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Wilhelm Kumpf

Herr Kumpf lebt als Pensionär in Warendorf.

W.Kumpf RAP 2K: Gibt es Ereignisse aus "50 Jahre Bundesrepublik Deutschland", die besonderen Eindruck auf sie gemacht haben?

Wilhelm Kumpf: Ich bin Jahrgang 1918, habe also die NS-Zeit als Heranwachsener erlebt und auch den ganzen Krieg mitgemacht. Geboren wurde ich in Berlin. Nach dem Krieg wurde ich nach Marl verschlagen, doch meine Eltern und alle Verwandten, auch die meiner Frau, lebten in der damaligen DDR. Anfangs Briefe, später auch häufige Besuche haben den Kontakt aufrechterhalten. In den ersten Jahren, vor allem nach dem Mauerbau 1961, hatten meine Eltern in Berlin immer noch die Hoffnung auf eine baldige Änderung der Verhältnisse, denn niemand konnte sich vorstellen eine Millionenstadt einfach in zwei Hälften zu schneiden. Im Laufe der Zeit schwand die Hoffnung immer mehr und West und Ost begann sich mit dieser Lage einzurichten.

Der 17.Juni wurde in der Bundesrepublik Feiertag mit Reden im Parlament, während die Bevölkerung diesen Tag als zusätzlichen Urlaubstag dankbar genoß. Weihnachten stellte man im Westen Kerzen in die Fenster zum Gedenken an die "Brüder und Schwester in der DDR", auch bei den Karnevalssendungen wurde dieses Ritual weidlich gepflegt, aber sonst? Zwar wurden die Abschlußklassen immer nach Berlin "gekarrt", denn dafür gab es reichlich Zuschüsse, doch der größte Teil der "Westler" hat den Osten nie gesehen. Zugegeben, die Reise dorthin war vom Osten bewußt mit allerhand Schwierigkeiten, teilweise Schikanen versehen, warum sollte man sich ihnen aussetzen. Das machten mehr oder weniger diejenigen, die Verwandte "drüben" hatten. Später konnten dann die Ostrentner kommen, dankbar für das Begrüßungsgeld!

An der geschilderten Situation, von leichten Erleichterungen, Passierscheine für Berliner, abgesehen, schien sich nichts zu ändern. Dann kam das Jahr 1989 mit seinen überstürzenden Ereignissen. Am 9.November 1989 fuhr ich mit zwei Begleitern nach Berlin zur Einführung des neuen Dompredigers vom Berliner Dom. Auf der Fahrt dorthin auf der Autobahn, sahen wir links eine unübersehbare Reihe von Trabis Richtung Westen, die Menschen standen auf dem Mittelstreifen, es war Stau, sie winkten uns zu, die wir Richtung Osten fuhren. Wir konnten es noch nicht erfassen. In Westberlin, in unserem Hotel, wurde uns gesagt, nach Osten können sie nicht. Wir haben uns dann doch in die restlos überfüllten S-Bahnzüge gequetscht bis Bahnhof Friedrichstraße. Auf dem Weg zum Dom, die Linden entlang, inzwischen war es dunkel, war ein Betrieb wie bei einem Volksfest, Menschen, überall Menschen, eine unbeschreibliche Stimmung. Als wir nach Mitternacht wieder nach Westberlin zurückfuhren, hatte sich daran nichts geändert, im Gegenteil, jetzt wurde auch der Westteil von den Menschen überflutet. Alle Gaststätten hatten durchgehend geöffnet, auch die Banken zur Auszahlung des "Begrüßungsgeldes", nun trug es seinen Namen zu Recht! Jeder sprach mit jedem, es war ein unbeschreibliches Gefühl, das ich nie vergessen werde. In diesem Augenblick waren wir ein Volk!


Autor: Malte Kumpf

 

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