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Am frühen Morgen des 24.
April 1974 klingelte es an einer Haustür in Bad Godesberg.
Der verschlafene Mieter öffnete im Bademantel. "Sind Sie
Herr Günter Guillaume?", wurde er gefragt. "Wir haben
einen Haftbefehl gegen Sie." Der rundliche Mann antwortete: "Ich bin Bürger der DDR
und ihr Offizier - respektieren Sie das!"
Der größte deutsche Spionagefall war aufgedeckt.
Hauptmann Guillaume, Offizier im besonderen Einsatz (OibE) der Hauptverwaltung Aufklärung
(HVA) der Stasi, war persönlicher Referent von
Bundeskanzler Willy Brandt, also sein Schatten, gewesen (Foto).
1956 war er in die Bundesrepublik eingeschleust worden, Er
machte in der SPD Karriere, kam 1970 ins Kanzleramt - und erschlich sich Brandts Vertrauen. Der
fuhr mit Guillaume noch 1973 in den Urlaub, als schon
Ermittlungen gegen den Referenten liefen.
Der Fall wurde zur Regierungskrise. Denn der Kanzler-Spion hatte
neben Staatsgeheimnissen auch über Brandts
Sexualleben und Frauenbekanntschaften nach Ost-Berlin berichtet.
Am 6.Mai erklärte Willy Brandt
seinen Rücktritt. Er blieb bis 1987 SPD-Vorsitzender. Sein Nachfolger
als Regierungschef wurde Helmut Schmidt.
Spion Guillaume wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt, seine
Frau Christel zu acht. 1981 wurden beide gegen acht Agenten ausgetauscht. Guillaume starb
1995 an Herzversagen.
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Quellen: Text zitiert aus BILD vom 3.12.1999. Zeichnung
von Christian O. nach einem Foto aus der gleichen Ausgabe von BILD. Parallel dazu das Buch: Guido Knopp, 100 Jahre -
Die Bilder des Jahrhunderts - Das Buch zur Serie, Econ Verlag, 1999. |
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