Die Brünebrede
Über Warendorfs Altstadt ist viel geschrieben worden - mit Recht. Damit wollen
wir gar nicht konkurrieren. Hier steht nur ein Text über die Brünebrede, die Straße
in der die Autorin Hyun-A Cho wohnt, exemplarisch für die vielen interessanten Stellen
unserer Stadt.
Zwischen dem "Osttor" und "In den Lampen" liegt die Brünebrede.
Von ihr gehen 5 Seitenstraßen ab.
Die Zuhornstraße führt zur Oststraße, der Steinweg
zum Heumarkt, die Königsstraße zum Krickmarkt, und die Bülstraße
und die Wallgasse führen zum Ostwall.
Im Mittelalter war Warendorf stark befestigt. Viele Straßennamen stammen noch aus den Zeiten,
als Warendorf von einer Mauer und einem mit Emswasser gefüllten Stadtgraben umgeben
war. An vier Stellen konnte man durch befestigte Türme mit Toren in
den Stadtkern gelangen.
Durch das Freckenhorster Tor im Süden, das Münstertor im
Westen, das Emstor im Norden und durch das Osttor im Osten.
Die Plätze, an denen diese Tore gestanden haben, tragen noch bis
heute die Namen der Tore.
Außer diesen vier Türmen gab es noch fünf weitere,
von denen bis heute nur noch der Bentheimer Turm stehengeblieben ist.
Weitere Straßennamen, die an die Befestigung Warendorfs erinnern,
sind z.B. Ostwall, Münsterwall, Wallgasse,
Wallpromenade (Heute die B64) und die Lange Kesselstraße und
die Kurze Kesselstraße, die beide zum "Kessel" führten,
einem niedrigen, dicken Turm in dem Pulver und Waffen lagerten.
Vor etwa 170 Jahren wurde die Stadtmauer niedergerissen und der Stadtgraben
zugeschüttet.
Bei Umbauarbeiten am Zurbonschen Haus wurden Funde gemacht, die belegen,
daß es sich bei der Brünebrede ursprünglich um einen Innengraben
handelte, der die Südflanke der Stadt innerhalb der alten Wallmauern
schützte.
Ein Teil der alten Wallmauern ist heute noch an der Rückseite
des Hauses Budde erkennbar.
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| Brünebrede im Dez.1998 | Über
die Herkunft des Namens Brünebrede gibt es zwei verschiedene Varianten.
Die erste Variante, der Ursprung der Bezeichnung "Brede" deutet die
Besonderheit dieser Straße an. Brede war damals eine Bezeichnung
für Breite. Zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung 1277 wohnte
einer der elf Schöffen Warendorfs,
"Thomas Bruning", in dieser Straße. Später nannten ihn die
Einwohner Warendorfs "Thomas upper Bruningbreden",
also Thomas, der auf der Bruningbrede wohnt.
Eine andere Deutung des Namens Brünebrede findet sich in der Zuhornschen
Kirchengeschichte.
Demnach soll einst ein Anwohner namens Bruno auf dieser Straße
gewohnt haben, nachdem diese Straße benannt wurde.
Es wird vermutet, daß er dem Geschlecht der Ritter von Warendorf
angehörte.
Der Name der Straße blieb 200 Jahre nach seiner ersten urkundlichen Erwähnung
verschwunden.
Erst 1515 wird in einem Kaufvertrag die "Bruninkbrede" erwähnt,
und 1598 taucht die Bezeichnung "uff'n Bruiningbreden" auf. Um
1900 wird dann von "19 Tennentoren, davor 19 Ackerwagen und 19 Misthaufen", berichtet.
Auf der Brünebrede waren angesehene Handwerker ansässig,
was man noch an den Namenszügen an vielen Häusern erkennen kann.
(und in Zukunft wohl noch erkennen wird, weil diese Schriftzüge
unter Denkmalschutz stehen.)
Ein Beispiel ist der Schriftzug "Cillessen" am Haus Nr. 41, der Name
von einer über viele Generationen hoch angesehenen Schneiderei. Ein
anderes Beispiel ist der Schriftzug "Hermann Koch" am gegenüber stehenden
Haus.
Die ältesten, jetzt noch auf der Brünebrede ansässigen
Familien sind: Budde, Leve und Zurbonsen, letztere seit 1771.
Auf dieser Straße kam 1876 Friedrich Zurbonsen, später Professor
am Paulinum zu Münster, zur Welt.
Als Wissenschaftler, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer
schuf er sich einen unvergänglichen Namen.
Die Zurbonsen sind ein uraltes Sendenhorster Ratsgeschlecht.
Sie sind ebenfalls die älteste Postbeamtenfamilie in ganz Westfalen.
(1690 - 1910)
Seit 1692 besteht das Gasthaus "Im Engel" der Familie Leve, doch ein
Gasthaus als solches war an dieser Stelle nach der Überlieferung schon
vor etwa 400 Jahren vorhanden.
Die Familie
Budde wohnt seit dem Jahre 1681 auf der Straße, ihr
Name geht zurück bis ins 12. Jahrhundert.
Der Überlieferung nach waren es Schreinermeister Bäumer und
der 1764 in Wien tätige Kunstschreiner Budde,
die die Zeichnungen von schmückenden Holzbögen, welche in
Wien zu Ehren Maria Theresias aufgestellt waren,
mitbrachten.
Nach deren Vorlagen wurden dann hier in Warendorf die ersten Bögen hergestellt,
die alljährlich an Mariä Himmelfahrt aufgestellt
wurden. Es entwickelten sich "Bogengemeinschaften",
wahrscheinlich aus den alten "Pumpengemeinschaften" und "Nachbarschaften".
(Damals wurden mehrere Häuser zu Gemeinschaften zusammengefaßt,
die sich eine Wasserstelle teilten).
Diese Tradition reicht noch bis in die heutige Zeit, denn immer noch
werden jedes Jahr zu Mariä Himmelfahrt in der ganzen Warendorfer Innenstadt
von den Bogengemeinschaften die Bögen aufgestellt und geschmückt.
Hyun-A Cho, Inf.11.1, 10.12.98
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