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  Geschichte 2: Facharbeit zu Kriegsgefangenen



Gymnasium Laurentianum
[  Facharbeit in Geschichte  ]
 

    9.4.2001


---- Max Weigel: Historische Facharbeit geschrieben ----

Spannende Spurensuche durch die Geschichte

Von HANS-JÖRG KRANEBURG

Warendorf (gl). Alles begann mit einem alten Holzkoff er, den Uli Weigel in den 70er Jahren auf dem Sperrmüll in Münster fand - fast 30 Jahre später wurde der abgescbabte Kasten für seinen Sohn Max Weigel der Ausgangspunkt für eine spannende Spurensuche.

Als es für den Schüler der Stufe zwölf des Laurentianum darum ging ein Thema für seine historische Facharbeit zu finden, fiel dem Vater der alte Koffer wieder ein. Als die Schlösser nach oben schnappten, kamen Postkarten, Briefe und Zeichnungen zum Vorschein - ein Stück des Lebens eines gewissen Lothar Wilhelm Meinl: geschrieben und gezeichnet in russischer Kriegsgefangenschaft in den 40er Jahren.

Mit Feuereifer machte sich Max Weigel an die Arbeit, er spürte den Sohn des Briefeschreibers in Münster auf, traf sich mit ihm und hörte die bewegte Lebensgeschichte von Lothar Wilhelm Meinl. Wie ein Puzzle fügten sich die Teile ineinander.

Es gab den Blick frei auf ein Leben, das immer wieder zwischen die großen Mühlsteine der Weltgeschichte führte. Im Sudetenland geboren, nahm Meinl auf österreichischer Seite am Ersten Weltkrieg teil und kam in russische Kriegsgefangenschaft - sieben Jahre lang. 1938 fand er sich im "großdeutschen Reich" wieder und wurde im Rahmen des Ostfeldzuges reaktiviert.

Ab 1941 war er Kommandeur eines Gefangenenlagers, in dem russische Soldaten interniert wurden. Wie es in solchen Lagern zuging, ist historisch bewiesen: Viele der Gefangenen wurden bei Arbeitseinsätzen so geschunden, dass sie elendig starben. Mitleidslos herrschten viele Kommandeure.

Bei Lothar Wilhelm Meinl soll das anders gewesen sein, so erinnert sich Sohn Fritz Meinl - heute selbst schon lange Pensionär. Sein Vater habe im Rahmen seiner Möglichkeiten die Hand über die russischen Gefangegenen gehalten, habe für den Bau eines Lazaretts gesorgt und - wohl auch aus der eigenen Gefangenenerfahrung - für, genügend große Lebensmittelrationen. Alte Fotos zeigen den Lagerkomman- danten mit seiner Familie im Kreis von Gefangenen.

Als 1945 das Lager von der Roten Armee eingenommen wurde, hätten sich die Gefangenen um Meinl geschart, um seine sofortige Erschießung zu verhindern. Zumindest sein Leben wurde gerettet. Die Sowjets verurteilten Meinl als Kriegsverbrecher - und schickten ihn wieder in ein Lager: Diesmal für zehn Jahre.

Erst 1955 kam Lothar Wilhelm Meinl durch die Adenauer-Mission frei - und fand seine Familie in Münster wieder. Uber seine Rückkehr existiert noch ein großer Zeitungsbericht vom 19. Oktober 1955.

Die Briefe und Karten aus dem Koffer erreichten Meinls Familie, Ehefrau Trude und die vier Kinder Lothar, Fritz, Lotte und Hans-Jörg 1946 in Everswinkel, wo sie auf dem Hof Schulze Zurmussen zur Miete wohnten, bevor sie nach Münster zogen.

Der Koffer ging schließlich bei einem Umzug in den 70er Jahren verloren - als ein Unternehmen beauftragt worden war, Keller und Speicher auszuräumen: Alles landete auf dem Sperrmüll, wo der Vater von Max Weigel die Kiste voller Lebenserinnerungen an Land zog.

Die Frage, wie der ehemalige Lagerkommandant Lothar Wilhelm Meinl wirklich war - und was in diesem Gefangenenlager wirklich geschehen ist, wird nicht mehr zu beantworten sein. Das letzte Puzzlestück hat Lothar Wilhelm Meinl 1961 mit in sein Grab genommen.


Weigel, Röer
In einem Holzkoffer überreichte Max Weigel, Schüler des Gymnasium Laurentianum, seine Facharbeit mit dem Titel "Der Koffer des Lothar Wilhelm Meinl" seinem Fachlehrer Hermann Röer.


Stichwort

Die Arbeit von Max Weigel ist nur ein Beispiel aus der Fülle der vielen interessanten Themen, die von den Schülern der Jahrgangsstufe 12 des Laurentianum bearbeitet worden sind. In Absprache mit den Fachlehrern konnten die Themen weitgehend frei gewählt werden. So reicht die Themenpalette von Stabheuschrecken und Schimpansen über den "fliegenden Holländer" und Bob Dylan bis hin zu Goethe, Schiller und Caesar. Ein Schüler trat sogar in einen lebhaften Briefwechsel mit dem zeitgenössischen Autor Christian Kracht. In einer Mathematikarbeit werden verschiedene Methoden zur Berechnung der Größe des Emssees erörtert. Die Facharbeiten des zwölften Jahrgangs sind ein Pilotprojekt, das in diesem Jahr erstmalig erprobt wurde und möglicherweise für alle folgenden Jahrgänge in Kraft bleibt.   hjk




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