Das neue Sprachenangebot "Latein Plus", d.h. vier Stunden
Latein kombiniert mit zwei Stunden Englisch als verpflichtender Arbeitsgemeinschaft
für die Klasse fünf fand bei Eltern und Grundschülern eine Resonanz, die wir nicht
erwartet hatten. Die Anmeldezahlen für Latein als erste Fremdsprache schnellten
von 17 im Jahr davor auf 60 für Latein plus Englisch hoch.
Die bisher gemachten unterrichtlichen Erfahrungen bestätigen unsere an das neue
Sprachenmodell geknüpften Erwartungen. Bei den Schülerinnen und Schüler, die dieses
Modell gewählt haben, ist, vorausgesetzt sie sind fürs Gymnasium geeignet, eine
Überforderung nicht festzustellen. Sie arbeiten motiviert und fleißig mit und sind
sogar noch in der Lage, über das normale Maß hinaus Referate zu halten, Theater zu
spielen und lateinische Lieder zu singen.
Für beide Fächer gilt, dass die anvisierten Lernziele erreicht werden konnten. So
wurden mit dem Lehrwerk Salvete die ersten 16 bzw. 18 Lektionen und mit dem Lehrwerk
Green Line New 1 mit zunehmender Progression die ersten vier bzw. fünf Units
bearbeitet.
Anregend wirkt offensichtlich der Kontrast und der Vergleich von alter und neuer
Fremdsprache. Während im Englischen die mündliche und schriftliche Kommunikation
und der Erwerb von Landeskunde im Vordergrund stehen, ist der Lateinunterricht eher
analytisch angelegt und seine Schwerpunkte liegen bei Spracherwerb, Sprachreflexion,
Texterschließung und Übersetzung. Hier werden grundlegende grammatische Phänomene
thematisiert und mit Begriffen und Regeln versehen. Hier wird aber auch das Interesse
der Schülerinnen und Schüler für die römische Kultur geweckt.
Das intensive Reflektieren über sprachliche Systeme sorgt an vielen Stellen für ein
vertieftes Verständnis der deutschen Grammatik. Aber auch das zunehmend bewusste
Wahrnehmen und Entschlüsseln von Anglizismen in der deutschen Muttersprache dürfte
eine erwünschte Begleiterscheinung sein.
Auch wird der Bedeutung des Englischen in unserer Mediengesellschaft und dem Bedürfnis,
sich in ihr zurecht zu finden und mitsprechen zu können,
Rechnung getragen. Charts, PC,
Laptop, Digicam, world wide, rock, show sind Begriffe, die uns täglich begegnen und
verstanden werden wollen.
Ein besonderes Highlight des mehrsprachigen Unterrichts
war sicherlich die Entwicklung und mehrmalige Aufführung des bilingualen Dialogs "Meeting
an den Thermen in Pompeji". Die Idee der kleinen lateinisch-englischen Inszenierung
besteht darin, dass eine römische Familie einer britannischen die Stabianer Thermen in
Pompeji zeigt, wobei es zu landesbedingten Missverständnissen kommt.
Der Cornelsen Verlag, der unseren Modellversuch mit Interesse beobachtet, wird diesen
Dialog in seinem Teachweb als Online-Angebot für Lateinlehrer veröffentlichen. Mit
Spannung erwarten wir die Beobachtungen der Fachkolleginnen und Fachkollegen in den
nächsten Jahren.