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Gymnasium Laurentianum
[  Literatur 2001  ]
 
  Equus
  Glocke zu Equus
  WN zu Equus
  Glocke und WN zur Wiederholung von Equus
  Tote Mücken werfen keinen Schatten
  Glocke zu Tote Mücken ....
  WN zu Tote Mücken ....
  Die zweite Aufführung des Loblieds auf Laurentius vom 4. Juli 2001.


 

   9. Juli 2001


Die Reise in das Innere der Person

Equus-Aufführung am Laurentianum

Warendorf. 
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Niemand! Wenn er aber kommt? Dann laufen wir! - Was im Kinderspiel gelingt, muss scheitern, wenn der Ernstfall "Leben" eintritt. Diese Lehre nahm das Publikum aus dem Theater am Wall als Quinteessenz einer hervorragenden Inszenierung mit nach Hause. Unter der Regie von Clemens Wallmeier führte ein Literaturkursus der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasium Laurentianum in eindrucksvoller Weise vor Augen, was passiert, wenn man die eigene Vergangenheit verdrängt.

Szenenfoto Equus
Der Literaturkursus der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasium Laurentianum führte in eindrucksvoller Weise vor Augen, was passiert, wenn man die eigene Vergangenheit verdrängt.

In Peter Shaffers Drama "Equus" aus dem Jahr 1973 wird gezeigt, dass Weglaufen nichts nutzt. Wer als Kind von der puritanischen Mutter religiös vereinnahmt und vom schwachen Vater missverstanden wird, wer sich nach Liebe sehnt, als Mensch in seinen Wünschen nicht erkannt und damit abgelehnt wird, mag sich wie die Hauptfigur Alan Strang in der Liebe zu einem Pferd verlieren, im Blick des Tieres den Blick der Eltern, der Freundin and des allmächtigen Gottes unheilvoll vermischen und sich der Welt der Anderen so ausgeliefert fühlen, dass nur die radikale Selbstbefreiung die eigene Identität zu retten vermag. So sticht der 17-Jährige verzweifelt vier stolzen Pferden die Augen aus.

Szenenfoto Equus
Tim Mackenbrock(l.) und Fiete Röer spielen mit in Peter Shaffers Drama "Equus".
Tim Mackenbrock verkörperte diese Rolle äußerst glaubwürdig. Diese Rolle verlangt nach einem einfühlsamen Psychiater als notwendigem Partner, der bei dem Selhstfindungsprozess behilflich ist. Mit Fiete Röer begab sich das Publikum auf eine Reise ins Innere der Person, sowohl des Klienten als auch des Arztes selbst. Man glaubte ihm jede Geste, jedes Wort, den Zweifel am Beruf wie am abgekühllen Privatleben. Patrick Mexner, der im zweiten Akt aufgrund der Textfülle den Part des Psychiaters übernahm, setzte atmosphärisch neue Akzente. Jetzt konnte das "Wahrheitsserum" die spielerisch-leichte Seite der Ichfindung entfesseln.

Die Bühnenanordnung entsprach der Aussage des Stücks. Für alle sichtbar, aber in Schatten gehüllt, verharrten die Schauspieler wartend, bis ihr Auftritt folgte. Sie konfrontierten den Patienten mit seiner Leidensgeschichte und zwangen ihn, alles noch einmal zu durchleben. Niklas Rolle als hilfloser Vater, Krischan Knoll als verständnisvoller Justizbeamter, Max Weigel als Stallbesitzer und Claudia Berg als Krankenschwester spielten sparsam und überzeugend. In Romy Olcay als facettenreicher Verführerin und Claire Darquenne als religiös verblendeter Mutter verdichtete sich der Konflikt zweier Welten. Das Stück hieße nicht "Equus", wenn die Pferde nicht einen mythischen Rahmen für die Handlung bildeten. Vier naturgetreue Pferdeköpfe beherrschten von der Wand aus die Szene. Christoph Biesemann, Christoph Schwarz, Christian Strenge und Max Ganser traten fast unbemerkt unter die Masken, um sich in lebendige Pferde zu verwandeln. Alles Verdrängte entlädt sich in einer Szene, als Alan unter einem Blitzgewitter allen vier Pferden das Augenlicht nimmt, um nicht mehr gesehen zu werden und sich von seinem Über-Ich zu befreien.  Gisela Gensichen


 

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