Schwierigkeiten bewusst, den Kalender zu reformieren. Er setzte deshalb eine Kommission aus hochkarätigen Fachleuten ein, zu denen neben dem Berater Egnatio Danti der deutsche Mathematiker und Astronom Christopher Clavius, der italienische Arzt und Mathematiker Aloigi Giglio (Aloysius Lilius) und dessen Bruder, Erzbischof von Peruga, Antonin Giglio (Antonius Lilius) gehörten.

Aufgrund der Empfehlungen dieser Kommission ordnete Gregor XIII. die Reform des Kalenders an, die er am 24. Februar 1582 in der päpstlichen Bulle "Inter gravissimas" (siehe oben) bekannt gab.

Die gregorianische Kalenderreform stieß nicht auf große Begeisterung, weder in der Bevölkerung noch bei den Gelehrten und schon gar nicht in den protestantischen Ländern, wo man ohnehin nicht nach der Devise "Roma locuta, causa finita" (Rom hat gesprochen, die Sache ist entschieden) verfuhr. Die päpstliche Bulle hatte die Befehlsform eines Dekrets und gab keine tiefere Begründung. Diese wurde erst im Jahre 1603 durch die Schrift von Clavius nachgeholt, die den Titel trägt: Explicatio Romani Calendarii a Gregorio XIII. Pontifex Maximus restituti.

Die Bauern waren gegen den Kalender "neuen Styls", weil die sogenannten Lostage plötzlich nicht mehr stimmten und allgemeine Verwirrung entstand.

In manchen Kalenderwerken wurden die Daten für den Kalender "alten" und "neuen Styls" gedruckt. Johannes Keppler, zwar dem evangelischen Bekenntnis nahestehend, begrüßte aus sachlichen Gründen den "neuen Styl". In zahlreichen Pamphleten wurde Papst Gregor XIII. angegriffen. Er würde den Gestirnen vorschreiben wollen, sich nach seinem Kalender zu richten, ja er sei gar der leibhaftige Antichrist, der sich anmaße, durch den "neuen Styl" Jesus Christus derart zu verwirren, dass dieser nicht mehr wisse, "wann der jüngste Tag sei". In Italien, Spanien, Frankreich Portugal, Luxemburg und Polen wurde der Gregorianische Kalender sogleich im Jahre 1582 gemäß der Päpstlichen Bulle eingeführt. Bayern folgte 1583, Österreich und die Schweiz 1584, Ungarn 1587 und Preußen 1610. Das protestantische Deutschland ließ erst am 18. Februar 1700 sofort den 1. März folgen, ebenso Norwegen und Dänemark. Erhard Weigel, Professor zu Jena und Schüler von Leibniz, überzeugte die evangelischen Reichsstände schließlich, dass der "neue Styl" der astronomisch-chronologisch richtige ist, und der deutsche Kaiser Leopold I. setzte sich vehement für eine gemeinsame Festregelung ein.

In Großbritannien ließ man auf den 2. September 1752 gleich den 14. folgen und stellte damit auf den Gregorianischen Kalender um. Ein Jahr später wurde auch in Finnland und Schweden der "Kalender neuen Styls" eingeführt. Japan folgte 1873 und China 1911. Russland stellte erst nach der Oktoberrevolution von 1917 um: Auf den 31. Januar 1918 folgte in Moskau sofort der 14. Februar 1918. Griechenland ging 1924, die Türken 1926 und Ägypten erst 1928 zum Gregorianischen Kalender über, der heute an der Schwelle zum dritten Jahrtausend international in Handel, Verkehr und Wissenschaft benutzt wird und in den meisten Staaten auch gesetzlich verankert ist.




[Anfang] [1. Der Gregorianische Kalender] [2. Das Jahr 2000]
[3. Geschichte der Zeitrechnung] [4. Namen der Tage und Monate]
[5. Zeitrechnung anderer Kulturen] [6. Literatur] [Textende]



4. Namen der Tage, Monate und Wochentage



Die Einteilung der Zeit in Tage, Monate und Jahre ist begründet in periodischen Bewegung der Himmelskörper, wie sie die Astronomen schon sehr früh erkannt und beschrieben haben. Die Woche dagegen entspricht keinem solchen astronomischen Zyklus, es sei denn, man legt dieser Einteilung die Zeit zwischen zwei Mondphasen, also ¼ Lunation, die etwa 7 Tage umfasst, zu Grunde. Auch die Deutung gemäß dem Schöpfungsbericht des Alten Testaments, wonach Gott Himmel und Erde in 6 Tagen erschuf und am 7. Tag ruhte, erscheint als Grundlage für den Zeitabschnitt einer Woche mit sieben Tagen als ziemlich unwahrscheinlich. Die Anwendung der Zeiteinteilung in Wochen von 7 Tagen ist aus verschiedenen Völkern bekannt und reicht in sehr frühe Zeiten der Kulturgeschichte zurück. Vermutlich verteilten die alten Astronomen die sieben Planeten des Ptolemäischen Weltsystems (Ptolemäus ca. 100 – 160 n. Chr. Mathematiker und Astronom), (Sonne, Mond, Merkus, Venus, Mars, Jupiter und Saturn) auf die sieben Wochentage.


Die sieben Planeten, Holzschnitt von 1480
Die sieben Planeten. Holzschnitt aus einer astrologischen Tafel, etwa aus dem Jahre 1480.
(Anklicken für eine Vergrößerung)

Die Gestirne sind entsprechend ihrer Entfernung nach dem Ptolemäischen System im Kreis gegen den Uhrzeigersinn angeordnet in der Reihenfolge Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn. Geht man beginnend mit der Sonne jeweils zum auf dem Kreis gegenüberliegenden Gestirn über, so ergibt sich folgende Zuordnung der Planeten zu den Wochentagen:

 Sonne  Sonntag
 Mond  Montag
 Mars  Dienstag
 Merkur      Mittwoch
 Jupiter  Donnerstag    
 Venus  Freitag
 Saturn  Sonnabend

Eine andere Theorie zur Namengebung der Wochentage geht davon aus, dass nach Meinung der Sterndeuter die Himmelskörper in der Reihenfolge ihrer Entfernungen Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und Mond , die sich gemäß dem Prolemäischen Weltsystem um die Erde drehen, die Stunden des Tages beherrschten. Derjenige, dem die erste Stunde des Tages zufiel, ist der Hauptregent des Tages und gibt ihm den Namen. In dieser Lage befand sich Saturn, der als äußerster bekannter Planet dem Sonnabend, damals dem ersten Wochentag, den Namen Saturnstag gab, ein Name, der in der englischen Bezeichnung saturday noch deutlich zu erkennen ist. Er herrschte in der 1., 8., 15. und 22. Stunde. In der 23. herrschte Jupiter, in der 24. regierte Mars und in der folgenden ersten Stunde die Sonne, nach der der Sonntag benannt wurde. Setzt man diese Berechnung weiter fort (vgl. Tabelle), so findet man die vollständige Zuordnung der Planeten zu den einzelnen Wochentagen und damit den Ursprung der Wochentagsnamen.

Std. Sonnabend Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
1 Saturn Sonne Mond Mars Merkur Jupiter Venus
2 Jupiter Venus Saturn Sonne Mond Mars Merkur
3 Mars Merkur Jupiter Venus Saturn Sonne Mond
4 Sonne Mond Mars Merkur Jupiter Venus Saturn
5 Venus Saturn Sonne Mond Mars Merkur Jupiter
6 Merkur Jupiter Venus Saturn Sonne Mond Mars
7 Mond Mars Merkur Jupiter Venus Saturn Sonne
8 Saturn Sonne Mond Mars Merkur Jupiter Venus
9 Jupiter Venus Saturn Sonne Mond Mars Merkur
10 Mars Merkur Jupiter Venus Saturn Sonne Mond
11 Sonne Mond Mars Merkur Jupiter Venus Saturn
12 Venus Saturn Sonne Mond Mars Merkur Jupiter
13 Merkur Jupiter Venus Saturn Sonne Mond Mars
14 Mond Mars Merkur Jupiter Venus Saturn Sonne
15 Saturn Sonne Mond Mars Merkur Jupiter Venus
16 Jupiter Venus Saturn Sonne Mond Mars Merkur
17 Mars Merkur Jupiter Venus Saturn Sonne Mond
18 Sonne Mond Mars Merkur Jupiter Venus Saturn
19 Venus Saturn Sonne Mond Mars Merkur Jupiter
20 Merkur Jupiter Venus Saturn Sonne Mond Mars
21 Mond Mars Merkur Jupiter Venus Saturn Sonne
22 Saturn Sonne Mond Mars Merkur Jupiter Venus
23 Jupiter Venus Saturn Sonne Mond Mars Merkur
24 Mars Merkur Jupiter Venus Saturn Sonne Mond

Auch die deutschen Namen schließen sich bis auf den Mittwoch an die alten mythologischen Bezeichnungen an, denn Ziu, Donar und Freia entsprechen den römischen Götter- und Planetennamen Mars, Jupiter und Venus. Ziu war der Kriegsgott der Germanen, wie Mars der der Römer war. Der Name Dienstag bedeutet Ziustag und hat mit Dienst und Dienen nichts zu tun. Der Mittwoch war bei den Römern dem Merkur geweiht, was sich noch in dem französischen mercredi andeutet. Für die Germanen war dieser Tag der Tag Wodans, was der englische Name wednesday noch bezeugt. Der Donnerstag galt gleichermaßen den Göttern, die der Sage nach den Blitz schleuderten, dem Jupiter und dem Donar, während der Freitag den Göttinnen der Liebe, der Venus bzw. der Freia, geheiligt war.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden den Wochentagen im Volksglauben manche begründete, aber auch viele törichte abergläubische Dinge hinzugedichtet. Der Sonntag galt allgemein als Glückstag. Wer an einem Sonntag geboren war, galt als Glückskind. Die christliche Kirche setzte ihn an den Anfang der Woche, weil an einem Sonntag die Auferstehung Christi und die Ausgießung des Heiligen Geistes stattgefunden hatten.

Ziemlich schlecht kommt der Montag weg, denn was man an ihm beginnt, wird nicht "wochealt", hieß es im Volksmund. Möglich ist auch, dass die Sitte, richtiger die Unsitte des "blauen Montags", auf dieser merkwürdigen Anschauung beruht.

Dagegen verspricht der Dienstag Günstiges. Er ist der rechte Tag für Trauungen, für den Eintritt in ein Amt oder einen Dienst. Hingegen steht der Mittwoch in schlechtem Andenken. Er gilt im Volksglauben als eine Art Zwitter, nicht Fisch, nicht Fleisch, eben kein richtiger Tag. Das rührt offenbar daher, dass er der Tag des Wodan war, den die christlichen Priester ächteten, dessen Gedächtnis sie mit allen Mitteln herabsetzten. Der Mittwoch ist außerdem mit dem Makel behaftet, der Todestag des Verräters Judas Ischarioth zu sein. In der Schweiz treibt kein Hirt die Herde an diesem Wochentag zu Berge.

Donnerstag dagegen galt wiederum als Glückstag und erfreute sich besonders bei Schmieden und Schlossern, die wie Donar den Hammer schwingen, besonderer Gunst.

Die Bedeutung des Freitag ist umstritten. Als Tag der Freia, der Hüterin der Ehe und Beschützerin der Kleinen, steht er besonders in Norddeutschland, wo sich der alte Götterglaube länger erhalten hat als in Süddeutschland, in hohem Ansehen. Kein Tag ist dort geeigneter für Eheschließungen als er. In Süddeutschland aber denkt man daran, dass auf dem Freitag der Schatten des Kreuztodes Christi liegt. Nur ungern tritt man an einem Freitag eine Reise an oder beginnt ein wichtiges Unternehmen.

Vom Sonnabend erwartet man, befürchtet aber auch nichts Besonderes.

Neben den Wochentagen rufen besondere Tage im Jahr alte Erinnerungen wach, vor allem der 24. Juni, der Mittsommertag der Sommersonnenwende, an dem nach dem alten Kalender der Sommer begann. In der christlichen Kirche gilt er als Geburtstag Johannis des Täufers, weshalb er allgemein Johannistag heißt. Johannes der Täufer ist der einzige Heilige, dessen Geburtstag man feiert, von allen übrigen gedenkt man nur des Todestages. Die alten Bräuche, wie die Johannisfeuer auf Höhen, die Reigentänze um die Feuer, das Springen durch das Feuer sind altgermanisches Volksgut. Der Sage nach stiegen in der kürzesten und in der längsten Nacht die Götter zu den Menschen herab. Ihnen zu Ehren loderten an diesen Tagen die Brände auf den Altären. Die Höhenfeuer deutet man auf die Glut des Scheiterhaufens, in dem Baldur, der vielgeliebte und unvergessene Lieblingsgott der Germanen, verbrannte. Er ist die Personifizierung des wachsenden Lichts, der sterben muss, wenn die Lichtmenge anfängt abzunehmen und das Jahr sich zu neigen beginnt.

Dem Volksglauben nach waren die Götter den Menschen auch besonders nahe in den 12 langen, den heiligen Nächten zwischen Weihnachten und dem hohen Neujahrsfest. Die Götter verließen die himmlischen Sitze und nahten sich den Menschen. Besonders gern trat Freia in die Häuser. Noch heute ist es hier und da Sitte, Mehl- und Salzhäufchen auf der Diele aufzuschichten. Fielen sie ein, hatte sie das Gewand der Göttin gestreift. Ostern war ursprünglich das Fest der germanischen Frühlingsgöttin Ostara, das von lodernden Osterfeuern erleuchtet wurde. Das christliche Osterfest ist im Gegensatz zu dem unbeweglichen Weihnachtsfest ein bewegliches Fest, das immer noch nach dem Beschluss des Konzils von Nicäa 325 n. Chr. bestimmt wird, nach welchem es am ersten Sonntag nach dem Vollmond zu feiern ist, der der Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche (Frühlingsanfang) folgt. Auf den 50. Tag nach Ostern fällt Pfingsten (Pfingsten bedeutet 50. Tag).

Im römisch-christlichen Kalender hatte jeder Tag im Jahr seinen Namen, der in den meisten Fällen der Name eines Heiligen oder einer hervorragenden Persönlichkeit ist (vgl. folgende Tabellen). Einzelne Tage trugen auch die Namen von Ereignissen, die sich an den betreffenden Wochentagen ereigneten, z. B. Pauli Bekehrung, Mariä Reinigung u. a. Auch heute noch sind viele dieser Namen und Bezeichnungen in den unterschiedlichsten Kalendern anzutreffen.

Die Römer hatten ursprünglich nach Mondjahren gerechnet, die durch ziemlich willkürliche Schaltungen mit der Sonne in grober Übereinstimmung gehalten wurden. Das folgende römisch-christliche Kalendarium zeigt, welche Gestalt der Kalender nach der Reform von Julius Cäsar angenommen hatte. Die letzte Zahlenspalte in jedem Monat (D.M.: Dies mensis) zeigt die heutige Zählung, die vorletzte die altrömische. In dieser heißt der erste Tag des Monats immer Kalendae. In den meisten Monaten wird nun der Dreizehnte Idus genannt, nur im März, Mai, Juli und Oktober der Fünfzehnte. Die seltsame Regelung rührt daher, dass diese Monate vor der Reform 31 Tage hatten, die anderen mit Ausnahme des schon damals stiefmütterlich behandelten letzten Monats Februar 29 Tage; der Februar selbst hatte 27 Tage. Die Iden scheinen ursprünglich Vollmondtage gewesen zu sein, da sie dem letzten scheinbaren Neumond um 12 bzw. 14 Tage folgten. Man rechnete nun rückwärts in der Weise, dass z. B. nach Cäsars Reform der 30. April mit Pridie Kalendas Majas (am Tag vor dem 1. Mai) bezeichnet wurde. Der 29. April wurde aber nicht als zweiter, sondern als dritter Tag vor den Kalenden des Mai deklariert, ante diem tertium Kalendas Majas (a. d. III. Kal. Maj.). Dies zeigt, dass die nachlässige Zahlung, wie sie in unserem Ausdruck "8 Tage" für den Zeitraum einer Woche oder dem französischen "15 jours" auftritt, auch den alten Römern nicht fremd war. Der 14. April hieß entsprechend a. d. XVIII. Kal. Maj. und davor kamen die Iden, von denen aus in derselben Weise rückwärts gerechnet wurde, so dass z. B. der 11. April gesetzt wurde als a. d. III. Idibus Apriles.

Die "Nonen", die demzufolge 8 Tage vor den Iden eintraten, in den vier Ausnahmemonaten am 7. und sonst am 5., dienten, wie man sieht, als Ausgangspunkt einer neuen Zählung. Sie fielen immer ziemlich gut mit dem ersten Mondviertel zusammen, wenn die Kalenden mit dem scheinbaren Neumond übereinstimmten.

Das Gemeinjahr hat bekanntlich 52 Wochen und einen Tag. Die sehr bequeme Einrichtung des Sonntagsbuchstaben, Litterae Dominicales, zeigt die Spalte L.D., die der Spalte mit den altrömischen Bezeichnungen vorausgeht. Man sieht den 1. Januar mit A und den 7. mit g bezeichnet, danach wiederholen sich die 7 Buchstaben beständig, so dass der 31. Dezember wieder den Buchstaben A erhält. Dabei wird dem etwaigen Schalttag in der Weise Rechnung getragen, dass der 23. Februar immer e erhält, der 24. Februar und im Schaltjahr auch der 25. Februar erhält f, so setzen sich die Buchstaben nach folgendem Schema weiter fort:

Febr. 24 25 26 27 28 29 März 1 2
Gemeinjahr f g A b c . . d e
Schaltjahr f f g A b c . d e

Jedes Schaltjahr hat zwei Sonntagsbuchstaben.

Der Sonntagsbuchstabe gibt an, welcher Tag im Jahr jeweils ein Sonntag ist. Das Jahr 2000 ist ein Schaltjahr, es hat die Sonntagsbuchstaben b und A, d. h. bis zum 24. Februar 2000 sind alle Tage mit dem Sonntagsbuchstaben b Sonntage, danach diejenigen mit dem Sonntagsbuchstaben A.



Kalendarium

(Sie können eine große, lesbare Darstellung erhalten, wenn Sie die gewünschte Seite anklicken.)
 
Kalendarium Map (24K)

Auch die im heutigen Kalender gebräuchlichen Monatsnamen wurden aus dem Kalendarium der Römer übernommen. Der erste Monat ihres Jahres, das ursprünglich nur 10 Monate kannte und erst später durch Januar und Februar auf 12 erweitert wurde, war der März, der dem Kriegsgott Mars geweiht war. Dies ist bei einem so kriegerischen Volk sicher nicht verwunderlich.

Januar und Februar beschlossen das Jahr. Von unserem Monat Juli ab trugen die Monate Zahlenbezeichnungen, die noch in den Monatsnamen September bis Dezember fortbestehen, obwohl sie heute nicht mehr mit ihrer Stellung im Kalender übereinstimmen, da der Beginn des Jahres durch Cäsar auf den 1. Januar verschoben wurde. Sie sind nun nicht mehr der siebte bis zehnte, sondern der neunte bis zwölfte Monat eines Jahres.

Der April, der zweite Monat des römischen Kalenders, trägt seinen Namen möglicherweise von dem lateinischen Verb aperire: öffnen, denn in diesem Monat öffneten sich die Knospen und Blütenkelche vieler Pflanzen. Der Mai ist wahrscheinlich nach Maja, der römischen Frühlingsgöttin, der Mutter des Merkur, benannt, der Juni nach der Göttermutter Juno, der Göttin der Ehe, der Januar nach dem doppelköpfigen Janus, der gleichzeitig in die Vergangenheit und die Zukunft schauen konnte, der Februar nach den Reinigungsfesten (februare: reinigen), die in diesem Monat gefeiert wurden.

Der erste Mensch, dessen Name in einem Monatsnamen verewigt wurde, war Julius Cäsar. Der fünfte Monat, der Quintilis, musste seinen Namen abgeben und sich seit Cäsars Reform ihm zu Ehren Julius nennen lassen. Wenige Jahrzehnte später widerfuhr dem Sextilis, dem sechsten Monat, dasselbe Schicksal. Dem Neffen Cäsars, Oktavian, der als erster römischer Kaiser den Namen Augustus annahm, zu Ehren wurde dieser Monat Augustus genannt.

Karl der Große hat versucht, die lateinischen Bezeichnungen durch deutsche zu ersetzen. Der jahrhundertelange Gebrauch, den die christliche Kirche gestützt hatte, verhinderte eine Verbreitung der deutschen Monatsnamen, die sich, wie die folgende Aufstellung zeigt, an sinnvollen natürlichen Begebenheiten orientierten. Dabei erklären sich die meisten Namen von selbst. Im Hornung, Februar, werfen die Hirsche und Rehe ihr Gehörn ab, und im Brachmonat, dem Juni, wurden die nicht besäten Felder, die man ein Jahr ruhen ließ, umgebrochen, also umgepflügt.

Lateinische
Namen
Ableitung der
lateinischen Namen
Bezeichnungen
Karls des Großen
Januar Janus, der Gott des Anfangs Wintermonat
Februar februare: reinigen Hornung
März Mars, der Kriegsgott Lenzmonat
April aperire: öffnen Ostermonat
Mai Maja, die Frühlingsgöttin Wonnemonat
Juni Juno, die Göttin der Ehe Brachmonat
Juli Julius Cäsar, früher Quintilis Heumonat
August Augustus, früher Sextilis Erntemonat
September Der Siebente Herbstmonat
Oktober Der Achte Weinmonat
November Der Neunte Windmonat
Dezember Der Zehnte Christmonat



[Anfang] [1. Der Gregorianische Kalender] [2. Das Jahr 2000]
[3. Geschichte der Zeitrechnung] [4. Namen der Tage und Monate]
[5. Zeitrechnung anderer Kulturen] [6. Literatur] [Textende]



5. Zeitrechnung anderer Kulturen



Die Ägypter waren wegen der jährlich fast immer zur gleichen Zeit wiederkehrenden Nilüberflutungen, von deren Eintreten die Aussaat und Bestellung der Äcker und Felder und damit der gesamte Lebens- und Arbeitsrhythmus abhängig war, auf eine Zeitrechnung angewiesen, die dem Lauf der Sonne möglichst genau folgte. Sie waren deshalb schon sehr früh im Besitz eines reinen Sonnenkalenders, wobei sie durch Beobachtung des heliakischen Sotisaufgangs das siderische Sonnenjahr, das etwas länger ist als das tropische Sonnenjahr, zu Grunde legten. Auch in Ostasien hat man sich offenbar schon sehr früh eines reinen Sonnenkalenders bedient. Der Grund dafür liegt möglicherweise darin, dass in diesen Regionen auch damals schon die Jahreszeiten sehr stark ausgeprägt waren, so dass ein genaues Schritthalten des Kalenders mit dem Sonnenlauf ratsam erschien. In den heißen Regionen der subtropischen Zonen waren die Jahreszeiten dagegen weniger scharf ausgeprägt; sie bestimmten deshalb kaum oder überhaupt nicht den Lebensrhythmus der dort beheimateten Völker, die zudem keinen von festen Zeiten abhängigen Ackerbau betrieben, sondern als Nomaden mit ihren Viehherden durch das Land zogen. Viel schärfer war in diesen Gebieten, in denen der Blick zum Himmel nur selten durch Wolken getrübt wurde, der tägliche Himmelslauf der Gestirne sowie der auffällige immer wiederkehrende Lichtwechsel des Mondes zu erkennen. Wie diese Länder, wo zudem die Dämmerung kürzer und die Nachtarbeit wegen der klimatischen Bedingungen häufiger notwendig war als in den dem Nordpol näher liegenden Regionen, fast von selbst die Heimat der Astronomie wurden, so ging von ihnen auch die Zeitrechnung aus. Man benutzte den scheinbaren Neumond, d. h. das erste Sichtbarwerden der jungen Neumondsichel am Abendhimmel als ein sehr bequemes und allgemein sichtbares Signal für das Festsetzen von Terminen. Die annähernde Gleichheit der Lunation (Dauer einer Mondperiode) mit gewissen biologisch gekennzeichneten Zeitabschnitten war häufig Anlass zu abergläubischen Vorstellungen auf medizinischem, landwirtschaftlichem oder gärtnerischem Gebiet.

Die mittlere Länge der Lunation, 29,5306 Tage, ist von dem 12. Teil eines tropischen Jahres, 30,4369 Tage, so wenig verschieden, dass es nahe lag, im allgemeinen das Jahr gleich 12 Lunationen zu setzen und dadurch eine ungemein bequeme Einteilung zu bekommen. Auf diese Weise erhielt man das sogenannte Mondjahr. Den Unterschied zum tropischen Jahr versuchte man in unterschiedlicher Weise in den einzelnen Ländern und Regionen auszugleichen. Die reinste Form des Mondjahres ist im islamischen Kalender erhalten. Hier setzte man die Lunation grundsätzlich gleich 29,50 Tage und nahm pro Jahr 12 Monate an, die abwechselnd 29 und 30 Tage hatten. Damit hatte ein Jahr 12 x 29,5 = 354 Tage, es eilte also einem tropischen Jahr um 11,2422 Tage voraus. Dies Vorauseilen vor der Sonne wurde nicht ausgeglichen, so dass auf etwa 32 tropische Jahre bereits 33 Mondjahre im islamischen Kalender fallen. Der islamische Kalender hat seinen Anfangspunkt am 15. Juli 622 (Hedschra) n. Chr. Wegen des Vorauseilens im reinen Mondkalender entspricht dem Jahr 2000 dabei nicht die Jahreszahl 1378, sondern bereits 1421. Der Monatsbeginn fällt jeweils mit dem scheinbaren Neumond zusammen. Der islamische Fastenmonat Ramadan wandert somit in 33 Jahren einmal durch das ganze Jahr.

Im Jüdischen Kalender rechnete man ebenfalls in Mondjahren, und auch der Beginn der Monate fiel mit dem scheinbaren Neumond zusammen. Auch waren die Monate abwechselnd 29 und 30 Tage lang. Das Passahfest fiel auf den 15. des Monats Nisan (März / April), also auf einen Vollmondstag. Schon in alter Zeit hatten die Israeliten die Verschiebung gegenüber dem Sonnenjahr als Missstand empfunden. Da sie nach Moses´ Vorschrift (3 Mos. 23, 5 – 11) am zweiten Ostertag frische Ähren opfern mussten, sahen sie sich, wenn infolge ihres Mondkalenders die Ähren noch nicht reif waren, zur Einschaltung eines ganzen Monats, dem Veadar, nach dem Monat Adar gezwungen. Später berücksichtigte man dabei auch noch die Abweichung der wahren Lunation von dem angenommenen Wert von 29,50 Tagen, so dass man zu einem ziemlich komplizierten Schaltsystem kam. Die Zählung begann mit dem Jahr der "Erschaffung der Welt" 3761 vor unserer Zeitrechnung. Im Jahr 2000 beginnt also nach dem jüdischen Kalender bereits das Jahr 5761.

Das Mondjahr der Griechen wurde bereits sehr früh durch Schaltmonate mit dem Sonnenjahr gleich gehalten. Man verbesserte das Verfahren, die sogenannte Trieteris, um 500 durch eine Oktaeteris und schließlich im Jahre 433 durch den 19-jährigen Zyklus des Mathematikers Meton. Dieser fand heraus, dass

19 tropische Jahre = 6939,6018 Tage sind und
235 Lunationen = 6939,6881 Tage.

Die Differenz ist gleich 0,0863 Tage oder 2,07 Stunde. Sorgte man also dafür, dass während 235 Lunationen 19 mal die Jahreszahl wechselte, so kam man der Wahrheit nahe bis auf einen Fehler, der erst in 220 Jahren einen Tag ausmachte. Selbstverständlich musste der einzelne Monat aus einer ganzen Anzahl von Tagen bestehen. Meton setzte seinen Zyklus aus 125 vollen Monaten zu 30 Tagen und 110 hohlen Monaten zu 29 Tagen zusammen, das sind zusammen 6940 Tage; der Zyklus enthielt 12 Gemeinjahre zu 12 Monaten und 7 Schaltjahre zu 13 Monaten. Hierbei war also das Jahr zu 6940 : 19 = 365,2632 Tage und der Monat zu 6940 : 235 = 29,5319 Tage angenommen worden. Auch der Kalender der Babylonier beruhte auf dem gebundenen Mondjahr (Lunisolarjahr), bei dem der Mondzyklus mit dem Sonnenjahr möglichst genau in Einklang gebracht werden sollte. Dabei haben sie sich offenbar aber nicht wie die übrigen Kulturen Vorderasiens nach der mittleren Lunation von 29,50 Tagen gerichtet, sonder nach der wahren Länge einer Mondphase.

Im altchinesischen und altjapanischen Kalender war ein komplexes Lunisolarjahr eingeführt, dessen 12 Mondmonate und gegebenenfalls ein Schaltmonat hinsichtlich ihrer genauen Länge und Abfolge für jedes Jahr neu berechnet werden mussten. Dabei spielte der Eintritt der Sonne in die zwölf "Kung" der Ekliptik (vergleichbar mit den Tierkreiszeichen) eine Rolle. Gezählt wurden die Jahre in Zyklen zu je 60 Jahren. Die jahresunabhängig fortlaufenden "Wochen" hatten jeweils 60 Tage.

Die Maya besaßen zwei Kalendersysteme, ein kultisches und ein profanes. Der kultische Kalender (Tzolkin) umfasste den kultischen Zeitraum von 260 Tagen. der in 20 je einer Gottheit gewidmete Einheit von 13 Tagen unterteilt war. Der Profankalender (Haab) umfasste 365 Tage, aufgeteilt in 18 Monate mit 20 Tagen und einem Monat mit nur fünf Tagen. Die Langzeit-Zählung erfolgte nicht fortlaufend nach Jahren, sondern in Epochen zu 1 Tag (Kin), 20 Tagen (Uinal), 360 Tagen (Tun), 7200 Tagen (Katun), 144000 Tagen (Baktun). Die Zeitzählung begann wahrscheinlich am 8. September 3114 v. Chr.

Der auf dem 1790 gefundenen berühmten aztekischen Kalenderstein dokumentierte Kalender entspricht dem "Tzolkin" der Maya, wird aber mit "tonalpohualli" bezeichnet.

J. Scalinger hat eine noch heute in der Astronomie gebräuchliche Zeitzählung nach Tagen vorgeschlagen, die mit "Julianischem Datum" bezeichnet wird. Die Zählung beginnt am 1. Januar 4713 v. Chr. Tagesbeginn ist 12 Uhr Weltzeit. Die Zeitzählung innerhalb des Tages erfolgt dezimal; es beginnt zum Beispiel der 1. Januar 2000 mit dem Julianischen Datum 2.452.544,5417.




[Anfang] [1. Der Gregorianische Kalender] [2. Das Jahr 2000]
[3. Geschichte der Zeitrechnung] [4. Namen der Tage und Monate]
[5. Zeitrechnung anderer Kulturen] [6. Literatur] [Textende]



6. Literatur



  • Plassman, J., Himmelskunde, Freiburg 1898
     
  • Newcomb, S., Populäre Astronomie, Leipzig 1881
     
  • Mädler, J. H., Populäre Astronomie, Berlin 1852
     
  • Plassman, J., Pohle, J., Der Sternenhimmel, München 1902
     
  • Budde, Klampen, Schlüsseldaten Astronomie, Dortmund 1996
     
  • Keller, Korkoschka, Himmelsjahr 1999, Stuttgart 1999
     
  • L. Heilbron, The Sun in the Church, Harvard University Press
     




    Siegfried Knepper, November 1999
    Herzlichen Dank an Peter Sondermann für das Korrekturlesen.

    E-Mail: siegfried.knepper@gmx.de




    Astronomie AG



    [Anfang] [1. Der Gregorianische Kalender] [2. Das Jahr 2000]
    [3. Geschichte der Zeitrechnung] [4. Namen der Tage und Monate]
    [5. Zeitrechnung anderer Kulturen] [6. Literatur] [Textende]
    Home | Index | Schule | Stadt,Region | Unterricht | Arb.gem.
    Latein | Titanic | VAL | Aktuelles,Infos | Dateien laden | Suche