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Titel links     1961
 
 

Regine Klisch

Regine Klisch wurde 1933 in Polen geboren und kam 1945 nach Jahnberge in Deutschland. Von dort floh sie 1961 nach West-Deutschland und lebte bis 1994 in Warendorf-Freckenhorst.

RAP 2K:  Gibt es Ereignisse aus 50 Jahren Bundesrepublik Deutschland, die besonderen Eindruck auf sie gemacht haben?

Klisch:  Ein besonders einschneidendes Erlebnis für mich persönlich war meine Flucht aus der DDR nach West-Deutschland.

RAP 2K:  Würden sie beschreiben wie die Flucht erfolgt ist?

Klisch:  Natürlich. 1961 wurden Gerüchte darüber laut, dass in Berlin der letzte Weg in den Westen durch eine Mauer versperrt werden sollte. Ulbricht: Niemand .. Mauer .. Es war zwar keineswegs sicher, dass dies der Wahrheit entsprach es musste jedoch schnell entschieden werden ob man in der DDR bleiben wollte oder nicht. Da meiner Familie der Kommunismus, der in der Zone herrschte, mißfiel, verließ ich mit meinem Mann und unseren drei Kindern von einen auf den anderen Tag unser Haus. Um nicht aufzufallen, nahmen wir nur einen Koffer und Kleidung zum wechseln mit. Mit mehr Gepäck hätte die Volkspolizei sofort bemerkt, dass wir auf dem Weg in den Westen waren. Mit der Bahn haben wir dann, glücklicherweise unentdeckt, West-Berlin erreicht.

Lemmer, Klisch
Pressebild vom 13.7.1961, originaler Text:  Flüchtlingsstrom aus der Sowjetzone unvermindert stark - Der ungewöhnlich starke Zustrom von Flüchtlingen aus der Sowjetzone nach Berlin vom Mittwoch hielt auch am Donnerstag (13.7.61) unvermindert an. Von unterrichteter Seite wird mit etwa 900 bis 1000 Flüchtlingen gerechnet. Der Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen, Ernst Lemmer, der am Donnerstag das Berliner Notaufnahmelager Marienfelde besuchte, machte den sowjetischen Ministerpräsidenten Chrustschow und SED-Chef Walter Ulbricht für den starken Flüchtlingszustrom nach Westberlin verantwortlich. Viele Bewohner der Sowjetzone hätten infolge des von Chrustschow und Ulbricht verstärkten Nervenkrieges Sorge, nicht mehr die Sowjetzone verlassen zu können, falls die Grenzen der Sowjetzone endgültig geschlossen werden.
Unser dpa-Bild zeigt Bundesminister Ernst Lemmer im Notaufnahmelager Marienfelde in Berlin am Donnerstag im Gespräch mit geflüchteten Sowjetzonenbewohnern.
Anmerkung: Zweite von rechts ist Frau Klisch.

RAP 2K:  Und wie ist es dann weitergegangen?

Klisch:  Dort sind wir in ein Aufnahmelager für Flüchtlinge gekommen. In dem Lager haben wir dann erfahren, dass Ost- und West-Berlin nun tatsächlich durch die Mauer voneinander getrennt waren. Innerhalb der nächsten drei Monate wohnten wir in drei verschiedenen Flüchtlingslagern. Die Verhältnisse dort waren nicht sehr angenehm. Wir wohnten zum Teil mit zwei Familien in einem kleinen Zimmer. Küche und Bad musste mit mehreren Familien, die ebenfalls in diesem Haus lebten, geteilt werden.

Nach diesen drei Monaten hat mein Mann dann endlich Arbeit in einer Fabrik in Süddeutschland gefunden. Dadurch konnten wir uns eine kleine Wohnung leisten. Den ersten Luxus den wir uns anschafften war ein Auto mit dem wir alte Bekannte, die ebenfalls geflohen waren, besuchen konnten. Verwandte und Bekannte die in der DDR geblieben waren besuchten wir erst nach einigen Jahren, wegen der Angst vor einer Bestrafung. Als wir doch mal rüberfuhren brauchten wir eine Genehmigung. Unser altes Grundstück gehörte da schon einer anderen Familie. 1965 besuchten wir Bekannte, die in Freckenhorst gelandet waren, und erfuhren so dass die Textilfirma Kreimer Arbeitskräfte suchte. So fingen mein Mann und ich bei Kreimer an zu arbeiten und bekamen auch eine kleine Betriebswohnung. Nach einigen Jahren liehen wir uns aber Geld und bauten unser eigenes Haus.

Nach dem Mauerfall 1989 fuhr ich immer öfter wieder in mein Heimatdorf und besuchte meine Schwester und andere Bekannte. Freckenhorst war nicht meine Heimat und ich hatte Heimweh nach meinem kleinen Ort. Also beschloss ich wieder zurück zu gehen. Ich kaufte ein Grundstück, direkt gegenüber dem Haus meiner Schwester, und baute mir ein kleines Haus. Seit 1994 lebe ich jetzt wieder hier.


Autorin: Birgit Streich

 

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