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Der Kniefall von Warschau |
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Der hohe Besucher trat vor, zog die Kranzschleife zurecht, ging einen
Schritt zurück. Plötzlich Unruhe in den hinteren Reihen, "Wo ist er denn?" flüsterte
einer, Fotografen reckten sich hoch.
Bundeskanzler Willy Brandt kniete nieder, seine Hände ineinander
gelegt, Er blickte stumm zu Boden. Eine halbe Minute, Mit einem Ruck erhob er sich, schritt langsam zu
seinen Begleitern zurück.
An diesem 7. Dezember 1970 war die deutsche Delegation zum Mahnmal für die Opfer
des Warschauer Ghettos gekommen. "Unter der Last der jüngsten deutschen Geschichte tat ich, was
Menschen tun, wenn die Worte versagen. So gedachte ich der Millionen Ermordete", erklärte Brandt. Es
trug zum Ansehen Deutschlands in der Welt bei.
Annähernd die Hälfte der Bundesbürger, so eine repräsentative Umfrage
damals, hielt Brandts spontane Geste der Demut für übertrieben. Vertriebenenverbände und Opposition
liefen Sturm gegen den "Warschauer Vertrag", mit dem der Kanzler die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze
Polens festschrieb.
Brandts Bemühen um Aussöhnung wurde 1971 mit dem Friedensnobelpreis
gewürdigt. Die neue Ostpolitik der Normalisierung und Entspannung fand 1972 Anerkennung: Der Kanzler wurde
wieder gewählt.
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Quellen: Text zitiert aus BILD vom 29.11.1999. Zeichnung
von Sebastian M.O. nach einem Foto aus der gleichen Ausgabe von BILD. Parallel dazu das Buch: Guido Knopp, 100 Jahre -
Die Bilder des Jahrhunderts - Das Buch zur Serie, Econ Verlag, 1999. |
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