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Gymnasium Laurentianum
[  Paul Schallück  ]
 



Auch ein Alter Laurentianer




Paul Schallück, Sohn einer russisch-sibirischen Mutter und eines deutschen Vaters, wurde am 17.6.1922 in Warendorf geboren. Der Absicht, katholischer Missionar zu werden, setzten Krieg und Verwundung ein Ende. Früh begann er, Gedichte und Erzählungen zu schreiben. Ein Bombenangriff verhinderte 1944 die Aufführung seines ersten Dramas. In der Nachkriegszeit wirkte der Student Schallück als Theaterkritiker und Schriftsteller und wurde in die "Gruppe 47" aufgenommen. Mehrere Romane machten ihn bekannt. Zu Erzählungen und Essays traten ungezählte Beiträge in Rundfunk und Zeitschriften. 1955 erhielt Schallück den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis, 1962 den Literaturpreis der Stadt Hagen, 1973 den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund. In seine schriftstellerischen Arbeiten hat er immer wieder seine Heimatstadt Warendorf und Hohe Straßesein Elternhaus einbezogen. Er wirkte auch als Chefredakteur von "Dokumente, Zeitschrift für internationale Zusammenarbeit". Paul Schallück starb in Köln im Alter von nur 54 Jahren am 29.2.1976.

Seit 1991 trägt Schallücks Wohnhaus, ein kleines Fachwerkhaus an der Hohen Straße, eine Gedenkplakette und eine Straße trägt mittlerweile auch seinen Namen. Paul Schallück hat sich mehrfach über seine Heimatstadt geäußert. Ein bitter-süßes Portrait von 1966 aus seiner Feder, im "Atlas deutscher Autoren" veröffentlicht, trug ihm in Warendorf viel Feindschaft ein:

Warendorf liegt an der westfälisch-münsterländischen Ems, an einer Furt, ungefähr im Schnittpunkt des achten Längen- und des zweiundfünfzigsten Breitengrades. Handwarm haben nur wenige der acht- bis zehntausend Dortgeborenen sowie der fünf- bis siebentausend Vonferngekommenen mit Pferden zu tun - in diesem schmucken Städtchen aus höchstens dreistöckigen Wohnhäusern, Gassen und Kopfsteinpflaster, krummen Straßen und viel zu schmalen Bürgersteigen. Alte Warendorfer indessen leben, atmen, essen, trinken, freuen und ärgern sich im Dunst und Bewußtseinskreis von Pferden ...

Paul SchallückPaul Schallück war für eineinhalb Jahre bis 1942 Schüler des Gymnasium Laurentianum. Einen Aufsatz über seine Zeit am Laurentianum findet man in "Von der Lateinschule zum Gymnasium Laurentianum Warendorf - 1329-1979", p.183 ff. Schallücks Roman "Engelbert Reineke" spielt in einer Kleinstadt, die nicht zufällig Warendorf ähnelt. Und im Vater der Titelfigur erkennen Alte Laurentianer den realen Beileibenicht Jans Lübbers. Christa Schütte, damals Studienrätin am Gymnasium Laurentianum, schrieb 1979 in "Von der Lateinschule zum Gymnasium Laurentianum Warendorf - 1329-1979", p.251 ff. einen ausführlichen Artikel über diesen Roman. Hier folgt als Auszug aus dem Artikel die Inhaltsangabe des Romans.

Engelbert Reineke, Studienassessor mit den Fächern Mathematik und Biologie, ist nach Beendigung von Studium, Referendarzeit und einigen Jahren Lehrtätigkeit auf Wunsch seiner Mutter in seine Heimatstadt Niederhagen zurückgekehrt, zurück an die Schule, an der er Schüler gewesen ist und an der sein Vater, Leopold Reineke, genannt Beileibenicht, gelehrt hat. Engelberts Vater, der sich als einziger im Lehrerkollegium dem nationalsozialistischen "Zeitgeist" zwar indirekt, aber eindeutig entgegengestellt hat, ist während des Krieges durch seine Kollegen "ans Messer geliefert" und ins KZ Buchenwald deportiert worden, wo er unter der Folter gestorben ist. Etliche der ehemaligen Kollegen des Vaters sind noch immer - es ist das Jahr 1956 - an der Schule tätig; sie sind jetzt die Kollegen Engelbert Reinekes. Durch das Erscheinen des Sohnes an der Schule fühlen sie sich herausgefordert, zu einer Stellungnahme gezwungen, die sie bisher nicht einmal sich selbst gegeben haben. Engelbert, der die "Vergangenheit vergangen" sein lassen wollte, lebt mit der Belastung, für seine Umwelt eine Provokation darzustellen. Dadurch, daß er sie ungewollt zu einer Stellungnahme zur Vergangenheit zwingt, gerät er in eine Außenseiterrolle, wird er von den "anderen" abgelehnt und beargwöhnt, eine Haltung, die von der Schule ausgeht und sich schnell bis ins Städtchen fortsetzt. Engelbert fühlt sich dieser ihm aufgezwungenen Rolle nicht gewachsen. Er hat die Möglichkeit, eine Stellung in der Industrie anzunehmen, Niederhagen zu verlassen und so dem "Vermächtnis" des Vaters zu entfliehen. Er muß sich entscheiden, ob er in Niederhagen bleiben und aushalten will oder gehen und untertauchen in die Vergangenheitsslosigkeit. Der zeitliche Rahmen des Romans ist der Tag dieser Entscheidung: indem Engelbert darum ringt, läßt er Szenen der Vergangenheit in seinem Geist lebendig werden. In diesen Rückblenden entsteht das Bild eines Zeitabschnittes des Dritten Reiches in Niederhagen.




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