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Christopher Haasen/Patrick Schultes  
Gymnasium Laurentianum  
Klasse 5A  
Fach : Deutsch  
Halbjahr: 1/2000  



Das Märchen von den drei goldenen Tafeln

Es war einmal ein reicher König, der hatte viele Diener. Aber seine Tochter, die Prinzessin, war verschwunden. Das ganze Dorf trauerte um die Prinzessin.

So schickte der König seinen besten Diener namens Hans los.

Er wurde damit beauftragt, die Prinzessin zu finden. Der König versprach als Belohnung: "Wer meine geliebte Tochter gesund und munter zurückbringt, darf sie zur Frau nehmen."

An einem nebligen Morgen brach der Diener auf. Nach kurzer Zeit musste er von einem Hauptweg auf einen Waldweg reiten. Zuerst wollte er das Gebiet vom undurchdringlichen Wald und vom silbernen See, danach das Zauberreich durchsuchen.

Spät abends, als ihm vor Müdigkeit seine Augen zufielen, legte er sich an eine alte, knorrige Eiche zum Schlafen. Am nächsten Morgen wurde er von lautem Vogelgezwitscher geweckt. Sofort war er hellwach. Über ihm hockten zwei sprechende Elstern. Sie jammerten im Chor:" O, weh! O, weh! Unser Kind ist weg! Wenn du es zurückbringst, erhältst du eine goldene Tafel."

Der Diener achtete nicht auf das Geschwätz der Vögel und ging los, um sich etwas zu essen zu suchen. Er hatte in der Eile seinen Proviant im Schloss vergessen. Plötzlich bemerkte er eine kleine, junge Elster. Schnell brachte er sie zu den Elstern, die ihn um seine Hilfe gebeten hatten, zurück. Sie bedankten sich und als Dank für seine Heldentat gaben sie ihm, wie versprochen, die goldene Tafel. Auch er bedankte sich und zog weiter.
Alleine konnte er den Wald nicht durchqueren, weil der Wald finster war und er den Weg nicht kannte. So setzte er sich entmutigt auf einen Baumstumpf. Auf einmal stand ein hässlicher Zwerg vor ihm. Der Diener schreckte hoch und fragte das Männchen: " Wer bist du? "

Das Männchen antwortete: "Ich bin der Herr dieses Waldes. Keiner hat es bisher ohne meine Hilfe geschafft, den Wald zu durchqueren. Aber wenn du drei Prüfungen bestehst, will ich dir helfen."

"Welche Prüfungen muss ich bestehen?", wollte der Diener wissen.

Das Männchen erklärte: "Als erstes musst du den höchsten Baum des ganzen Waldes erklimmen und mir den obersten Ast abbrechen."

Das Männlein führte Hans zu dem Baum.

Der Diener begann sofort zu klettern. Fast wäre er abgerutscht, aber zum Glück konnte er sich noch gerade an einem Ast festhalten. Als er oben angekommen war, brach er den obersten Ast ab und warf ihn dem Männchen herunter. Geschickt kletterte er wieder nach unten.

"Als zweite Prüfung musst du mir eine Feder von einer Elster bringen."

Plötzlich hatte der Diener eine Idee. Er lief zurück zu den zwei Elstern, denen er ihr Kind zurückgebracht hatte. Hans bat sie:" Ich bin in Not! Bitte gebt mir eine Feder, dann wäre ich fast gerettet!" "Selbstverständlich !", antworteten die Elstern, "du hast schließlich unser Kind gefunden."

Als er eine Feder bekommen hatte, eilte er zu dem Zwerg zurück. Dieser war bereit, dem Diener die dritte Aufgabe zu stellen. Der Diener musste eine goldene Tafel, von denen er bereits eine hatte, aus dem tiefen Silbersee holen. Der Zwerg führte ihn in die Mitte des Waldes, wo der Silbersee lag. Bald war er verzweifelt, weil der See so tief war. Beim letzten Versuch nahm er alle seine Kräfte zusammen und brachte die Tafel ans Tageslicht. Der Zwerg schenkte sie ihm.
Der Diener fragte ihn :"Kannst du mich ins Zauberreich zaubern, damit ich endlich die Prinzessin finde?" Das hässliche Männchen sprach einen langen und geheimnisvollen Zauberspruch. Davon verstand Hans nur ein paar Zeilen :

Zaub're Hans ins Zauberland
durch des Waldes dunkle Wand.
Gib ihm Kraft und Heldenmut,
so dass er nicht verliert sein Blut.
Hans fand sich im Zauberreich wieder. Weil er von den Aufgaben sehr erschöpft war, legte er sich in einer Höhle schlafen.

Am nächsten Morgen, als die Höhle von den Sonnenstrahlen gut beleuchtet wurde, sah er, dass in der Höhle ein Geheimgang begann. Neugierig schlich er sich in diesen Gang hinein. Am Ende befand sich eine dicke Eisentür.

Er öffnete sie mit einem leisen Quietschen. Vor ihm stand die in Marmorstein verwandelte Prinzessin. Eine dickbäuchige Hexe saß auf dem Boden vor einer offenen Feuerstelle und murmelte Zaubersprüche. Der Diener erspähte in einer Ecke ein bläulich schimmerndes Zauberschwert. Blitzschnell ergriff er das Schwert, richtete es gegen die Hexe und rief unerschrocken:" Erlöse sofort die versteinerte Prinzessin oder ich töte dich !"

Die Hexe lachte böse und schrie mit greller Stimme :" Solange ich lebe, erlöse ich die Prinzessin niemals!"

Auch die Hexe zog ein Schwert aus ihrem Gürtel hervor und beide kämpften verbissen gegeneinander. Es war ein spannendes Duell. Keiner wollte aufgeben. Zu guter Letzt schlug der Diener mit einem kräftigen Hieb der Hexe das Schwert aus der Hand und tötete sie mit einem gezielten Stich mitten ins Herz. Dabei verwandelte sich die Hexe in eine goldene Tafel. Der Diener hob diese letzte goldene Tafel auf und setzte sie mit den anderen beiden zusammen.

So konnte er einen Zauberspruch ablesen:

Hokus pokus Zaubertafel
Zaubere mit viel Geschwafel
Zaubertafel 1-2-3
Zaub're die Prinzessin frei!
Sofort verwandelte sich die versteinerte Prinzessin zurück in ein lebendiges Wesen und der Marmorstein zerfiel in drei glitzernde Edelsteine. Die Prinzessin war glücklich und sagte zu ihrem Erlöser :" Mit deiner Gabe des Glücks und deines kämpferischen Könnens hast du es geschafft, mich zu befreien. Darum will ich dich zum Mann haben und die drei Edelsteine sollen dir gehören!" Hans brachte die Prinzessin ins Schloss zurück.

Der König war überglücklich und veranstaltete ein großes Fest, zu dem alle Dorfbewohner eingeladen wurden. Hans heiratete die Prinzessin und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.




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