Besuch der Mülldeponie Ennigerloh
durch den Differenzierungskurs 10 A/E
Ein Besuch der Mülldeponie - natürlich waren wir alle anfangs
nicht gerade begeistert. Doch gegen die Beschreibung unseres Lehrers
der wohltuenden Gerüche dort (mmhh...) stand immerhin der mehr oder
weniger schulfreie Tag (in der Hinsicht hatten wir uns
verrechnet...) - und so ging es dann am 25. Februar 2000 mit dem
Bus in Richtung Ennigerloh zur AWG, der Abfall
WirtschaftsGesellschaft des Kreises Warendorf
Der erste Eindruck war eigentlich gar nicht so schlecht - na ja,
immerhin rochen wir (noch) nichts ....
Nach einem Film über die Errichtung der Müllkippe, die wir hinterher
noch "live" sahen, wurden wir durch die Anlage geführt,
beginnend mit dem sogenannten Blockheizkraftwerk mit Hochtemperaturfackel,
wo das beim Abbau organischer Restmüll-Bestandteile entstehende
Faulgas zur Erzeugung elektrischer Energie verwertet wird - diese
anfallende Wärme beheizt übrigens das Verwaltungs- und Sozialgebäude.
Dann begann der für uns wohl unangenehmste Teil der Führung - das
Kompostwerk. (Das kann man nicht beschreiben - das muß man gerochen haben!)
Dort werden die gesammelten Bio- und Grünabfälle zu Kompost verarbeitet,
wobei dieser Umwandlungsprozess zirka 5-6 Wochen dauert und der dabei
entstehende Kompost später als Dünger und Bodenverbesserer eingesetzt
wird.
Die Bioabfälle gelangen dabei über ein Förderband und eine Grobsiebung
in die manuelle Vorsortierung, wo per Hand grobe Störstoffe beseitigt
werden. (Braucht noch irgendwer einen Ferienjob?) Anschließend werden
die Abfälle mechanisch in der Hammermühle zerkleinert, danach wird der
Müll durch eine zweite Siebung mit Überbandmagneten nochmals von
Störstoffen befreit. Der auf diese Weise für den eigentlichen
Kompostierungsprozess vorbereitete Biomüll wird gelagert und gelangt
danach zur speziellen Brikollaren (= Brikett,
Kompost, Belüftung) Presse, die diesen zu Presslingen formt. Diese
werden in die Intensivrottehalle befördert, wo sie bei bis zu 75°C
fünf bis sechs Wochen zersetzt werden. Ist der Prozess abgeschlossen,
wird das gepresste Material zerkleinert und nochmals gesiebt. Das
Endprodukt ist ein feinkörniger Kompost.
Nach dieser Feuertaufe ging es zur Sickerwasserkläranlage, wo das
von der Deponie durch Rohrleitungen abgelaufene Wasser gereinigt wird.
In dieser Anlage durchläuft es die biologische Stufe, in der Nitrate
durch spezielle Bakterien in molekularen Stickstoff und Ammonium zu
Nitrat umgewandelt wird, die Ultrafiltration, wo die gesamte Biomasse
aus dem Ablauf der Biologie durch siebähnliche Membranen abgetrennt
wird, und die Aktivkohle - Adsorption, wo die nicht biologisch abbaubaren
Stoffe weiter reduziert werden.
(Zu dieser Zeit schwirrte uns schon der Kopf von all diesen Prozessen und
Fachausdrücken - um Ihnen dieses zu ersparen wurde in diesem Bericht
nur auf die wichtigsten Prozesse und Vorgänge eingegangen.)
Die eigentliche Deponie ist relativ unspektakulär anzusehen - was soll man
auch erwarten? Was allerdings für Arbeit schon vor dem Befüllen in so
einer Anlage steckt, wurde uns dann erklärt: Eine 1 m dicke Ausgleichsschicht
wahrt den nötigen Abstand zu Grundwasser. Darüber befinden sich drei
mineralische Dichtungsschichten von je 25 cm Stärke, auf denen eine
Dichtungsbahn aus Kunststoff aufgebracht ist. Uber dieser Abdichtung lagert
eine 50 cm starke Kiesschicht, in der Sickerrohre zur Ableitung des
Sickerwassers in die Reinigungsanlage verlegt sind. Zum Schutz dieser
wird erst eine Schicht gehäckselter Feinmüll aufgebracht, bevor der
eigentliche Müll aufgeschüftet wird.
Nach einem Film über die Verwertung der "Gelben Säcke" - worauf
hier nicht weiter eingegangen wird - fuhren wir wieder nach Hause, wo
das Erlebte im Unterricht noch besprochen und in die passende - schriftliche -
Form gebracht wurde. In diesen Unterrichtsstunden wurde uns klar, dass
dieser "Ausflug" doch keiner gewesen war....
Lena Hüsemann und Caroline Schomburg,
Klasse 1OA