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Berliner Leben zu Beginn des 20.Jahrhunderts

Veränderungen der Wohn- und Lebensverhältnisse (Mietskasernen und Hinterhöfe) in Folge des Industrialisierungsprozesses


In einer Stadtführung durch Berlin, beginnend am Hotel Adlon, wurden uns die Folgen der explosionsartigen Ausdehnung der Bevölkerung während der industriellen Revolution anhand von Mietskasernen verdeutlicht.
Auf diesen Bevölkerungszuwachs war die Stadt nicht vorbereitet, so mussten neue Häuser mit möglichst großer Kapazität gebaut werden. Dies hatte und hat schlimme soziale Folgen für die Bewohner mit sich gebracht.
Im Gegensatz dazu wurden am Brandenburger Tor im 19. Jahrhundert Prunkbauten für die Oberschicht errichtet. Diese Gebäude waren so nobel, dass z.B. Kaiser Wilhelm II. im Adlon-Hotel statt in seinem Schloss Charlottenburg gebadet hat.
Karl Liebermann, ein angesehener jüdischer Impressionist, der die Kunstakademie um 1930 geleitet hat, wohnte in einem Haus, das heute zum Kanzleramt umgebaut wird. Liebermann wurde später vom NS-Regime ermordet, seine Frau in ein KZ eingeliefert.
Um diesen Mittelpunkt der Stadt siedelten sich ärmere Leute an, wie in dem sogenannten Scheunenviertel an der Friedrichsstraße. Im 19. Jahrhundert lebten hier vor allem Juden. Später wurde die Friedrichsstraße durch die Mauer getrennt, wobei die Bauten im Osten verwahrlosten. Heute ist die S-Bahn-Station, die vom West- in den Ost-Teil führt, als Tränenpalast bekannt. Das Scheunenviertel wurde in der DDR als Amüsiermeile genutzt, wo Kabaretts, Theater (Bertold Brecht-Theater), der Friedrichsstadtpalast und Kinos wie das Tacheles errichtet wurden. Das Tacheles wurde um die Jahrhundertwende als Kaufhaus erbaut, durch die Bomben des 2. Weltkriegs zum Teil zerstört und von der DDR als Alternativ-Kino genutzt, heute für alternative moderne Kunst zur Verfügung gestellt.
Das Scheunenviertel hat seinen Namen von den aus Ost-Europa immigrierten, oft bäuerlich aussehenden Arbeitern erhalten.
Die Hinterhof-Gegend der Mietskasernen beginnt in der Oranienburgerstraße. Mietskasernen, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 20er Jahre gebaut, sind mehrgeschossige, meist fünfgeschossige, Wohnhäuser, circa 22m hoch, mit einem Vorderhaus und Seitenflügeln. Diese Häuser haben oft nur so kleine Hinterhöfe, dass so viel Platz war, dass ein kleines Feuerwehrauto wenden konnte. Diese Höfe waren enge, dunkle Schluchten, auch "Kulturröhren" genannt, in denen oft selbst Pflanzen eingingen. Die Wohnungen waren überbesetzt, so wurde ein kleines Zimmer mindestens mit 5 Personen geteilt. In Folge dessen lebten in einem Haus in Berlin durchschnittlich 76 Personen, im Vergleich dazu in London nur 8. Die Menschen waren so arm, dass sie die ohnehin knapp bemessenen Wohnungen an sogenannte Schlafburschen untervermieteten. Oft teilten sich Arbeiter ein Bett, die in der Nachtschicht bzw. Tagesschicht werktätig waren.
Nur die Hälfte aller Zimmer waren heizbar, so dass aufgrund der Kälte und der Überbelegung der Zimmer Seuchen und Epidemien die Menschen heimsuchten. Durch den Mangel an Sauerstoffzufuhr, Luft und frischem Wasser sind vor allem Kinder und alte Leute der mörderischen Atmosphäre zum Opfer gefallen. Die Sterblichkeitsraten hing mit den Stockwerken zusammen, da in den feuchten und dunklen Kellern besonders viele Menschen starben.
In der heutigen Zeit sind diese Viertel durch große Gegensätze gekennzeichnet. Auf der einen Seite wurden einige Mietskasernen renoviert, so dass sie zu sehr guten Wohnadressen, wie die Hackeschen Höfe, zählen. Auf der anderen Seite erkennt man an manchen Häusern sogar noch Kriegsspuren. Zu diesen Hinterhöfen wird man von privaten Stadtführern nicht mehr begleitet, da sich die Anwohner beschwert haben und die Gruppen mit Müll und Wohnungsgegenständen beworfen wurden.
Man sollte die Mietskasernen nicht nur zu schicken Wohnungen umbauen, die sich nur reiche Leute leisten können. So würde eine Verlagerung der armen Bevölkerung in die Randgebiete Berlins befördert, wodurch man eine Ghettosierung weiterhin stärken würde.

Stefanie Schalkamp, Nicole Glanemann, Thomas Böckmann, Daniel Baldin

 

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