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Leben und Erziehung in einer Arbeiterfamilie zu Beginn des 20. Jahrhunderts


Am Ende des 19. Jahrhunderts und am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es im deutschen Kaiserreich große soziale Differenzen, die sich durch die Industrialisierung gebildet hatten. Auf der einen Seite gab es die reichen Bürgerfamilien, die Macht und Einfluss hatten, und die Arbeiterfamilien, die oft für jene Bürgerfamilien arbeiteten und den Großteil der Bevölkerung ausmachten. Im Gegensatz zu den Bürgerfamilien, die in einer Überflussgesellschaft lebten, litten die Arbeiterfamilien unter den sozialen Missständen der Gesellschaft. Zu diesen sozialen Problemen gehörten die vielen Arbeitslosen, die oft unterhalb des Existenzminimums lebten, und vom Staat keinerlei Unterstützung erhielten, daraus resultierte, dass die Schere zwischen arm und reich unausweichlich auseinander ging.

Durch die Umstände ergab sich, dass auch die Familiensituation oft mehr als problematisch war. Man lebte aufgrund von Geldmangel, in sehr kleinen Wohnungen, die oft nur aus 3 Räumen bestanden. Da die Familien aber nicht selten mehr als 4 Kinder hatten, lebten sie stark eingeschränkt auf sehr kleinen Raum, der keinerlei Komfort oder eine sonstige Form von Luxus bot. Die Familien besaßen nur wenige Möbel, die meist stark heruntergekommen oder beschädigt waren. Die Wohnungen waren so minderwertig, dass es oft nur so vor Ungeziefer wimmelte. Insgesamt boten die Behausungen einen erbärmlichen Anblick.

Um die eigene Existenz zu sichern, mussten die Arbeiterfamilien außergewöhnlich viel und sehr harte Arbeit verrichten. Dazu gehörte, dass nicht nur die Eltern arbeiteten, sondern auch die Kinder. Diese mussten sogar im jüngsten Alter nachmittags nach der Schule arbeiten.
Sie leisteten niedrigste Dienste zu niedrigsten Löhnen, aber selbst dieses Geld wurde dringend benötigt. Dadurch dass alle arbeiten mussten, hatten die Eltern keine Zeit zur Betreuung der Kleinkinder, so dass diese z.B. tagsüber mit einem getränkten Leinensack, der mit Kautabak gefüllt war, ruhiggestellt wurden.
Die Kinder besaßen kein Spielzeug, sie hatten im heutigen Sinne keine eigentliche Kindheit, da sie oft schon mit 13 Jahren anfingen zu arbeiten. Mädchen wurden in diesem Alter oft als "Mädchen für alles" eingestellt, so dass sie in reichen Bürgerfamilien niedrige Arbeiten verrichten. Hierzu gehörten z.B. das Anheizen des Ofens morgens um 5.30 Uhr, das Zubereiten der Speisen der Mahlzeiten, das mühselige Waschen der Wäsche und die Zubereitung der Lebensmittel, dies umfasste die Aufbereitung von verdorbenen zu genießbaren Speisen und notfalls auch das Schlachten von Tieren. Nebenbei mussten sich diese Angestellten die Kinder erziehen und Botengänge erledigen, sie waren für alle Arbeiten, die im Haushalt anfielen verantwortlich. Viele Arbeiten waren sehr zeitaufwendig, so dass ein Dienstmädchen 14 Stunden am Tag arbeiten musste, nur alle 2 Wochen wenige Stunden Freigang bekam und generell keinen Anspruch auf Urlaub erheben konnte. In dieser, oder einer ähnlichen Situation befanden sich 88% der Bevölkerung. Die Arbeiten wurden dadurch erschwert, dass die Dienstmädchen oft keine eigentliche Ausbildung absolviert hatten.
Insgesamt kann man sagen, dass diese Arbeiter ein schweres Leben ohne jede Freude hatten. Dies wird durch einen Bericht eines Dienstmädchen, das genau diese Situation durchlebt hat und in den 70er Jahren in einem Altersheim lebte, verstärkt : "Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch zu Lebzeiten ins Paradies komme. Ich habe immer gemeint, Leute wie wir müssen erst aufs Jenseits warten."
Sie bezeichnet das Altersheim als "Paradies". Aufgrund schwerer körperlicher Leiden, die aus dieser Zeit herrühren, musste die ärztlich behandelt werden, bis sie diesen Leiden erlag.

 

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Leben einer Bürgerfamilie zu Beginn des 20. Jahrhunderts
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