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Titel links     1961
 
 

Harald M. Otto

Herr Otto ist Studiendirektor am Gymnasium Laurentianum Warendorf. Er unterrichtet die Fächer Mathematik und Informatik.

Otto 61RAP 2K:  Gibt es Ereignisse aus 50 Jahren Bundesrepublik Deutschland, die besonderen Eindruck auf Sie gemacht haben ?

Otto:  Die eine Hälfte meiner Familie stammt aus Berlin, die andere aus Westfalen. Meine Schulzeit verlebte ich in Schöningen und Helmstedt direkt an der damaligen Zonengrenze, wo mein Vater im Grenzaufsichtsdienst tätig war. Die deutsche Teilung habe ich persönlich gespürt.

Im Sommer 1961, ich war etwa so alt wie ihr, war ich zu Besuch bei Verwandten in Berlin, in West- und Ost-Berlin. So wie man heute täglich das Auf und Ab des Dollar oder des DAX im Fernsehen verfolgen kann, standen in jenen Wochen die täglichen Flüchtlingszahlen von Ost nach West jeden Morgen in der Zeitung. Genau kann ich das nicht erinnern, aber ich meine dass es vierstellige Zahlen waren.

Die Stadt war zwar geteilt, aber man konnte sich noch ohne Probleme in ganz Berlin bewegen. Ich besuchte die Verwandten in Ost-Berlin und ganz selbstverständlich kam meine Tante vom Prenzlauer Berg (Ost) zum Kaffee zu meiner Großmutter nach Lankwitz (West).

An bestimmten Punkten gab es zwar Kontrollstellen, aber die konnte man auch ohne Schwierigkeiten umgehen. Am Brandenburger Tor war eine solche Stelle und wenn man hier von West nach Ost wechselte mußte man den Ausweis zeigen und bekam eine sogenannte Tagesaufenthaltsgenehmigung. Damals machte ich mir darüber keine Gedanken. Später wurde mir klar, dass hier die DDR ihre Eigenstaatlichkeit demonstrieren wollte und auch am Viermächtestatus der Stadt kratzte. Ein solches Papier vom Juli 1961 habe ich über die Jahre hinweg aufbewahrt. Es dokumentiert, ohne dass mir das damals bewußt war, den allerletzten Tag, an dem ich in Ost-Berlin war und meine Verwandten aus Ost-Berlin sah.


Dokument

Vier Wochen später wurde die Mauer gebaut. Sie trennte unsere Familie. Es gab dann irgendwelche Prozeduren, unter denen man von West nach Ost fahren konnten. Auch für die Berliner gab es dann im Laufe der Jahre irgendwelche Besuchsregelungen. Aber tatsächlich war die Stadt ganz brutal zerschnitten.

RAP 2K:  Sie sind nie wieder in Ost-Berlin gewesen ?

Otto:  In den 60- und 70- Jahren konnte ich nicht nach Ost-Berlin oder in die DDR fahren, das war z.B. einem Bundeswehr-Soldaten verboten. Später hatte ich keinen Anlaß, meine Verwandten waren entweder verstorben oder alle im Westen.

Als dann im November 1989 die Mauer fiel, war ich tief bewegt. Noch im Dezember 1989 war ich in Helmstedt und querte die Grenze dort, wo ich aus meiner Schulzeit nur undurchdringlichen Stacheldraht kannte. Nach Berlin bin ich erst 1992 gekommen und da gab es kein Ost- und West-Berlin mehr; oder sollte es nicht mehr geben.


 

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