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Gymnasium Laurentianum
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Lateinische Chronogramme und Inschriften in Warendorf

Ein Chronogramm, das wir untersuchten, hängt am Haupteingang des Gymnasium Laurentianum. Es wurde am 20. Dezember 1979, einen Tag vor den Weihnachtsferien, enthüllt. Verfasst wurde das Chronogramm von Johannes Spitzer, einem ehemaligen Latein- und Griechischlehrer des Gymnasiums, der zusammen mit einigen Kunstlehrern die Buchstaben auswählte. Schließlich wurde es in Bronze gegossen. Zählt man bei dieser Inschrift die großgeschriebenen lateinischen Buchstaben zusammen, ergeben sie das Jahr 1974, in dem der Umzug ins neue Gebäude stattfand.


Chronogramm im Laurentianum, 1974

LATEINISCHE SCHULE,
OBWOHL OFT UMGESTALTET
DURCH DEN WILLEN GOTTES FÜR DIE KINDER
DURCH DIE JAHRHUNDERTE BEWAHRT

Wenn man sich in Warendorf einmal genauer umsieht, stellt man fest, dass sich an sehr vielen alten Häusern lateinische Inschriften an Türstürzen, Holzbalken etc. befinden. Unserem Lateinlehrer Alwin Frerich kam die Idee, diese Inschriften mit unserem Lateinkurs zu übersetzen und damit mehr über die Geschichte der Häuser zu erfahren. Um so viele Informationen wie möglich über die Geschichte der Häuser und somit der Chronogramme zu erfahren, holten wir uns Unterstützung bei Wilhelm Veltman, Mitglied der Warendorfer Altstadtfreunde, der uns mit Rat und Tat zur Seite stand und bereitwillig viele Informationen zu den Inschriften preisgab. Er führte uns durch die Innenstadt und konnte uns zu jeder Inschrift wichtige Details geben, die uns bei der Übersetzung und Erforschung der Geschichte des Hauses halfen.

Im Mai 1999 wagten wir uns zunächst an das Chronogramm, das sich am Markt, genauer gesagt dort, wo bis vor kurzem ein Buchhandel untergebracht war, befindet.


Chronogramm am Markt, 1661

ALLES WAS MAN TUT, SOLL MAN MIT EINEM GUTEN GOTT TUN.

Unter der Inschrift ist eine Erläuterung angebracht:

ALTER TÜRSTURZ VOM HAUSEINGANG AM MARKT, LINKS HAUSMARKE AHAGEN, RECHTS WAPPEN RUTT/RUHT

In diesem Jahr wurde das Haus saniert, und wenn man das Haus von vorne betrachtet, findet sich dort die Jahreszahl wieder, die sich auch beim Zusammenzählen der lateinischen Buchstaben des Chronogramms ergibt.

Durch den Rüden, der sich auf dem Wappen befindet, lassen sich eventuell Rückschlüsse auf den Familiennamen Rutt ziehen. Die Inschrift hing früher an der Vorderseite des Hauses, wurde jedoch später an die Treppe versetzt, wobei das Wappen leider leicht beschädigt wurde. Das Haus, an dem sich das Chronogramm befindet, wurde im Laufe der Jahre sehr vielseitig genutzt. 1703 befand sich darin eine Apotheke. Vorher, im Jahre 1520, wurde es als Gaststätte genutzt. Sogar der Fürstbischof von Sassenberg lebte einmal in diesem Haus. In der Ergänzung zum Chronogramm ist auch von "Ahagen" die Rede. Dieses war die Familie, der das Gebäude gehörte.

Nachdem wir dieses Chronogramm bearbeitet hatten, interessierten wir uns für die Inschrift am Fachwerkhaus "Markt 17".


Chronogramm am Markt 17, 1676

Auf dich Herr habe ich gehofft, ich werde auf Ewigkeit nicht zu Schanden werden.
Nach zweimal erlittenem Brande erhebe ich mich schöner als der Umkreis,
es schütze mich jener mein Gott, der die Sterne lenkt.

Das Haus mit dieser Inschrift an der Emsstraße zeigt auch heute noch Spuren der Geschichte. Neben einer alten Treppe und einem Teil des alten Fachwerks an der Rückseite des Hauses ist bis heute nur ein auf die Wand gemaltes Bild von 1933 erhalten, das Warendorf von 1550 bis 1600 vor den zwei Stadtbränden 1670 und 1674 zeigt. Nach dem zweiten Brand wurde das Haus bis 1676 wieder aufgebaut und mit dem Chronogramm versehen. Seit 1893 bewohnte die Familie Buller das Haus. Neben einer Wirtschaft befand sich dort auch eine Poststation, ein Lebensmittelladen mit Kolonialwaren, eine Bäckerei und ein Hotel. Im Jahr 1933 richtete Herr Buller im Erdgeschoss in der alten Pferdescheune eine Caféstube ein. 1941/42 stieß man bei einer Kellervertiefung auf einen Tonkrug, in dem sich ein kleiner Knochen befand. Man vermutet, dass es sich hierbei um eine Urne einer sächsischen Begräbnisstätte handelt.

Nach dem Krieg nannte der Sohn Karl Buller die Gaststätte in den 50er Jahren "Altdeutsche Bierhalle". In den 70er Jahren drohte das Haus einzustürzen, deshalb vergrößerte man das Fundament. Das letzte einschneidende Ereignis widerfuhr dem Haus Mitte der 90er Jahre. Karl Buller gab die Gaststätte auf und verkaufte das Haus an Karl Elmer, der dieses umbaute. Seitdem beherbergt das Haus wieder eine Gaststätte mit dem Namen "Markt 17", die im westfälischen Stil eingerichtet ist.

Am Haus Temme, Emstraße 1 in Warendorf befindet sich folgende Inschrift:


Chronogramm Emsstraße 1, Haus Temme, 1619

Johannes Holstein und Elisabeth Ruth erneuerten mit Gottes Hilfe dieses Haus.

Zählt man die groß-geschriebenen Buchstaben zusammen, erhält man die Zahl 1619. Dies ist aber nicht die Jahreszahl, in der das Haus renoviert wurde, denn die Inschrift enthält einen Fehler. Bei der Restauration des Chronogramms wurde fälschlicherweise das Wort relevabant durch renovabant ersetzt. Da das Wort relevabant ein zusätzliches L enthält, das die römische Zahl 50 bedeutet, ergäbe sich beim Zusammenzählen die Jahreszahl 1669. In diesem Jahr wurde das Haus tatsächlich renoviert.

Der Grund für den Wiederaufbau des Hauses war der verheerende Stadtbrand in Warendorf 1669, bei dem große Teile der Innenstadt zerstört wurden. Nach der Hauserneuerung konnte Johannes Holstein sich jedoch an seinem neuen Haus nicht mehr lange erfreuen, denn er verstarb zwischen 1669 und 1670. Die Witwe Elisabeth Ruth heiratete daraufhin im Jahre 1673 Johannes Stövers.

Das Haus galt lange Zeit als Begegnungsstätte für die Anhänger der Wiedertäufer, die hier oft wiedertäufische Reden gehalten haben sollen.

Im Jahre 1812 wurde das Haus, das zu der Zeit eine Bäckerei war, von dem Bäcker Johann Hermann Stock an den Berufsgenossen Anton Heinrich Krampe verkauft.

Ein Aspekt, der uns besonders interessierte, war, wann das Haus den noch heute gebräuchlichen Namen „Haus Temme" erhalten hat. Diese Frage konnten wir allerdings auch nicht durch Nachforschungen im Kreisarchiv beantworten. Wir fanden jedoch heraus, dass der Name nicht durch Heirat ins Haus kam, sondern höchstwahrscheinlich durch Kauf. Hermann Temme, der 1931 in dem Haus wohnte, machte es zu einer Brennerei, die lange bestehen blieb. Heute befindet sich im Haus, das sich nicht mehr im Besitz der Familie Temme befindet, jedoch den Namen behalten hat, ein holländischer Laden.

Das folgende Chronogramm befindet sich an der Josefskapelle an der Dreibrückenstraße auf dem Grundstück der Sparkasse. Ursprünglich stand hier die St.-Annenkapelle, die 1533 erbaut wurde. Sie war eine Wege- und Prozessionskapelle im nördlichen Stadtfeld am alten Osnabrücker Landweg. 1734 wurde anstelle der St.-Annenkapelle die heutige Josefskapelle erbaut.


Chronogramm Josefskapelle, 1734

Verehrer des Hl. Josef
haben mit ihrem Geld
dieses Bauwerk wiederherstellen lassen,
das im Laufe der Jahre fast ganz verfallen war.

Auch am Franziskanerkloster in Warendorf befindet sich eine Inschrift über dem Eingangsportal.


Inschrift über dem Portal des Franziskanerklosters, 1683

Gott dem besten und größten geweiht
Ferdinand, durch Gottes und des Apostolischen
Stuhles Gnaden Bischof von Münster und
Paderborn, Burggraf von Stromberg, des Heiligen Römischen Reiches
Fürst, Graf von Pyrmont und Herr in Borkeloh,
Freiherr von Fürstenberg ließ zur Ehre
der fünf Wunden Christi
dieses Kloster im Jahre 1683 vollenden.

Die ersten Franziskaner kamen 1628 nach Warendorf, um den katholischen Glauben wieder zu festigen. Anfangs in der Nähe des Münstertors untergebracht, wurde aufgrund ihrer wachsenden Anzahl bald eine größere Herberge benötigt. Man entschied sich dann dazu, das Burghaus Bentheim zu mieten, welches 1631 gekauft werden konnte. An dieser Stelle steht auch das heutige Kloster. Anfangs wurden die Messen in der Kapelle abgehalten, die aber bald zu klein war, um alle Gläubigen zu fassen. Darum beschloss man den Bau einer größeren Kirche. Den Grundstein dieser heutigen Kirche legte Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen am 4. Januar 1652. Durch die allgemeine Verarmung des Dreißigjährigen Krieges bedingt, gingen die Arbeiten an der Kirche eher schleppend voran, so dass das Gotteshaus erst am 29. Oktober 1673 konsekriert werden konnte. Der Bau weist deutliche Einflüsse des italienischen Barocks auf.

Nach Fertigstellung der Kirche wurde schließlich der Klosterbau in Angriff genommen. Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg, der von 1678 - 1683 Bischof von Münster war, stiftete 2000 Taler für dieses Bauvorhaben. Als Dank ehrte man ihn mit seinem Familienwappen und einer Inschrift (siehe Bild) über dem Kirchenportal. Da die vorhandene Lateinschule den Ansprüchen der Stadt nicht mehr genügte, bat man die Franziskaner 1675, die Schule - das heutige Gymnasium Laurentianum - zu übernehmen.

Auch am Missionarshaus an der Laurentiuskirche, Ecke Eingang zum Markt befindet sich eine Inschrift:


Chronogramm am Missionarshaus, 1859

Aus frommer Unterstützung des Herrn Johan Otto,
Bürger dieser Stadt und Kaufmann,
nahmen dieses Haus
die Jesuiten in Besitz.
Renoviert 1859.

Johann Otto, dessen Sohn Jesuit war, stiftete sein Haus den Jesuiten. Ein Jahr nach seinem Tod 1734 bezogen die Jesuiten, die vorher an der Lünigerstraße gewohnt hatten, dieses Haus neben der alten Kirche.

An der Laurentiuskirche befindet sich eine Sonnenuhr, unter der eine lateinische Inschrift zu finden ist.


Chronogramm, Sonnenuhr Laurentiuskirche, 1693

Schau in die Höhe, wie unvermutet Nacht und Tag eilen.

Am Neuenhof 2 steht ein Fachwerkhaus, an dem zu lesen ist:


Chronogramm am Neuenhof 2, 1716

Ich bitte Gott, dass er dieses erbaute Haus vor Feuer bewahre.

Nachzulesen sind die Chronogramme und ihre Entschlüsselungen auf den Lateinseiten des Gymnasium Laurentianum Warendorf.

Hierzu besucht man die Internetadresse "http://www.laurentianum.waf-online.de", auf der auch viele andere interessante Projekte unserer Schule zu finden sind. Dort sind die Chronogramme unter der Rubrik Lateinseiten/Latein lebendig/Chronogramme in Warendorf zu finden.

Lena Wekeiser,
Lateinschülerin der Jahrgangstufe 11 des Gymnasium Laurentianum,
veröffentlicht im Dezember 2000 in Heft 37 des "Warendorfer Kiepenkerl"


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