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Die ausgemergelte Gestalt glich dem Karl
Wawrzinek, den die 11-jährige Roswitha aus den Erzählungen ihrer
Mutter kannte, überhaupt nicht. Und das Bild ihres Vaters, das
sie immer bei sich trug, zeigte ihn jung und kräftig. Sie
berührte zögernd den Mann. Der murmelte immer wieder: "Endlich frei."
Tränen flossen über Roswithas Gesicht. Später sagte sie: "Er kam mir
so fremd vor. Ich hatte einfach Angst vor ihm."
Karl Wawrzinek war einer der ersten von
fast 10 000 Spätheimkehrern aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft, die
am 9. 0ktober 1955 im Lager Friedland eintrafen. Zudem kehrten rund
20 000 Zivilinternierte aus den Straflagern Sibiriens zurück. Viele
hatten Schnellgerichte mit konstruierten Vorwürfen zu langjähriger
Zwangsarbeit verurteilt. Insgesamt mussten mehr als drei
Millionen für Hitlers Überfall büßen. Jeder
Dritte war verschollen oder an den unmenschlichen Bedingungen
zugrunde gegangen.
Kanzler Adenauer hatte die Freilassung
der letzten Gefangenen in harten Verhandlungen in Moskau
erreicht. Der Preis waren diplomatische, wirtschaftliche und
kulturelle Beziehungen der Bundesrepulik mit der Sowjetunion.
Die Russen sahen damit die Existenz zweier deutscher Staaten
als gegeben an. |
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Quellen: Text zitiert aus BILD vom 10.11.1999. Zeichnung
von David P. nach einem Foto aus der gleichen Ausgabe von BILD. Parallel dazu das Buch: Guido Knopp, 100 Jahre -
Die Bilder des Jahrhunderts - Das Buch zur Serie, Econ Verlag, 1999. |
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