Dr. Peter Paziorek
Dr. Peter Paziorek aus Beckum ist Mitglied des Bundestags. Er gewann für seine
Partei CDU das Direktmandat im Wahlkreis 100 Warendorf.
RAP 2K: Was hat sie in 50 Jahren Bundesrepublik Deutschland am meisten beeindruckt ?
Paziorek: Besonders beeindruckt hat mich der Aufbauwille der Generation unserer
Väter und Großväter nach dem Zweiten Weltkrieg; dieser Optimismus, mit
dem große wirtschaftliche Schwierigkeiten überwunden wurden. Aber auch
der Wille, eine sozial gerechte Gesellschaft aufzubauen, die Chancengleichheit will und Leistung belohnt.
Ebenfalls sehr beeindruckt hat mich, wie engagiert sich Schule und
Gesellschaft mit den Verbrechen des Nazi-Regimes schon in den 50er und
60er Jahren befaßt haben. Von einer Verdrängung habe ich bei meinen
Lehrern nichts gespürt.
Auch die Stärke unserer demokratischen Institutionen habe ich immer als
vorbildlich empfunden. Unser Grundgesetz ist immer noch eine der besten
Verfassungen der Welt. Darauf sollten wir stolz sein.
Folgende Daten habe ich noch in besonderer Erinnerung:
13. August 1961: Die noch halbwegs offene Grenze in Berlin wird
abgeriegelt, es ist der Tag des Mauerbaus. Hilflose Empörung macht sich breit. Wenn es noch
eines letzten Beweises bedurft hätte, dass sich das
Ulbricht-Unterdrückerregime aus Niedertracht, Gewalttat und Erbärmlichkeit zusammensetzt, so ist dieser Beweis am 13. August 1961 erbracht worden
- 21. August 1968: Truppen des Warschauer Paktes marschieren in die
Tschechoslowakei ein, der "Prager Frühling" wird von Panzern überrollt. Die Skepsis
gegenüber einer "neuen Ostpolitik" wird bestätigt. Für diejenigen, die propagiert
hatten, dass sich innerhalb der kommunistischen Welt eine Wandlung vollzogen habe, bringt
dieses Datum ein Ende aller Illusionen.
- 27. April 1972: Ein Mißtrauensvotum gegen Kanzler Brandt zugunsten
von Reiner Barzel (CDU) scheitert knapp. Jahrzehnte später sollte sich
herausstellen: Es waren Stasi-Schmiergelder im Spiel.
- August 1980: Unter Führung der neuen Gewerkschaft "Solidarität" des Lech Walesa
bricht von Danzig ausgehend in der VR Polen eine Streik- und
Protestwelle los. Die ersten Hoffnungen keimen, dass der Kalte Krieg doch überwunden
werden könnte.Ein Jahr später: In Polen wird das Kriegsrecht verhängt, die
"Solidarität" wird verboten.Dennoch ist im Osten nichts mehr so, wie vor dem August 1980. Wie immer
sich die Entwicklung in Polen auch gestalten wird, der erfolgreiche
Freiheitskampf der polnischen Bevölkerung bedeutet für Rußland eine verlorene Schlacht.
- 30. September 1989: Die über 6000 DDR-Flüchtlinge in den deutschen
Botschaften in Prag und Warschau dürfen ausreisen.
- 9. November 1989: Mauerfall
3. Oktober 1990: Vereinigung von Bundesrepublik Deutschland und DDR.
Autor: Martin Jürgens
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