Lau-Home Start | Allgemein | Geschichte | Geographie | Kunst | Religion | Erziehungswiss. | Sozialwiss. | Inhalt
 
< zurück |  vor >


Missionsgebiet (Ost-) Berlin


Am Donnerstag dem 9.3.2000 erreichten die Gruppen Tiergarten und Marzahn gegen 16 Uhr die katholische Gemeinde St. Martin in Kaulsdorf, ein Stadtteil des Bezirks Hellersdorf im Osten Berlins. Dort wurden wir von dem Kaplan der Gemeinde, Bernhard Stegemann und einigen Jugendlichen freundlich in Empfang genommen und direkt in den Jugendraum im Hinterhof der Kirche geführt. Daraufhin wurde die erste Annäherung beider Gruppen durch Namensschilder, verbunden mit gemeinsamen Kaffeetrinken geschaffen. Dann begann Ulli, eine Jugendliche der Gemeinde, die schon lange dort tätig ist einen Vortrag über denn Sinn der Gemeinde zur Zeit der DDR zu halten. Schnell kristallisierte sich heraus, dass der Sinn einer katholischen Gemeinschaft in der ehemaligen DDR völlig anders definiert wurde als bei uns. Die Aufgabe derer war nämlich den Bürgern eine Möglichkeit zu bieten zur kritischen Meinungsäußerung gegenüber dem politischen System der DDR ohne der Gefahr der Bespitzelung ausgeliefert zu sein. Als Beispiel hierfür wurden bei öffentlichen Gemeindeveranstaltungen auffällige Personen vom Hauptgeschehen dadurch abgegrenzt, dass sie von einigen Personen abgelenkt wurden. Eine weitere wichtige Funktion der Gemeinschaften war, da Jugendlichen ein Gemeinschaftsleben bzw. einen Freundeskreis zu ermöglichen insofern sie nicht Mitglied einer parteilichen Organisation wie der FDJ oder den Pionieren waren. Weiterhin wurde der religiöse Aspekt von solchen Gemeinschaften berücksichtigt. Da in der Schule kein Religionsunterricht erteilt wurde, weil die ehemalige DDR eine atheistische Denkweise anstrebte, war es für die Jugendlichen selbstverständlich den außerschulischen Religionsunterricht zu besuchen.

Ein großer Nachteil dieser katholischen Gemeinschaften war allerdings, dass man die Vorzüge eines Pioniers oder eines FDJ-Mitglieds nicht genießen konnte (Abitur, Studium). Trotz der damals oppositionellen Haltung gegenüber der SED wurde deutlich, dass sie sich von der BRD nicht in ihren Rechten berücksichtigt vorkommen und immer noch mit der damaligen Lebensart sympathisieren. An dieser Stelle integrierten wir uns in den Monolog, woraus sich eine längere Diskussion über das politische System und die Bedeutung der Wiedervereinigung entwickelte. Trotz beidseitiger Argumentation konnte keine der beiden Seiten überzeugt werden. Im Anschluss an diese Diskussion begab sich die mittlerweile stark angewachsene Gruppe durch Jugendlichen, die vom Nachmittagsunterricht dazu stießen in den Speisesaal, in dem nach einem Gebet von den Jugendlichen zubereitete Speisen serviert wurden. Nach dem Essen, bei dem sich noch ein wenig über die Freizeitaktivitäten unterhalten wurde, verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Heimweg, Eindrücke, die wir mitnahmen waren auf der einen Seite die Selbstsicherheit und Redegewandtheit der Jugendlichen, aber auf der anderen Seite dir Uneinsichtigkeit und leichte Arroganz gegenüber den "Wessis".

 

...weiter geht es mit einem Artikel  über die
Probleme der inneren Einheit Deutschlands
< zurück
 |  Startseite | vor >