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Gegenüberstellung Expressionismus - Kubismus am Beispiel von Picasso und Kirchner

 

Expressionismus

 

Seit 1911 wird dieser Begriff (aus dem lateinischen "expression": anschaulicher, deutlicher, bzw. handgreiflicher Ausdruck) für eine künstlerische Auffassung und Gestaltungsweise angewandt. Diese entstand dadurch, dass das Dargestellte zunehmend den Bezug zu einer in der Natur vorgegebenen Form und Bedeutung verlor. Im Gegensatz zum Impressionismus, der sich noch auf Beobachtungen, etwa die Veränderung der Farbe durch Licht, stützte, erhält in der expressionistischen Kunst das Dargestellte seine Form und Farbe allein aus der Empfindung.

Dieser Expressionismus entwickelte sich in Deutschland vor allem durch die Künstlervereinigung "die Brücke" in Dresden und in Frankreich durch die "Fauves".

Bekannte "Brücke"-Maler waren: Kirchner, Heckel, Schmidt-Rottluff und Pechstein, die auch heute noch als roh empfundene Anfänge des deutschen Expressionismus gelten und ihre Fortentwicklung durch die Maler: Klee, Marc und Macke fanden.

Expressionistische Darstellungsweisen sind in besonderer Weise kräftige Farben und starke Formen. Natürliche und leblose Gegenstände oder Landschaften zum Beispiel werden mit Gesten unserer Körpersprache ausgestattet. Farbige Formen bekräftigen den Bildinhalt und lösen Stimmungen aus. Zudem sind die Farben frei und haben einen eigenwärtigen Ausdruck. Es kommt häufig zur Bildung von Farbkontrasten. Besonders stark in diesem Zusammenhang ist der Komplementärkontrast. So entsteht der Eindruck von flächigen Farbformen, was durch dunkle Umriß-Linien noch verstärkt wird.

 

Ernst Ludwig Kirchner

 

Ernst Ludwig Kirchner wurde 1880 geboren. Er studierte in Dresden und München Architektur und anschließend in München Malerei. 1905 gründete er mit weiteren Künstlern die Kunstgemeinschaft "Brücke". Kirchner siedelte 1911 nach Berlin über, wo er sein neues Thema "Straßenbilder" fand. Er erlitt während seiner Ausbildungszeit einen Nervenzusammenbruch, von dem er sich in Davos in der Schweiz erholte, wo er aber 1938 starb.

 

Der Kubismus

 

Der Kubismus ist um ca. 1907 entstanden und stellt nun nicht mehr eine Imitation der Natur dar, sondern reine autonome Kunstgebilde. Er stellt eine entscheidende Etappe auf dem Weg der modernen Kunst zur Vergeistigung dar.

Als Schlüsselbild des Kubismus wird das Bild "Die Mädchen von Avignon" von Pablo Picasso bezeichnet. Der Kubismus entwickelte sich zeitgleich mit dem Fauvismus und dem Expressionismus.

Zu den Hauptvertretern des Kubismus zählen P. Picasso, Georgs Braque und Juan Gris. Diese Künstler gingen von den Anschauungen Paul Cézannes und Georges Sevats aus, die beide den Kunstcharacter von Naturdarstellungen betonten und die Ausdrucksmöglickeiten der Formen und Farben stärker nutzten.

Die Bilder sind weniger spontan entstanden, sondern als durchdachter Versuch eine neue Ausdrucksweise und Gestaltungsweise zu finden.

1908 entstand die Bezeichnung Kubismus (Kubus=Würfel) durch einen Kunstkritiker.

Diese Bezeichnung ist begründet durch die würfelartige Hervorhebung der Körperhaftigkeit der Gegenstände.

Die verwendeten Formen werden systematisiert und entwickeln eine eigene Formensprache. Gegenstände werden weiterhin bei ihrer Darstellung in ganz bestimmter Weise deformiert.

Die Künstler zerlegen die Körper auf der Bildfläche, die aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen werden und somit eine völlig neue Zusammensetzung darstellen.

Alle Bildformen sind ineinander verzahnt und geschichtet, so dass der Eindruck der Flächigkeit auf der Bildebene entsteht, dem hingegen wird auf die Erzeugung körperlich räumlicher Illusionen verzichtet, so dass eine selbständig wirkende autonome Kunstwelt geschaffen wird.

Strukturen werden nun freigelegt, die sich Elementarformen oder einfachen Konstruktionen stützen. Flächenfragmente, die sich in Gesamtformen auflösen bauen auf geometrischen Grundformen auf.

 

Pablo Picasso (1881-1973)

 

P. Picasso ist einer der bedeutendsten Maler des 20 Jahrhunderts sowie des Kubismus.

Nach seiner künstlerischen Ausbildung in Barcelona und Madrid, wo er seine blaue und rosa Phase erlebte, lebte er ab 1901 in Paris.

Dort gründete er mit Georgs Braque eine Ateliergemeinschaft, die dann den Kubismus in Leben rief.

Ab 1917 löste sich Picasso vom kubistischen Stil und schuf plastisch wirkende, neoklassistische Figurenbilder.

Durch surrealistische Einflüsse in den 20er Jahren gewannen seine Bilder an kühner grellfarbender, formverzerrender Expressivität.

1937schuf er das Werk "Gueruecca", ein bedeutsames Anti-Kriegsbild.

Nach seinem Tod 1973 hat er eine umfangreiches grafisches, plastischen Bestand an Kunstwerken hinterlassen.

 

Beispiel des Kubismus : "Weiblicher Akt" von P.Picasso

 

Als Schock und Offenbarung erlebte Pablo Picasso anläßlich eines Besuchs im Ethnografischen Museum des Trocadéro in Paris 1906 Stammesmasken und Fetische. Der Einfluß dieser Skulpturen sowie Bilder des Spätwerks Paul Gauguin aber auch Beispiele ägyptischer und romantischer Kunst sind Quellen seines Primitivismus, zu denen auch das folgenden beschriebene Bild gehört:

Dieses Gemälde aufbewahrt in der "Sammlung Bergguen" ist eine Ölskizze auf 81x 60 cm großer Leinwand.

Dargestellt ist der etwas zur Seite gedrehte Kopf einer Frau, deren Gesichtszüge fundamental vereinfacht und deformiert werden.

Die besonderen Orange-, Gelb-, Blau- und Weißtöne gelten als vernichtender malerischer Angriff auf die noch nie zuvor da gewesene grobe Farbgebung.

Auf jede verbindliche Körperfarbigkeit verzichtet Picasso und unterwirft Kopf und Rumpf einer einheitlichen Gestaltung. So erscheint die Frau wie ein gebannter Fetisch im typisch barbarischen Stil.

Das maskenhafte Gesicht wäre ohne die Kenntnis der afrikanischen oder ozeanischen Stammeskunst nicht zustande gekommen. Viele formale Details wie etwa Schraffuren beziehen sich auf die Kunst der Maskenbildnerei. Ebenso zeugt der Nasenrücken von iberischen Studien.

 

Von Susanna Kirsch & Ilona Bisping

 

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